Doppelstockwagen: Warum oben sitzen besser ist

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 081

„Bitte nutzen Sie auch das Obergeschoss.“

Doppelstockwagen

→ Übersetzt: Zwei Etagen auf einem Fahrgestell. Die obere ist die bessere.

Lesezeit: 6 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Ein Doppelstockwagen hat zwei Sitzebenen übereinander und fasst dadurch deutlich mehr Reisende als ein normaler Wagen. Möglich wird das durch einen abgesenkten Wagenboden zwischen den Drehgestellen. Der Nachteil: Die Treppen kosten Zeit beim Ein- und Aussteigen. Deshalb fährt er vor allem im Nahverkehr mit wenigen Halten.

Ein Bahnsteig ist so lang, wie er ist.

Ein Zug darf nicht länger sein als der Bahnsteig.

Und trotzdem wollen morgens alle gleichzeitig fahren.

Wenn man nicht in die Länge bauen kann, bleibt nur eine Richtung.

Nach oben.

Das klingt einfach und hat eine unerwartete Folge.

Innentreppe zum Oberdeck eines Doppelstockwagens mit Handläufen
Zwischen zwei Etagen liegen ein paar Stufen. Und einige Sekunden. Symbolbild, mit KI erstellt.

Wie das technisch geht

Der Trick liegt im Wagenboden.

Zwischen den Drehgestellen wird er tief abgesenkt.

Dort liegt das Untergeschoss, fast auf Höhe der Schienen.

Über den Drehgestellen bleibt der Boden hoch.

Dort liegen die Einstiege und die Treppen.

So passen zwei Etagen in das erlaubte Profil.

Der Wagen wird also nicht höher, sondern innen anders aufgeteilt.

Was das bringt

Deutlich mehr Sitzplätze bei gleicher Zuglänge.

Der Vergleich

NORMALER WAGEN

Eine Ebene, etwa achtzig Sitzplätze. Schneller Fahrgastwechsel.

DOPPELSTOCKWAGEN

Zwei Ebenen, deutlich mehr Sitze auf derselben Länge. Dafür längere Haltezeit.

Auf überlasteten Strecken ist das der einzige Weg, ohne Netzausbau mehr Menschen zu befördern.

Genau deshalb fährt er dort, wo es voll ist.

Im Berufsverkehr rund um große Städte.

Auf Strecken, wo längere Züge nicht möglich sind.

Was einen solchen Wagen ausmacht, zeigt dieses Video.

Video: „Dinge im Doppelstockwagen“ vom Kanal Peterle Sky.

Der Nachteil mit den Treppen

Jetzt die Auflösung vom Anfang.

Wer oben sitzt, braucht länger zum Aussteigen.

Bei vielen Halten summiert sich das erheblich.

Deshalb fährt der Doppelstockwagen selten als S-Bahn mit Halt alle zwei Minuten.

Er passt zu Regionalexpresszügen mit größeren Abständen.

Und er ist für Menschen mit Gepäck oder Einschränkung unpraktisch.

Deshalb liegen die Mehrzweckbereiche immer im Untergeschoss.

„Bitte begeben Sie sich rechtzeitig zu den Türen.“

→ Übersetzt: Von oben dauert es länger, als Sie denken.

Wo du am besten sitzt

Oben ist es ruhiger und die Aussicht besser.

Unten steigst du schneller aus und hast mehr Platz für Gepäck.

Über den Einstiegen ist es am unruhigsten.

Dort gehen alle durch, und die Türen sind laut.

Wer arbeiten will, sitzt oben in der Mitte am besten.

Wer knapp umsteigt, bleibt unten in Türnähe.

Warum es sie nicht überall gibt

Der begrenzende Faktor ist die Höhe.

Tunnel, Brücken und Oberleitungen geben ein Profil vor.

Auf manchen Strecken passt ein Doppelstockwagen schlicht nicht durch.

Im Fernverkehr kommt dazu, dass die Sitze enger stehen müssen.

Deshalb fahren ICE-Züge in Deutschland einstöckig.

In Frankreich ist das anders, dort gibt es doppelstöckige Hochgeschwindigkeitszüge.

Der Steuerwagen

Ein Doppelstockzug hat meist eine Lok an einem Ende.

Am anderen sitzt ein Steuerwagen mit Führerstand.

Von dort steuert der Lokführer die Lok am Zugende fern.

So muss am Endbahnhof nichts umgesetzt werden.

Der Lokführer geht nur einmal durch den Zug.

Das verkürzt die Wendezeit erheblich.

Warum es oben wärmer ist

Warme Luft steigt nach oben, auch im Zug.

Dazu kommt mehr Sonneneinstrahlung durch die höheren Fenster.

Im Sommer ist das Obergeschoss deshalb spürbar wärmer.

Im Winter ist genau das ein Vorteil.

Die Klimaanlage muss beide Ebenen unterschiedlich versorgen.

Das gelingt nicht immer gleich gut.

Die Geschichte

Doppelstockwagen gibt es in Deutschland seit den 1930er Jahren.

Groß verbreitet wurden sie in der DDR.

Dort fuhren ganze Einheiten aus fest gekuppelten Wagen.

Nach der Wiedervereinigung setzte sich die Bauart bundesweit durch.

Heute prägt sie den Regionalverkehr in fast jedem Bundesland.

Was beim Einsteigen hilft

Die Einstiege liegen immer über den Drehgestellen.

Dort ist der Boden hoch und der Bahnsteig meist auf gleicher Höhe.

Von dort geht es zwei Stufen hinauf oder hinunter.

Wer nur eine Station fährt, bleibt am besten im Einstiegsbereich stehen.

Das spart beiden Seiten Zeit.

Bei voller Auslastung ist genau dieser Bereich der Engpass.

Welcher Platz sich wirklich lohnt

Oben ist die Aussicht besser.

Unten geht der Ausstieg schneller.

Wer nur wenige Stationen fährt, bleibt unten.

Denn die Treppe kostet bei jedem Halt Zeit.

Mit Kinderwagen oder Rollstuhl gilt dasselbe.

Der Mehrzweckbereich liegt immer im Einstiegsbereich.

Oben ist es im Sommer wärmer.

Warme Luft steigt schließlich nach oben.

Dafür ist es dort meist ruhiger.

Und die Steckdosen sind seltener belegt.

Bei voller Auslastung findet man oben eher einen Platz.

Warum Doppelstockwagen langsamer halten

Der große Vorteil hat einen Preis, den du an jedem Bahnsteig spürst.

Ein Doppelstockwagen hat weniger Türen als ein einstöckiger Zug mit gleicher Kapazität.

Alle Fahrgäste müssen zusätzlich Treppen benutzen.

Deshalb dauert das Ein- und Aussteigen deutlich länger. Fachleute nennen das Fahrgastwechselzeit.

Auf S-Bahn-Strecken mit dichtem Takt ist das ein echtes Problem. Dort fahren deshalb meist einstöckige Züge mit vielen breiten Türen.

Oben oder unten sitzen

Es gibt drei Ebenen und alle drei haben ihre Anhänger.

Oben ist die Aussicht am besten und es ist am ruhigsten. Dafür schwankt es dort spürbar mehr.

Unten ist es ruhiger im Fahrverhalten und du bist schneller an der Tür.

In der Mitte, also auf der Einstiegsebene, sitzt du am nächsten am Mehrzweckbereich. Gut mit Gepäck, Rad oder Kinderwagen.

Wer schnell aussteigen will, bleibt unten oder in der Mitte. Wer die Landschaft sehen will, geht nach oben.

Alle Fragen zum Thema

Wie viele Menschen passen in einen Doppelstockwagen?

Je nach Bauart rund hundertdreißig Sitzplätze pro Wagen. Ein einstöckiger Wagen schafft etwa achtzig. Der Gewinn liegt also bei rund der Hälfte.

Warum gibt es sie nicht überall?

Weil sie hoch sind und nicht durch jedes Lichtraumprofil passen. Vor allem alte Tunnel und Bahnsteigdächer setzen Grenzen. Auf manchen Strecken sind sie schlicht zu groß.

Fahren Doppelstockwagen auch im Fernverkehr?

Ja, es gibt Doppelstock-IC. Sie fahren auf einigen Linien, etwa in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen. Im ICE gibt es sie in Deutschland nicht.

Gibt es dort ein Bordrestaurant?

Im Doppelstock-IC einen Bistrobereich. Ein vollständiges Bordrestaurant mit Bedienung gibt es nicht. Im Nahverkehr gibt es gar keine Verpflegung.

Wo ist der Platz für Fahrräder?

Im Mehrzweckbereich auf der Einstiegsebene. Dort sind auch Kinderwagen und Rollstühle vorgesehen. Dieser Bereich ist stufenfrei erreichbar.

Sind sie barrierefrei?

Nur auf der Einstiegsebene. Dort gibt es den Rollstuhlplatz und meist eine barrierefreie Toilette. Das Oberdeck ist mit Rollstuhl nicht erreichbar.

Warum schwankt es oben mehr?

Weil der Abstand zur Schiene größer ist. Jede seitliche Bewegung wird nach oben hin verstärkt. Physikalisch ist es derselbe Effekt wie bei einem hohen Mast.

Wie hoch ist so ein Wagen?

Rund vier Meter dreißig. Das ist etwa vierzig Zentimeter mehr als ein normaler Reisezugwagen. Genau diese Differenz entscheidet über Tunnel und Oberleitungshöhe.

Warum sind sie in Frankreich verbreiteter?

Weil dort das Lichtraumprofil und die Bahnsteige anders sind. Der Doppelstock-TGV fährt seit Jahrzehnten. In Deutschland verhindern die Profile das im Hochgeschwindigkeitsverkehr.

Der Chefübersetzer sagt

„Zwei Etagen, doppelt so viele Menschen und eine Treppe dazwischen. Am Bahnsteig entscheidet sich, ob das eine gute Idee war.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Oben sitzen, wenn du länger fährst. Ruhiger und mit besserer Aussicht.

2. Unten bleiben bei knappem Anschluss. Die Treppe kostet mehr Zeit als gedacht.

3. Mit Gepäck oder Kinderwagen gleich das Untergeschoss wählen.

Weiterfahrt

Drehgestell – Begriff 074 im Wörterbuch

Wagenreihung – Begriff 003

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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