Mehrsystemlok

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 240

„Diese Lokomotive kann in vier verschiedenen Ländern fahren.“

Mehrsystemlok

→ Übersetzt: Eine Maschine, die vier europäische Stromsysteme gleichzeitig beherrscht.

Lesezeit: 8 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Eine Mehrsystemlok kann unter verschiedenen Fahrleitungsspannungen fahren. Sie beherrscht typischerweise mehrere europäische Stromsysteme und zusätzlich unterschiedliche Zugsicherungssysteme. Dadurch entfällt der früher übliche Lokwechsel an der Grenze. Solche Fahrzeuge sind technisch aufwendig und deutlich teurer als reine Einsystemlokomotiven.

Deutschland fährt mit einer bestimmten Fahrleitungsspannung.

Frankreich nutzt eine völlig andere.

Belgien, Italien und die Schweiz wieder eigene.

Früher bedeutete das an jeder Grenze einen Lokwechsel.

Das kostete jedes Mal wertvolle Zeit.

Heute gibt es Maschinen, die all das gleichzeitig beherrschen.

Sie sind technische Alleskönner und entsprechend teuer.

Eine kräftige Elektrolokomotive steht unter Oberleitungen an einem Grenzbahnhof
Vier Stromsysteme, mehrere Zugsicherungen, alles in einem Fahrzeug. Symbolbild, mit KI erstellt.

Welche Stromsysteme es in Europa gibt

Deutschland, Österreich und die Schweiz nutzen Wechselstrom mit 15 Kilovolt.

Frankreich und Belgien fahren teils mit 25 Kilovolt Wechselstrom.

Daneben gibt es Gleichstromsysteme mit 1,5 und 3 Kilovolt.

Italien und die Niederlande setzen darauf.

Insgesamt existieren vier große Systeme nebeneinander.

Sie sind historisch gewachsen und nicht kompatibel.

Ein Umbau ganzer Länder wäre unbezahlbar.

Wie eine Mehrsystemlok damit umgeht

Sie besitzt Leistungselektronik für alle unterstützten Systeme.

Der Wechsel erfolgt meist automatisch beim Grenzübertritt.

Dafür gibt es eine kurze stromlose Trennstelle im Fahrdraht.

Die Lok rollt antriebslos hindurch und schaltet dabei um.

Auf der anderen Seite nimmt sie sofort wieder Strom auf.

Für Fahrgäste ist das kaum wahrnehmbar.

Nur kurz flackert manchmal das Licht im Wagen.

Was so eine Lok alles können muss

STROMSYSTEME

bis zu vier

Wechselstrom mit 15 und 25 Kilovolt sowie Gleichstrom mit 1,5 und 3 Kilovolt.

ZUGSICHERUNG

mehrere Länder

Jedes Land hat sein eigenes System, alle müssen an Bord sein.

ZULASSUNG

pro Land nötig

Jede nationale Behörde prüft und genehmigt das Fahrzeug einzeln.

STROMABNEHMER

unterschiedlich breit

Die Länder nutzen verschieden breite Schleifstücke am Bügel.

Manche Loks tragen deshalb vier verschiedene Stromabnehmer auf dem Dach.

Warum die Zugsicherung noch komplizierter ist

Jedes Land hat sein eigenes Sicherungssystem entwickelt.

Deutschland nutzt ein anderes System als Frankreich.

Eine grenzüberschreitende Lok braucht alle davon.

Das bedeutet mehrere Rechner und Antennen an Bord.

Jedes System muss einzeln zugelassen werden.

Diese Zulassungen sind langwierig und teuer.

Das europäische Einheitssystem soll das langfristig lösen.

Was diese Technik kostet

Eine Mehrsystemlok kostet deutlich mehr als eine einfache Lok.

Der Aufpreis liegt oft im Millionenbereich.

Auch die Wartung ist aufwendiger und spezieller.

Trotzdem lohnt sich die Investition im internationalen Verkehr.

