Der Bahnhof Putbus, wo Dampf und Diesel ein Gleis teilen

Ortstermin

„Nächster Halt Putbus, bitte umsteigen zum Rasenden Roland nach Binz, Sellin und Göhren.“

Der Bahnhof Putbus, wo Dampf und Diesel ein Gleis teilen

→ Ein Ortstermin auf der Insel Rügen.

Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin

Kurz gesagt

Der Bahnhof Putbus wurde am 15. August 1889 mit der Strecke von Bergen auf Rügen eröffnet und wurde bald zum Mittelpunkt der schmalspurigen Rügenschen Kleinbahnen. Heute treffen hier die normalspurige Bahn nach Lauterbach Mole und der dampfbetriebene Rasende Roland zusammen.

Putbus ist eine kleine Stadt auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Fürst Wilhelm Malte I. ließ sie ab 1810 als weiße Planstadt im klassizistischen Stil erbauen.

Ihr Bahnhof ist bis heute ein Treffpunkt von normalspuriger Bahn und schmalspurigem Dampfzug.

Putbus, Bahnhof
Foto: Rauenstein, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Bahn kommt nach Putbus

Der Bahnhof Putbus wurde am 15. August 1889 zusammen mit der Strecke von Bergen auf Rügen eröffnet.

Schon am 15. Mai 1890 wurde die Strecke bis zum Hafen Lauterbach Mole verlängert.

Das Empfangsgebäude der Normalspurbahn liegt westlich der Gleise am nördlichen Bahnhofskopf.

Putbus war damit von Anfang an ein kleiner Knoten im Süden der Insel.

Die Strecke verband die junge Residenzstadt mit dem übrigen Netz auf Rügen.

Über Bergen bestand Anschluss an die Bahn vom Festland her.

Der Bahnhof lag günstig zwischen der Stadt und dem Hafen am Rügischen Bodden.

Der Bahnhof lag am Rand der klassizistischen Fürstenstadt und war von dort leicht zu erreichen.

Bahnhof Putbus 2012
Foto: Felix König, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Der Mittelpunkt der Kleinbahn

Am 21. Juli 1895 wurde mit dem Stück Putbus–Binz das erste Teilstück der Rügenschen Kleinbahnen eröffnet.

Die Schmalspurbahn hatte eine Spurweite von nur 750 Millimetern.

Putbus bildete von Anfang an das betriebliche Zentrum dieser Kleinbahn.

Die Anlagen waren anfangs aber sehr einfach, ein eigenes Empfangsgebäude gab es nicht.

Man errichtete zunächst nur eine hölzerne Wartehalle mit einem angebauten Dienstgebäude.

Am 4. Juli 1896 kam die Strecke aus Altefähr hinzu und kreuzte die Normalspurbahn.

Für die Schmalspurbahn entstand damit im Norden ein kleiner Kopfbahnhof.

Ein eigenes Umladegleis zwischen den beiden Spurweiten wurde erst im Oktober 1895 fertig.

Putbus Bahnhof 07
Foto: J.-H. Janßen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Putbus wurde am 15. August 1889 eröffnet und war lange der Mittelpunkt der schmalspurigen Rügenschen Kleinbahnen. Seit 1999 fahren auf einem Dreischienengleis nach Lauterbach Mole beide Spurweiten.

Heute treffen hier die Normalspurbahn aus Bergen auf Rügen und der dampfbetriebene Rasende Roland zusammen. Der alte Kleinbahnhof steht unter Denkmalschutz.

Eine Brücke statt einer Kreuzung

Anfangs kreuzten sich die beiden Spurweiten im Bahnhof auf gleicher Höhe.

Im Sommer 1916 wurde diese Kreuzung durch eine Stahlbetonbrücke über die Normalspurbahn ersetzt.

Diese Brücke ist bis heute erhalten.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg stieg der Ausflugsverkehr auf der Strecke nach Göhren stark an.

In den Sommermonaten brachte der Bäderverkehr viele Gäste an die Ostseebäder.

Auf dem übrigen Teil der Schmalspurbahn herrschte dagegen der Güterverkehr vor.

Vor allem landwirtschaftliche Produkte wurden über Putbus abgefahren.

In den Sommermonaten war der kleine Bahnhof zeitweise dicht von Badegästen umlagert.

Putbus Bahnhof 08
Foto: J.-H. Janßen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Rückgang und Umsteigebahnhof

Im Herbst 1967 wurde der Personenverkehr in Richtung Altefähr eingestellt.

Der gesamte Güterverkehr der Schmalspurbahn endete im Dezember 1967.

Für den Bäderverkehr blieb Putbus aber ein wichtiger Umsteigebahnhof.

Nach der Auflösung des Bahnbetriebswerks verlor der Bahnhof viel von seiner alten Bedeutung.

Auch Schnellzüge halten die Station längst nicht mehr an.

Seit 1995 sind auf dem Gelände mehrere alte Fahrzeuge ausgestellt.

