Sollten alte Züge mit geschlossenen Toiletten gegen das Ableiten auf die Gleise nachgerüstet werden?

Standpunkt

„Bitte benutzen Sie die Toilette nicht während des Aufenthalts — Sie ahnen, warum.“

Sollten alte Züge mit geschlossenen Toiletten gegen das Ableiten auf die Gleise nachgerüstet werden?

→ Ein Standpunkt über ein unappetitliches Erbe alter Züge und die Frage, ob offene Toilettensysteme endlich verschwinden sollten.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Dass ältere Züge ihre Fäkalien noch immer direkt auf das Gleis ableiten, ist aus hygienischen und ökologischen Gründen nicht mehr zeitgemäß, und eine Nachrüstung mit geschlossenen Sammelbehältern ist überfällig.

In manchen alten Zügen hängt noch ein Schild, das die Toilette während des Halts im Bahnhof sperrt.

Der Grund ist unappetitlich: Was hier gespült wird, landet bei diesen Fahrzeugen direkt auf dem Gleis.

Moderne Züge sammeln ihre Fäkalien dagegen in geschlossenen Tanks.

Deshalb lohnt die Frage, ob die letzten offenen Toilettensysteme endlich nachgerüstet werden sollten.

Gleis mit Bahnschwelle DB aus Beton
Foto: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Erbe aus einer anderen Zeit

Jahrzehntelang leiteten Zugtoiletten ihren Inhalt ungefiltert nach unten auf die Schienen ab.

Solange Züge langsam und selten fuhren, galt das als hinnehmbar.

Deshalb bleibt die Toilette bei diesen Fahrzeugen im Bahnhof gesperrt.

Moderne Züge besitzen längst geschlossene Sammelbehälter, die an eigenen Anlagen geleert werden.

Übrig geblieben ist das offene System nur noch in einem Teil der älteren Fahrzeuge.

Oberkirch Bahnhof Gleis 2 Erneuerungsarbeit in der Nacht
Foto: Buerlino, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum das Ableiten ein Problem ist

Fäkalien auf dem Gleis sind eine hygienische Zumutung für alle, die dort arbeiten.

Beschäftigte, die Weichen, Schienen und Schotter warten, sind ihnen unmittelbar ausgesetzt.

Im Bahnhofsbereich riecht und verschmutzt das offene System sichtbar.

Auch für die Umwelt entlang der Strecke ist der Eintrag alles andere als harmlos.

Was im Alltag gern verdrängt wird, ist bei näherem Hinsehen schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Der Gewinn einer Nachrüstung

Ein geschlossener Tank hält den Inhalt zurück, bis er an einer Anlage entsorgt wird.

Die Toilette kann dann auch im Bahnhof benutzt werden, nicht nur während der Fahrt.

Gleise, Bahnsteige und Weichen bleiben sauberer und geruchsärmer.

Die Beschäftigten im Gleis werden vor einer vermeidbaren Belastung geschützt.

Ein moderner Standard käme damit endlich überall an.

Was die Umrüstung erschwert

Einen Fäkalientank in ein altes Fahrzeug einzubauen ist technisch aufwendig.

Es fehlt oft der Platz, und der Umbau kostet viel Geld pro Wagen.

Bei Fahrzeugen kurz vor der Ausmusterung lohnt sich der Aufwand kaum.

Auch die Entsorgungsanlagen in den Werken müssen die zusätzliche Menge bewältigen.

Diese Hürden erklären, warum sich das offene System so hartnäckig hält.

Neu kaufen statt nachrüsten

Oft ist es sinnvoller, alte Fahrzeuge zügig durch moderne mit geschlossenem System zu ersetzen.

Jeder neue Zug bringt den besseren Standard ohne teuren Umbau mit.

So verschwindet das offene System mit dem Ende der alten Flotte von selbst.

Das setzt aber voraus, dass die Ersatzfahrzeuge auch wirklich rechtzeitig kommen.

Verzögert sich die Beschaffung, bleibt das Problem länger als nötig bestehen.

Eine Frage des Tempos

Ob Nachrüstung oder Neukauf, entscheidend ist, dass das offene System überhaupt verschwindet.

Ein klarer Zeitplan mit festem Enddatum würde den Druck erhöhen.

Für Fahrzeuge mit langer Restlaufzeit kann die Nachrüstung der schnellere Weg sein.

Für fast ausgemusterte Wagen ist der Ersatz die vernünftigere Lösung.

Wichtig ist, dass niemand das Thema einfach weiter aussitzt.

Ein überfälliger Standard

Dass in unserer Zeit noch Fäkalien auf die Gleise fallen, überrascht viele Reisende.

Für ein modernes Verkehrsmittel ist das kein gutes Aushängeschild.

Geschlossene Systeme sind längst Stand der Technik und vielerorts Alltag.

Sie flächendeckend durchzusetzen ist eine Frage des Willens, nicht des Prinzips.

Ein sauberes Gleis ist am Ende auch ein Stück Respekt vor den Menschen, die dort arbeiten.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Pro und Contra

Dafür

+  Fäkalien auf dem Gleis sind eine hygienische Zumutung für alle, die dort arbeiten.

+  Ein geschlossener Tank hält den Inhalt zurück und macht Gleise und Bahnsteige sauberer.

+  Die Toilette ließe sich dann auch im Bahnhof benutzen, statt sie zu sperren.

+  Geschlossene Systeme sind längst Stand der Technik und vielerorts Alltag.

+  Der Eintrag entlang der Strecke belastet auch die Umwelt und sollte enden.

+  Ein sauberes Gleis ist ein Stück Respekt vor den Beschäftigten im Gleisbereich.

Dagegen

−  Einen Fäkalientank in ein altes Fahrzeug einzubauen ist technisch aufwendig und teuer.

−  Bei Wagen kurz vor der Ausmusterung lohnt sich der Umbau kaum.

−  Oft ist der zügige Ersatz durch neue Fahrzeuge die sinnvollere Lösung.

−  Auch die Entsorgungsanlagen in den Werken müssen die zusätzliche Menge erst bewältigen.

−  Das Geld könnte in neue Züge statt in die Nachrüstung von Auslaufmodellen fließen.

−  Solange die Toilette im Bahnhof gesperrt bleibt, ist die unmittelbare Belastung begrenzt.

Unterm Strich

Dass ältere Züge ihre Fäkalien noch auf die Gleise ableiten, ist nicht mehr zeitgemäß.

Ob durch Nachrüstung oder durch Neukauf, das offene System gehört abgeschafft.

Bei Fahrzeugen mit langer Restlaufzeit ist der Umbau der schnellere Weg.

Entscheidend ist ein klarer Zeitplan, damit das Thema nicht weiter ausgesessen wird.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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