Sollte die Hamburger S-Bahn vollautomatisch fahren?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug beschleunigt und bremst von selbst, der Mensch im Führerstand schaut noch zu.“

Sollte die Hamburger S-Bahn vollautomatisch fahren?

→ Ein Standpunkt zu einem Hamburger Versuch, bei dem die S-Bahn schon heute ein Stück weit automatisch fährt.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, schrittweise. Hamburg erprobt seit 2021 den automatischen Fahrbetrieb seiner S-Bahn, und automatische Systeme können die Takte dichter und gleichmäßiger machen. Der Weg zum fahrerlosen Betrieb sollte aber behutsam gegangen werden, denn Sicherheit, Nachrüstung und das Vertrauen der Fahrgäste brauchen Zeit und sorgfältige Technik.

In Hamburg fuhr im Februar 2021 erstmals eine S-Bahn im automatischen Betrieb.

Ein Fahrer saß dabei weiterhin im Führerstand und überwachte die Fahrt.

Der Zug beschleunigte und bremste jedoch selbstständig.

Hinter dem Versuch steht das Projekt Digitale S-Bahn Hamburg.

Fernziel ist ein automatischer Betrieb im gesamten Netz.

Damit stellt sich die Frage, wie weit diese Automatisierung gehen soll.

S-Bahn-Zug der Hamburger S-Bahn an einem Bahnsteig
Foto: Christian Liebscher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was in Hamburg erprobt wird

Die Hamburger S-Bahn ist ein Eisenbahnsystem für den Nahverkehr im Großraum Hamburg.

Im Projekt Digitale S-Bahn Hamburg wird ein automatischer Fahrbetrieb erprobt.

Dies geschieht in Kombination mit der Zugsicherung ETCS Level 2.

Die Teststrecke liegt auf dem Abschnitt Berliner Tor–Aumühle.

Sie wurde im Februar 2021 in Betrieb genommen.

Bahnsteig der Hamburger S-Bahn
Foto: Ajepbah, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was automatischer Fahrbetrieb bedeutet

Beim automatischen Fahrbetrieb steuert ein Rechner das Beschleunigen und Bremsen.

Im bisherigen Hamburger Versuch bleibt der Fahrer an Bord und überwacht.

Ein vollständig fahrerloser Betrieb wäre der nächste, größere Schritt.

Zwischen beiden Stufen liegen zusätzliche Anforderungen an Sicherheit und Technik.

Die Automatisierung ist also kein einzelner Schalter, sondern ein Weg in Stufen.

Warum Automatik den Takt verbessern kann

Ein Rechner fährt sehr gleichmäßig und hält Abstände präzise ein.

Dadurch lassen sich Züge dichter hintereinander führen.

Mehr Züge pro Stunde bedeuten mehr Kapazität auf denselben Gleisen.

Gleichmäßiges Fahren kann zudem Energie sparen.

In Spitzenzeiten ist ein dichter Takt besonders wertvoll.

Was andere Städte zeigen

Mehrere U-Bahnen weltweit fahren bereits vollautomatisch ohne Fahrer.

Dort sind die Strecken meist vollständig abgeschlossen und ohne Bahnübergänge.

Eine S-Bahn teilt sich ihre Gleise dagegen oft mit anderen Zügen.

Offene Bahnsteige und gemischter Verkehr erschweren den fahrerlosen Betrieb.

Die Hamburger S-Bahn ist technisch anspruchsvoller als eine reine U-Bahn.

Die Hürden der Nachrüstung

Bestehende Strecken müssen aufwendig mit neuer Technik ausgerüstet werden.

Fahrzeuge, Signale und Leitstellen müssen zusammenspielen.

Solange nicht alles umgerüstet ist, fahren alte und neue Technik nebeneinander.

Störungen etwa durch Brückenschäden können den geplanten Betrieb zusätzlich erschweren.

Die Umstellung eines ganzen Netzes ist deshalb ein langwieriges Projekt.

Die Rolle des Personals

Fahrerinnen und Fahrer tun mehr, als nur zu steuern.

Sie helfen bei Störungen, Räumungen und im Umgang mit Fahrgästen.

Fällt diese Rolle weg, braucht es Ersatz durch andere Kräfte oder Technik.

Viele Fahrgäste fühlen sich mit Personal an Bord zudem sicherer.

Eine Automatisierung wirft daher auch personelle und soziale Fragen auf.

Chancen und Grenzen

Automatik kann den Verkehr verlässlicher und dichter machen.

Sie ersetzt aber nicht jede Aufgabe eines Menschen an Bord.

Ein schrittweises Vorgehen erlaubt es, Erfahrungen zu sammeln.

Fehler lassen sich so früh erkennen und beheben.

Tempo und Sicherheit müssen bei diesem Weg in der Balance bleiben.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Pro und Contra

Dafür

+  Automatischer Betrieb kann Züge dichter und gleichmäßiger fahren lassen.

+  Mehr Kapazität entsteht ohne neue Gleise, allein durch bessere Steuerung.

+  Hamburg erprobt die Technik seit 2021 bereits im Alltag.

+  Gleichmäßiges Fahren kann Energie sparen und den Verschleiß senken.

+  Viele U-Bahnen zeigen, dass automatischer Betrieb grundsätzlich sicher möglich ist.

+  Moderne Zugsicherung wie ETCS erhöht zugleich die Sicherheit.

Dagegen

−  Eine offene S-Bahn mit gemischtem Verkehr ist schwerer zu automatisieren als eine U-Bahn.

−  Die Nachrüstung ganzer Strecken ist teuer und dauert viele Jahre.

−  Ohne Personal an Bord fehlen Helfer bei Störungen und Notfällen.

−  Viele Fahrgäste fühlen sich ohne Fahrer weniger sicher.

−  Störungen an alter Infrastruktur können den automatischen Betrieb aushebeln.

−  Der Nutzen rechnet sich erst, wenn ein großer Teil des Netzes umgestellt ist.

Unterm Strich

Die Hamburger S-Bahn zeigt, dass automatischer Betrieb grundsätzlich funktioniert.

Dichtere Takte und gleichmäßigeres Fahren sind ein realer Gewinn.

Der Schritt zum ganz fahrerlosen Betrieb bleibt jedoch anspruchsvoll.

Sicherheit, Nachrüstung und das Vertrauen der Fahrgäste brauchen Zeit.

Ein behutsamer Weg in Stufen ist deshalb klüger als ein großer Sprung.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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