Eine Ausstellung erinnert dort an die Geschichte der Rügenschen Kleinbahnen.

Von 1995 bis 2011 war hier auch eine alte Schmalspurlok als Denkmal zu sehen.

Kleinbahnhof Putbus DDR Jan 1990 ()
Foto: Sludge G, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Drei Schienen für zwei Spurweiten

Ende der 1990er Jahre wurde der Bahnhof für einen besonderen Umbau vorbereitet.

1998 und 1999 entstand ein Dreischienengleis zwischen Putbus und Lauterbach Mole.

Auf ihm können seither sowohl normalspurige als auch schmalspurige Züge fahren.

Dafür wurde ein neuer Mittelbahnsteig für beide Spurweiten gebaut.

Auch die beiden Schmalspurbahnsteige wurden dabei erneuert.

Die Schmalspur fädelt im Süden des Bahnhofs in das Normalspurgleis ein.

1999 konnte das Dreischienengleis schließlich in Betrieb gehen.

Bahnhof Putbus Dezember 2019
Foto: Peter Kersten, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Rasende Roland heute

Auf der Schmalspurbahn fährt heute der dampfbetriebene Rasende Roland.

Er verbindet Lauterbach Mole über Putbus, Binz, Sellin und Baabe mit Göhren.

Für viele Gäste ist die Fahrt mit dem alten Dampfzug ein Erlebnis für sich.

Auf der Normalspur verkehren Züge zwischen Bergen auf Rügen und Lauterbach Mole.

Der Kleinbahnhof mit seinen alten Gebäuden steht heute unter Denkmalschutz.

Dazu gehören ein Abfertigungsgebäude, ein Lokschuppen und ein Triebwagenschuppen.

So ist Putbus bis heute ein lebendiges Stück Eisenbahngeschichte.

NR Putbus (Rügen) Dampflok 99 782 der RüKB
Foto: Jörg Blobelt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die weiße Fürstenstadt

Putbus ist die jüngste Stadt der Insel Rügen.

Fürst Wilhelm Malte I. ließ sie ab 1810 als Planstadt neu erbauen.

Die ganze Stadt wurde im klassizistischen Stil auf Schloss und Schlosspark ausgerichtet.

Wegen ihrer hellen Häuser wird Putbus oft die weiße Stadt genannt.

Der weitläufige Schlosspark ist bis heute erhalten.

Mit dem Ortsteil Lauterbach besitzt Putbus das älteste Seebad Rügens und Pommerns.

Seit 1997 ist die Stadt ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Die klare, weiße Bauweise hebt Putbus von allen anderen Orten der Insel ab.

Bahnhof Putbus
Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Theater, Marstall und Park

Zur fürstlichen Planstadt gehörten von Anfang an große öffentliche Bauten.

Von 1819 bis 1821 entstand das Residenztheater, das 1826 noch einmal umgebaut wurde.

Zwischen 1821 und 1824 wurde der Marstall als Pferdestall des Fürsten errichtet.

Das Schloss selbst wurde von 1827 bis 1832 im klassizistischen Stil umgebaut.

Alle Gebäude waren sorgfältig auf den Schlosspark und die Sichtachsen abgestimmt.

So entstand ein geschlossenes Stadtbild, wie es in Deutschland selten ist.

Noch heute lässt sich die klare Ordnung der Fürstenstadt in jeder Straße ablesen.

Putbus Bahnhof
Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Putbus

Wer in Putbus ankommt, steht mitten in dieser weißen Planstadt.

Vom Bahnhof aus lohnt der Weg zum Schlosspark und zum Theater.

Für viele beginnt hier die Reise mit dem Rasenden Roland an die Ostseebäder.

Der kleine Dampfzug schnauft von Putbus aus über Binz und Sellin bis Göhren.

Wer lieber am Wasser bleibt, fährt hinunter zum Hafen von Lauterbach.

So verbindet der Bahnhof Putbus die Fürstenstadt mit dem Meer und den Bädern.

Kaum ein anderer Bahnhof auf Rügen erzählt so viel Geschichte auf so engem Raum.

Bahnhof in Putbus
Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Seit wann hat Putbus einen Bahnhof?
Seit dem 15. August 1889, als die Strecke von Bergen auf Rügen eröffnet wurde.
Was ist der Rasende Roland?
Die dampfbetriebene Schmalspurbahn von Lauterbach Mole über Putbus, Binz und Sellin nach Göhren.
Was ist am Gleis nach Lauterbach besonders?
Es ist ein Dreischienengleis, auf dem seit 1999 sowohl normalspurige als auch schmalspurige Züge fahren.
Warum sieht Putbus so einheitlich aus?
Fürst Wilhelm Malte I. ließ die Stadt ab 1810 als klassizistische Planstadt erbauen.
Halten in Putbus Fernzüge?
Nein, seit dem Rückgang des Verkehrs halten hier nur noch Nahverkehrszüge und der Rasende Roland.

Weiterfahrt

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →