Drehgestell: Warum ein Zug überhaupt um die Kurve kommt

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 074

„Wegen eines Fahrzeugschadens.“

Drehgestell

→ Übersetzt: Der Wagen fährt geradeaus. Die Räder drehen sich mit.

Lesezeit: 6 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Das Drehgestell ist der bewegliche Rahmen unter jedem Wagen, in dem die Radsätze sitzen. Es kann sich gegenüber dem Wagenkasten drehen und macht so Kurven erst möglich. Darin stecken außerdem Federung, Bremsen und oft der Antrieb. Es ist damit das wichtigste und teuerste Bauteil unter dem Zug.

Ein Eisenbahnwagen ist über zwanzig Meter lang und völlig starr.

Eine Kurve hat einen Radius von wenigen hundert Metern.

Rein geometrisch kann das nicht funktionieren.

Ein starrer Körper würde sich in der Kurve verklemmen.

Trotzdem fährt jeder Zug problemlos durch jede Kurve.

Der Grund dafür sitzt unsichtbar unter dem Wagenboden.

Radsatz, Federn und Dämpfer eines Drehgestells unter einem Eisenbahnwagen
Hier steckt alles: Räder, Federung, Bremsen und oft der Antrieb. Symbolbild, mit KI erstellt.

Wie es funktioniert

Unter jedem Wagen sitzen zwei Drehgestelle, vorn und hinten.

Jedes trägt zwei Radsätze, also vier Räder.

Der Wagenkasten liegt lose darauf und ist über einen Drehzapfen verbunden.

In der Kurve dreht sich das Drehgestell mit dem Gleis.

Der Wagen darüber bleibt gerade.

Deshalb steht man in der Kurve leicht schräg zum Fenster.

Was alles darin steckt

Es ist weit mehr als ein Rahmen mit Rädern.

Vier Aufgaben in einem Bauteil

Führung die Grundfunktion

Hält die Räder im Gleis und erlaubt gleichzeitig die Drehung in der Kurve.

Federung zweistufig

Primärfederung am Radsatz, Sekundärfederung zum Wagenkasten. Deshalb spürst du Stöße kaum.

Bremsen die Sicherheit

Bremsscheiben und Zylinder sitzen hier. Jeder Radsatz wird einzeln gebremst.

Antrieb bei Triebfahrzeugen

Bei angetriebenen Achsen sitzt der Motor im Drehgestell selbst.

Ein modernes Drehgestell wiegt mehrere Tonnen und kostet so viel wie ein Einfamilienhaus.

Die zweistufige Federung ist der Grund für den Komfort.

Die erste Stufe fängt die Stöße vom Gleis ab.

Die zweite trägt den Wagenkasten und gleicht die Bewegung aus.

Wie so ein Drehgestell von unten aussieht, zeigt dieses Video.

Video: „Interessante Sicht auf ein Drehgestell ohne Wagen“ vom Kanal BahnLeben.

Der konische Radreifen

Hier steckt ein Detail, das viele überrascht.

Die Räder sind nicht zylindrisch, sondern leicht kegelförmig.

Innen haben sie einen größeren Durchmesser als außen.

In der Kurve wandert der Radsatz nach außen.

Dadurch läuft das kurvenäußere Rad auf einem größeren Durchmesser.

Es legt automatisch den längeren Weg zurück, ohne Differenzial.

Diese Idee ist über 150 Jahre alt und bis heute unschlagbar einfach.

„Der Zug fährt heute mit verminderter Geschwindigkeit.“

→ Übersetzt: Irgendetwas am Fahrwerk gefällt uns nicht.

Das Jakobs-Drehgestell

Es gibt eine Sonderform, die zwei Wagen verbindet.

Statt jeweils eigener Drehgestelle teilen sie sich eines.

Das spart Gewicht und macht den Zug ruhiger.

Man findet es im ICE 3 und in vielen Straßenbahnen.

Der Nachteil: Die Wagen lassen sich nicht mehr einzeln trennen.

Bei einem Schaden muss der ganze Zugverband in die Werkstatt.

Warum ein Schaden alles stoppt

Am Drehgestell wird nichts improvisiert.

Ein auffälliges Geräusch führt sofort zu einer Untersuchung.

Im Zweifel wird der Zug abgestellt und die Fahrt endet.

Das ist ärgerlich und der Grund, warum so selten etwas passiert.

Ein häufiger Anlass dafür ist eine Flachstelle am Rad.

Warum du über dem Drehgestell mehr spürst

Die Sitze liegen nicht alle gleich ruhig.

Über dem Drehgestell kommt jeder Stoß direkter an.

In der Wagenmitte, zwischen beiden, ist es am ruhigsten.

Dort wirkt der Wagen wie ein Balken, der die Bewegung ausgleicht.

Wer empfindlich ist, reserviert deshalb mittig.

Am Wagenende spürt man zusätzlich die Bewegung der Kupplung.

Die Wartung

Drehgestelle werden regelmäßig komplett ausgebaut.

Der Wagen wird angehoben, das Drehgestell rollt darunter heraus.

In der Werkstatt wird es zerlegt und jedes Teil geprüft.

Radsätze werden vermessen, Federn und Dämpfer getauscht.

Danach läuft es wieder Hunderttausende Kilometer.

