Ortstermin
„Nächster Halt Mühlacker, Umstieg in Richtung Pforzheim, Karlsruhe und Stuttgart.“
Der Bahnhof Mühlacker, wo zwei Länder auf verschiedene Uhren schauten
→ Ein Ortstermin im Enzkreis.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Mühlacker wurde am 1. Oktober 1853 an der Württembergischen Westbahn eröffnet und wurde 1863 zum Grenzbahnhof zwischen Württemberg und Baden. Bis zur Einführung einer einheitlichen Eisenbahnzeit 1891 gingen die Uhren der beiden Bahnhofsteile drei Minuten auseinander.
Mühlacker liegt im Nordwesten Baden-Württembergs, rund zwölf Kilometer nordöstlich von Pforzheim.
Die Stadt ist die größte und einzige Große Kreisstadt im Enzkreis.
Bekannt wurde ihr Name aber vor allem durch die Eisenbahn und durch einen berühmten Rundfunksender.

Ein Bahnhof zwischen zwei Weilern
In den 1840er Jahren wollte Württemberg eine Bahnverbindung zur Rheintalbahn schaffen, um die Industrie in Mannheim zu erreichen.
Nach langen Verhandlungen mit Baden einigte man sich am 4. Dezember 1850 auf den Verlauf der Westbahn.
Der Bahnhof entstand abseits größerer Orte zwischen den Weilern Eckenweiher Hof und Mühlacker, die beide zur Gemeinde Dürrmenz gehörten.
Am 1. Oktober 1853 eröffneten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Strecke, und die Station erhielt den Namen Mühlacker.
Fachleute beider Staaten kritisierten schon damals die abgelegene Lage des künftigen Grenzbahnhofs.
Baden wünschte sich vor allem einen Anschluss der Stadt Pforzheim an das entstehende Schienennetz.

Zwei Staatsbahnen, zwei Uhren
Am 1. Juni 1863 erreichte die badische Staatsbahn aus Durlach über Pforzheim den Bahnhof und löste den bisherigen Pferdebus ab.
Von da an trafen sich in Mühlacker zwei Staatsbahnen mit eigenen Beamten und eigenen Maßeinheiten.
Der württembergische Teil richtete sich nach der Stuttgarter Ortszeit, der badische nach der Karlsruher.
So gingen die Uhren der beiden Bahnhofsteile bis zur Einführung der mitteleuropäischen Eisenbahnzeit am 1. Juni 1891 drei Minuten auseinander.
Der württembergische Teil war ein Durchgangsbahnhof, der badische ein Kopfbahnhof mit eigenen Gleisen.
Bis 1891 mussten Reisende und Beamte in Mühlacker also mit zwei verschiedenen Uhrzeiten zurechtkommen.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Mühlacker wurde am 1. Oktober 1853 an der Württembergischen Westbahn eröffnet. Von 1863 bis 1920 war er ein Grenzbahnhof zwischen Württemberg und Baden.
Heute ist Mühlacker mit fünf Bahnsteiggleisen der größte Bahnhof im Enzkreis und wird von Intercity-, Regional-Express- und Metropolexpress-Zügen bedient. Der Umbau der Bahnsteige war 2019 abgeschlossen.
Der Orient-Express hält
In den 1880er Jahren gewann der Bahnhof durch den Fernverkehr an Bedeutung.
Am 5. Juni 1883 hielt hier erstmals der Orient-Express auf seinem Weg von Paris in Richtung der unteren Donau.
Wegen der möglichen Zeitersparnis verzichteten die Betreiber ab 1901 aber wieder auf den Halt in Mühlacker.
Für kurze Zeit lag die kleine Station damit an einer der berühmtesten Zuglinien Europas.
Zwischen Mühlacker und Bretten war die Strecke seit 1890 durchgehend zweigleisig.

Vom Grenzbahnhof zur Stadt
Am 1. April 1920 gingen die württembergische und die badische Staatsbahn in der Deutschen Reichsbahn auf.
Damit endete die Rolle Mühlackers als Grenzbahnhof endgültig.
1921 entfernte die Reichsbahn schließlich die Grenzpfähle zwischen den beiden alten Bahnhofsteilen.
Weil der Ort durch die Bahn und die Industrie stark gewachsen war, wurde Mühlacker 1930 zur Stadt erhoben.
Schon vorher hatte sich die wachsende Gemeinde zeitweise Dürrmenz-Mühlacker genannt.

