Ortstermin
„Nächster Halt Ellwangen, Ausstieg zum Busbahnhof und wenige Schritte in die alte Residenzstadt.“
Der Bahnhof Ellwangen, ein Schalter einst auch für die US-Armee
→ Ein Ortstermin im Ostalbkreis.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Der Bahnhof Ellwangen wurde im November 1866 mit der Oberen Jagstbahn eröffnet und ist der größte Bahnhof zwischen Goldshöfe und Crailsheim. Sein Empfangsgebäude aus Keupersandstein hatte ab 1951 sogar einen eigenen Schalter für Angehörige der US-Armee.
Ellwangen ist eine Große Kreisstadt im Osten Baden-Württembergs, etwa 17 Kilometer nördlich von Aalen.
Über Jahrhunderte war die Stadt Sitz einer geistlichen Fürstpropstei.
Ihr Bahnhof liegt nur wenige hundert Meter nördlich des historischen Stadtkerns.

Ein Bahnhof an der Oberen Jagstbahn
Der Bahnhof Ellwangen liegt an der Bahnstrecke Goldshöfe–Crailsheim, die auch Obere Jagstbahn heißt.
Er wurde im November 1866 zusammen mit dieser Strecke eröffnet, wenige hundert Meter nördlich des historischen Stadtkerns.
Von Anfang an war er der größte und wichtigste Bahnhof zwischen Goldshöfe und Crailsheim.
Die Strecke war eingleisig, und Ellwangen blieb ein reiner Durchgangsbahnhof.
Damit lag die alte Residenzstadt nun an der langen Verbindung von der Rems ins fränkische Crailsheim.
Die Obere Jagstbahn verbindet die Remsbahn bei Goldshöfe mit dem Eisenbahnknoten Crailsheim.

Die Bahn nach Nürnberg, die nie kam
Schon um 1870 wurde über eine Bahn von Ellwangen über Dinkelsbühl weiter nach Nürnberg verhandelt.
Die Pläne wurden bald aufgegeben, weil die Strecke über Crailsheim und Ansbach kürzer und günstiger war.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollte eine Lokalbahn ins östliche Hinterland über Röhlingen und Pfahlheim nach Tannhausen führen.
Doch auch dieser Plan wurde rasch wieder verworfen.
1939 war ein zweigleisiger Ausbau der Strecke geplant, den der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte.
So blieb Ellwangen dauerhaft an einer einzigen durchgehenden Strecke liegen.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Ellwangen wurde im November 1866 an der Oberen Jagstbahn eröffnet und ist der größte Bahnhof zwischen Goldshöfe und Crailsheim. Seit 1985 ist die Strecke elektrifiziert.
Heute halten hier alle zwei Stunden ein Intercity der Linie 61 und stündlich Regionalbahnen. Das Empfangsgebäude aus Keupersandstein stammt von 1866.
Ein Empfangsgebäude aus Keupersandstein
Das Empfangsgebäude von 1866 entwarf der Architekt und Ingenieur Georg von Morlok als standardisierten Bau.
Seine Fassade besteht aus regionalem Keupersandstein.
1906 wurde das Gebäude aus Platzgründen an der Nordseite im gleichen Stil erweitert.
Im Erdgeschoss lagen einst die Schalterhalle und mehrere Wartesäle, in den Obergeschossen wohnten der Bahnhofsvorsteher und weitere Bahnbedienstete.
Geheizt wurde das ganze Haus mit einzelnen Öfen.
Im ersten Obergeschoss lag früher die Wohnung des Bahnhofsvorstehers, im zweiten weitere Dienstwohnungen.
Bis heute prägt der rötliche Keupersandstein das ganze Gebäude.

Ein Schalter für die US-Armee
1951 kam an der Südseite ein Anbau hinzu, in dem Angehörige der US-Armee abgefertigt wurden.
Neben einem eigenen Schalter für das Militär gab es dort auch Fahrkartenschalter für die Bevölkerung.
Ellwangen war lange eine Garnisonsstadt, und die Bahn brachte die Soldaten in die Stadt.
Heute nutzt die Deutsche Bahn nur noch Funktionsräume im Erdgeschoss, die Obergeschosse sind vermietet.
Das Gebäude gehört seit Anfang der 2000er Jahre einer privaten Gesellschaft.
Im südlichen Anbau gab es bis Ende 2021 noch einen ServicePoint des Verkehrsverbundes OstalbMobil.

Der Güterverkehr verschwindet
Mitte der 1990er Jahre wurde der Bahnhofsvorplatz großzügig umgebaut und ein neuer Busbahnhof mit dreizehn Haltestellen angelegt.
Dafür musste der alte, baufällige Güterschuppen nördlich des Empfangsgebäudes weichen.
Im September 2003 baute die Deutsche Bahn sämtliche Güter- und Rangiergleise in einer einzigen Nacht ab.
Seither kann in Ellwangen kein Güterwagen mehr abgefertigt werden.
Die alte Laderampe ist inzwischen von einem Geschäftshaus mit Supermarkt überbaut.
Die alte Laderampe diente zwischenzeitlich als Abstellfläche für Linienbusse.
Ein altes Stellwerksgebäude an der nördlichen Ausfahrt dient heute einem Künstler als Atelier.

Strom und neue Bahnsteige
Am 2. Juni 1985 nahm die Bahn den elektrischen Betrieb auf der Strecke auf.
Von September 2010 bis April 2011 wurden die Bahnsteige saniert und der Bahnsteig an Gleis 1 auf 55 Zentimeter erhöht.
Der Bahnhof hat heute drei Durchgangsgleise mit je einem Bahnsteig.
Die Bahnsteige an Gleis 2 und 3 erreicht man nur, indem man die Gleise überquert.
Dabei sichert eine Schranke die Reisenden, die der Fahrdienstleiter von Hand bedient.
Der Bahnsteig an Gleis 1 ist rund 280 Meter lang und 55 Zentimeter hoch.
Die Bahnsteige an Gleis 2 und 3 sind kürzer und liegen nur 26 Zentimeter über der Schiene.

Fernzug und Regionalbahn
Alle zwei Stunden hält in Ellwangen ein Intercity der Linie 61 zwischen Karlsruhe, Stuttgart und Nürnberg.
Dazu fährt stündlich eine Regionalbahn nach Aalen und über die Remsbahn in Richtung Stuttgart.
Seit Juni 2019 betreibt das Unternehmen Arverio den regionalen Bahnverkehr um Ellwangen.
Im Mai 2022 eröffnete am Bahnhof ein Video-Reisezentrum.
Am 29. März 2014 wurde sogar ein ICE auf den Namen Ellwangen getauft.
Alle zwei Stunden fährt außerdem eine Regionalbahn nach Crailsheim.
Der Nahverkehr um Ellwangen ist seit 2007 in die Fahrpreiskooperation OstalbMobil eingebunden.

Die Stadt der Fürstpröpste
Ellwangen ist mit rund 25.000 Einwohnern nach Aalen und Schwäbisch Gmünd die drittgrößte Stadt des Ostalbkreises.
Über Jahrhunderte war die Stadt Sitz einer Fürstpropstei, eines eigenen geistlichen Fürstentums.
Von 1803 bis 1806 tagte hier sogar die Regierung von Neuwürttemberg.
Das Alamannenmuseum zeigt mit Funden aus Lauchheim eines der bedeutendsten Bilder vom Leben der Alamannen.
Seit dem 1. Februar 1972 ist Ellwangen eine Große Kreisstadt.
Erste Soldaten sind hier schon um das Jahr 980 in den Aufzeichnungen des Klosters erwähnt.
Die Fürstpropstei gehörte zu den geistlichen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches.

Ankommen in Ellwangen
Hoch über der Stadt liegt das Schloss ob Ellwangen, in dem heute ein Schlossmuseum die Residenz der Fürstpröpste zeigt.
Über dem Marktplatz erhebt sich die mächtige romanische ehemalige Stiftskirche.
Seit 2011 gibt es außerdem das Sieger Köder Museum, das dem Werk des Malers und Pfarrers gewidmet ist.
Vom Bahnhof sind es nur wenige hundert Meter in den alten Stadtkern.
Wer mag, entdeckt in den Gassen und an der Jagst die Spuren einer langen geistlichen Geschichte.
Das Schlossmuseum zeigt neben den Prunkräumen auch wertvolle Fayencen und barocke Weihnachtskrippen.
Nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt beginnt die verkehrsberuhigte Innenstadt.

Häufige Fragen
Seit wann hat Ellwangen einen Bahnhof?
Halten in Ellwangen Fernzüge?
Warum gab es einen Schalter für die US-Armee?
Wird in Ellwangen noch Güterverkehr abgefertigt?
Wer betreibt heute den Regionalverkehr?
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