Diese Fristen sind gesetzlich vorgeschrieben und werden streng kontrolliert.

Die Neigetechnik als Sonderform

Manche Züge kippen sich in der Kurve aktiv nach innen.

Die Technik dafür sitzt ebenfalls im Drehgestell.

Sie erlaubt höhere Geschwindigkeiten auf kurvigen Strecken.

Dafür ist sie teuer und wartungsintensiv.

Genau deshalb wurde sie in Deutschland nach und nach zurückgebaut.

Warum es überhaupt drehbar ist

Ein starrer Wagen käme durch keine enge Kurve.

Die Räder würden sich an der Schiene verklemmen.

Das Drehgestell löst dieses Problem elegant.

Es dreht sich unter dem Wagenkasten mit.

So folgt jedes Radpaar der Kurve einzeln.

Gleichzeitig trägt es das gesamte Gewicht.

Und es enthält die Federung.

Sie sorgt dafür, dass du Stoßstellen kaum spürst.

Moderne Bauarten arbeiten mit Luftfederung.

Sie gleicht auch die Beladung aus.

Deshalb fährt ein voller Zug so ruhig wie ein leerer.

Warum du über dem Drehgestell mehr spürst

Es hat einen einfachen physikalischen Grund.

Das Drehgestell überträgt jede Unebenheit direkt vom Rad in den Wagenkasten.

Zwischen Rad und Wagen sitzen zwar zwei Federstufen. Sie dämpfen, aber sie löschen nichts aus.

In der Wagenmitte ist der Abstand zu beiden Drehgestellen am größten. Dort ist es am ruhigsten.

Deshalb ist ein Platz in der Wagenmitte die beste Wahl, wenn du empfindlich auf Schwingungen reagierst.

Was ein konischer Radreifen bewirkt

Das ist einer der elegantesten Tricks der Eisenbahntechnik.

Die Laufflächen der Räder sind nicht flach, sondern leicht kegelförmig.

Läuft der Radsatz aus der Mitte, rollt ein Rad auf einem größeren Durchmesser als das andere.

Dadurch lenkt sich der Radsatz von selbst zurück in die Gleismitte.

Der Spurkranz ist dabei nur die Notsicherung. Im Normalfall berührt er die Schiene gar nicht.

Alle Fragen zum Thema

Was ist ein Drehgestell?

Ein drehbarer Rahmen mit zwei oder drei Radsätzen unter dem Wagen. Er trägt das Gewicht und folgt den Kurven. Ohne ihn könnte ein langer Wagen keine engen Bögen fahren.

Was steckt alles darin?

Radsätze, Federn, Dämpfer, Bremsen und oft der Antrieb. Dazu Sensoren für Temperatur und Laufruhe. Es ist die komplexeste Baugruppe am Fahrzeug.

Wozu die zwei Federstufen?

Die Primärfederung sitzt zwischen Radsatz und Rahmen und fängt kurze Stöße ab. Die Sekundärfederung sitzt zwischen Rahmen und Wagenkasten und sorgt für den Fahrkomfort. Oft ist sie eine Luftfeder.

Was ist ein Jakobs-Drehgestell?

Ein Drehgestell, das sich zwei Wagen teilen. Es sitzt genau zwischen ihnen. Das spart Gewicht und macht den Zug ruhiger, verhindert aber das Trennen einzelner Wagen im Betrieb.

Warum stoppt ein Drehgestellschaden den ganzen Zug?

Weil ein Fehler dort direkt die Sicherheit betrifft. Ein heißgelaufenes Lager kann zum Bruch führen. Deshalb wird bei Verdacht sofort angehalten.

Was ist eine Heißläuferortung?

Eine Anlage am Gleis, die die Temperatur der Achslager misst. Wird ein Lager zu heiß, wird der Zug automatisch gestoppt. Solche Anlagen stehen in regelmäßigen Abständen im Netz.

Wie oft wird ein Drehgestell gewartet?

In festen Intervallen nach Laufleistung. Regelmäßig werden Räder vermessen und nachgedreht. Alle paar Jahre wird das ganze Drehgestell im Werk zerlegt.

Was ist Radnachdrehen?

Das Abdrehen der Lauffläche auf einer Unterflurdrehmaschine. Damit werden Flachstellen und Verschleiß beseitigt. Der Radsatz wird dadurch kleiner und muss irgendwann ersetzt werden.

Warum quietschen Züge in engen Kurven?

Weil der Radsatz im engen Bogen nicht mehr allein zurücklenken kann. Dann reibt der Spurkranz an der Schiene. Schmieranlagen im Gleis mindern das Geräusch.

Der Chefübersetzer sagt

„Der Wagen fährt geradeaus, das Drehgestell nimmt die Kurve. Eine Arbeitsteilung, von der viele Beziehungen lernen könnten.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Das leichte Schrägstehen in der Kurve ist normal. Der Wagen dreht sich nicht mit.

2. Ungewohnte Geräusche von unten immer melden. Am Fahrwerk wird nichts riskiert.

3. Ruhiger sitzt du in der Wagenmitte. Über dem Drehgestell ist es am unruhigsten.

Weiterfahrt

Flachstelle – Begriff 075 im Wörterbuch

Bremsprobe – Begriff 048

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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