Bomben und Fahrdraht
1941 entstand westlich des Bahnhofs die Mühlacker Kurve als Verbindung zwischen der Westbahn und der Strecke nach Karlsruhe.
Ab Oktober 1944 trafen Bomben- und Tieffliegerangriffe die Bahnanlagen, wobei insgesamt vierzehn Menschen ums Leben kamen.
Nach dem Krieg elektrifizierte die Bundesbahn die Strecke, und am 6. Oktober 1951 fuhr der erste elektrische Triebwagen nach Stuttgart.
Der elektrische Betrieb wurde 1954 bis Bretten und 1958 bis Karlsruhe ausgedehnt.
Viele Züge mussten in Mühlacker die Lokomotive wechseln, ehe die Strecken durchgehend elektrisch fuhren.
Schon während des Wiederaufbaus band die neue Fahrleitung Mühlacker an den Stuttgarter Vorortverkehr an.

Fast vergessen, dann zurück
In den 1960er Jahren war Mühlacker für die geplante Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart im Gespräch.
Am Ende entschied man sich gegen die Stadt und baute einen neuen Fernbahnhof in Vaihingen an der Enz, der 1991 in Betrieb ging.
Im selben Jahr endete der Personenverkehr auf dem Abschnitt nach Bretten, und der Bahnhof verlor an Bedeutung.
Erst mit der vollständigen Reaktivierung der Strecke am 30. Mai 1999 bekam Mühlacker seine Rolle als Knotenpunkt zurück.
Zeitweise endeten hier nur noch einzelne Karlsruher Stadtbahnen aus Bretten.
Nach der Reaktivierung fuhren wieder dichte Takte und einzelne Fernzüge über den Knoten.

Fünf Gleise und der Metropolexpress
Mit seinen fünf Bahnsteiggleisen ist Mühlacker heute der größte Bahnhof im Enzkreis.
Hier halten Intercity-Züge, Regional-Express-Linien und der Metropolexpress in Richtung Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe.
Zur Gartenschau 2015 gingen drei Aufzüge in Betrieb, und die Bahnsteige wurden auf 55 Zentimeter Höhe gebracht.
Der Umbau für rund 6,3 Millionen Euro war im Juli 2019 abgeschlossen.
Die Bahnsteige erreichen zusammen eine Länge von mehr als neunhundert Metern.
Damit ist der einstige Grenzbahnhof heute wieder ein wichtiger Umsteigepunkt in der Region.

Der höchste Holzturm der Welt
1930 nahm in Mühlacker der Großrundfunksender seinen Betrieb auf, dessen Name bald auf den Skalen vieler Radios stand.
1934 bekam der Sender einen 190 Meter hohen Turm aus Holz, die höchste Holzkonstruktion aller Zeiten.
Dieser Turm wurde 1945 gesprengt, doch der Name Mühlacker blieb aus der Frühzeit des Radios ein Begriff.
Schon 1699 hatten sich in Dürrmenz 500 aus Frankreich vertriebene Waldenser angesiedelt und die Gegend geprägt.
Der Dreißigjährige Krieg hatte die Gegend zuvor fast entvölkert, 1648 lebten in Dürrmenz nur noch fünfzig Menschen.

Ankommen in Mühlacker
Das Heimatmuseum ist in der alten Kelter untergebracht, einem dreigeschossigen Steinbau aus dem Jahr 1596.
Im Stadtteil Dürrmenz erinnert bis heute vieles an die Waldenser, die 1699 aus Frankreich kamen.
Durch die Stadt fließt die Enz, die dem ganzen Landkreis den Namen gibt.
Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Minuten in die Innenstadt und zu den alten Ortskernen von Mühlacker und Dürrmenz.
Der Name Sender Mühlacker steht bis heute für ein Stück deutscher Radiogeschichte.

Häufige Fragen
Seit wann gibt es den Bahnhof Mühlacker?
Warum war Mühlacker ein Grenzbahnhof?
Stimmt es, dass die Uhren unterschiedlich gingen?
Hielt der Orient-Express in Mühlacker?
Was hat der Sender Mühlacker mit der Stadt zu tun?
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