Der eingesparte Lokwechsel bringt pro Fahrt Zeit und Personal.

Bei täglichen Umläufen rechnet sich das schnell.

Video: „Mehrsystemloks – die Lösung für Stromgrenzen“ vom Kanal TheTraintv.

„Diese Lokomotive kann in vier verschiedenen Ländern fahren.“

→ Übersetzt: Vier Stromsysteme und ebenso viele Zugsicherungen, alles an Bord.

Wo diese Loks besonders wichtig sind

Im Güterverkehr sind sie inzwischen unverzichtbar.

Güterzüge queren regelmäßig mehrere Landesgrenzen.

Jeder vermiedene Lokwechsel spart dort viel Zeit.

Auch internationale Nachtzüge nutzen solche Maschinen.

Im reinen Inlandsverkehr lohnen sie sich dagegen kaum.

Dort genügt eine einfachere und günstigere Lok.

Warum trotzdem noch Lokwechsel stattfinden

Nicht jede Strecke wird mit solchen Loks bedient.

Auch fehlt manchmal die Zulassung für ein bestimmtes Land.

Zusätzlich muss der Lokführer für beide Länder qualifiziert sein.

Fehlt diese Qualifikation, wird trotzdem gewechselt.

Die Technik allein löst das Problem also nicht vollständig.

Auch Menschen brauchen die passenden Zulassungen.

Wie sich das langfristig vereinfachen soll

Das europäische Zugsicherungssystem soll alle nationalen Systeme ersetzen.

Damit bräuchte eine Lok nur noch ein einziges Sicherungssystem.

Bei den Stromsystemen wird sich dagegen nichts ändern.

Ein Umbau ganzer Netze wäre schlicht zu teuer.

Mehrsystemfähige Fahrzeuge bleiben deshalb dauerhaft nötig.

Immerhin wird ihre Elektronik von Generation zu Generation kompakter.

Ein Blick in den Führerstand

Der Lokführer sieht, welches System gerade aktiv ist.

Vor der Grenze bereitet er den Wechsel aktiv vor.

Moderne Fahrzeuge erledigen vieles davon automatisch.

Trotzdem bleibt er für die Überwachung verantwortlich.

Ein Fehler beim Umschalten hätte erhebliche Folgen.

Deshalb ist dieser Streckenabschnitt besonders gut markiert.

Warum das für Sie günstiger wird

Früher stand jeder Zug an der Grenze und tauschte die Lok.

Das kostete zwanzig Minuten und viel Personal.

Mit einer Mehrsystemlok fährt der Zug einfach weiter.

Diese gesparte Zeit landet am Ende in Ihrem Fahrplan.

Manche Loks beherrschen sogar vier verschiedene Stromsysteme gleichzeitig.

Sie fahren dann von Hamburg bis nach Italien durch, ohne Halt an der Grenze.

Welche Stromsysteme in Europa aufeinandertreffen

Es sind vier große und sie liegen dicht beieinander.

Deutschland, Österreich, die Schweiz, Schweden und Norwegen fahren mit fünfzehntausend Volt Wechselstrom bei sechzehn Komma sieben Hertz.

Frankreich, die Niederlande und Belgien nutzen unter anderem fünfundzwanzigtausend Volt bei fünfzig Hertz.

Die Niederlande und Teile Frankreichs fahren zusätzlich mit Gleichstrom bei tausendfünfhundert Volt.

Belgien und Italien nutzen dreitausend Volt Gleichstrom. Eine Lok von Hamburg nach Rom braucht deshalb vier Systeme.

Was eine Mehrsystemlok außerdem beherrschen muss

Der Strom ist nur die halbe Miete.

Sie braucht die Zugsicherung jedes Landes an Bord, oft vier oder mehr Systeme.

Sie braucht passende Stromabnehmer, denn Wippenbreite und Fahrdrahthöhe unterscheiden sich.

Sie braucht Zulassungen für jedes einzelne Land.

Und der Lokführer braucht Streckenkenntnis und oft eine Sprachprüfung. Genau deshalb wechselt an der Grenze meist das Personal, aber nicht mehr die Lok.

Alle Fragen zum Thema

Was ist eine Mehrsystemlok?

Eine Lokomotive, die mit mehreren Stromsystemen fahren kann. Sie schaltet an der Grenze automatisch um. Damit entfällt der Lokwechsel.

Welche Stromsysteme gibt es in Europa?

Vor allem fünfzehntausend Volt bei sechzehn Komma sieben Hertz, fünfundzwanzigtausend Volt bei fünfzig Hertz sowie tausendfünfhundert und dreitausend Volt Gleichstrom. Sie sind historisch gewachsen. Eine Vereinheitlichung wäre unbezahlbar.

Wie schaltet die Lok um?

Meist automatisch beim Durchfahren einer Schutzstrecke. Dort ist die Oberleitung kurz stromlos. Der Zug rollt mit Schwung hindurch und schaltet dabei um.

Warum wird es dabei im Zug kurz dunkel?

Weil während der Schutzstrecke kein Strom fließt. Licht, Klimaanlage und Steckdosen fallen für Sekunden aus. Das ist völlig normal.

Braucht sie auch mehrere Zugsicherungen?

Ja, jedes Land hat ein eigenes System. Eine Lok für mehrere Länder trägt oft vier oder mehr an Bord. ETCS soll das vereinheitlichen.

Warum sind Mehrsystemloks so teuer?

Weil sie mehrfach vorhandene Technik brauchen. Dazu kommen Zulassungen in jedem Land. Der Preis liegt deutlich über einer normalen Lok.

Sind ICE-Züge auch Mehrsystemfahrzeuge?

Einige ja, etwa die Baureihen für den Verkehr nach Frankreich, Belgien und in die Schweiz. Sie tragen mehrere Stromsysteme und Zugsicherungen. Andere fahren nur in Deutschland und Österreich.

Warum wechselt trotzdem das Personal an der Grenze?

Weil Streckenkenntnis und Sprachprüfung national geregelt sind. Ein Lokführer darf nur Strecken fahren, für die er geprüft ist. Deshalb bleibt dieser Wechsel bestehen.

Was ändert ETCS daran?

Es ersetzt die vielen nationalen Zugsicherungen durch ein System. Das vereinfacht Fahrzeuge und Zulassungen erheblich. Die Stromsysteme bleiben davon unberührt.

Der Chefübersetzer sagt

„Die Mehrsystemlok ist die technische Antwort auf ein politisches Problem. Europa ist längst ein Binnenmarkt, seine Bahnstromnetze aber nicht. Bis das einheitlich wird, tragen einzelne Fahrzeuge diese Vielfalt einfach mit sich herum.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Achte an Grenzen auf kurzes Flackern des Lichts, dann läuft der Systemwechsel.

2. Erkenne Mehrsystemloks an mehreren unterschiedlichen Stromabnehmern auf dem Dach.

3. Verstehe verbleibende Lokwechsel oft als Personalthema, nicht als Technikproblem.

4. Rechne im internationalen Güterverkehr fast immer mit solchen Fahrzeugen.

Weiterfahrt

Stromabnehmer

Grenzbahnhof – Begriff 206 im Wörterbuch

Lokwechsel

Zurück zur Übersetzungstafel

Demnächst auf der Tafel: Bahnstromsystem · Schienenschleifzug

Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp

  • Neue Slam-Texte zuerst
  • Gedanken vom Gleis
  • Keine E-Mail, kein Spam

Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.

Jetzt Kanal folgen
QR-Code zum Bahn-Slam WhatsApp-Kanal 📷 Scannen & folgen
🦝 Komm mit meinem Waschbär an Bord – schon jetzt an Gleis 1 der Bahn-Slam-Community.
Kanal ansehen →

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →