Das Netz in Zahlen: Wie groß die deutsche Bahn wirklich ist

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 089

„Wegen einer Streckenstörung kommt es zu Verspätungen.“

Das Netz in Zahlen

→ Übersetzt: Wenn 65.000 Weichen existieren, ist immer eine davon kaputt. Das ist keine Ausrede, sondern Mathematik.

Lesezeit: 7 Minuten · Das System Bahn

Die 30-Sekunden-Antwort

Das deutsche Schienennetz ist rund 33.000 Kilometer lang. Dazu gehören etwa 65.000 Weichen, 25.000 Brücken und 5.400 Bahnhöfe. Jeden Tag fahren darauf rund 40.000 Züge. Diese Größe erklärt vieles: Sie zeigt, warum Störungen unvermeidlich sind und warum Sanierung Jahrzehnte dauert.

Du wartest auf einen Zug, der nicht kommt.

Die Durchsage nennt eine Streckenstörung.

In dem Moment denkst du: Schon wieder.

Das Gefühl stimmt. Die Schlussfolgerung nicht ganz.

Denn hinter jedem Zug liegt ein System von enormer Größe.

Und Größe bringt Rechenregeln mit sich, die niemand mag.

Eine Bahnstrecke zieht sich durch eine weite Landschaft bis zum Horizont
Dreiunddreißigtausend Kilometer. Das ist achtmal um den Bodensee und noch viel weiter. Symbolbild, mit KI erstellt.

Die wichtigsten Zahlen

Fangen wir mit dem an, was man messen kann.

Das Netz auf einen Blick

STRECKE

rund 33.000 km

So lang ist das Streckennetz. Es passt fast einmal um den Äquator.

WEICHEN

rund 65.000

Jede einzelne ist ein bewegliches Bauteil mit Motor und Heizung.

BRÜCKEN

rund 25.000

Viele davon sind über hundert Jahre alt.

BAHNHÖFE

rund 5.400

Vom Hauptbahnhof bis zum Haltepunkt mit einer Bank.

Alles davon muss gewartet werden. Jedes Jahr, jeden Winter, bei jedem Wetter.

Dazu kommen rund 700 Tunnel.

Und mehrere tausend Stellwerke unterschiedlichen Alters.

Etwa 60 Prozent der Strecken haben eine Oberleitung.

Der Rest wird mit Diesel befahren.

Was diese Zahlen bedeuten

Jetzt wird es unangenehm.

Nimm die 65.000 Weichen.

Angenommen, jede einzelne fällt nur alle zehn Jahre einmal aus.

Das wäre eine exzellente Quote.

Dann sind das immer noch rund 6.500 Störungen pro Jahr.

Also etwa achtzehn pro Tag.

Bei den Brücken und Stellwerken gilt dieselbe Rechnung.

Ein großes System hat immer irgendwo einen Defekt.

Die Frage ist nur, ob dieser Defekt dich trifft.

Warum kleine Quoten große Wirkung haben

1 VON 1.000 ANLAGEN DEFEKT

Klingt winzig. Sind bei 65.000 Weichen aber 65 Stück gleichzeitig.

JEDE STÖRUNG TRIFFT MEHRERE ZÜGE

Eine kaputte Weiche legt nicht einen Zug lahm, sondern alle auf dieser Route.

VERSPÄTUNG WANDERT WEITER

Der verspätete Zug bringt seinen Rückstand ins nächste Netzgebiet mit.

Deshalb reicht eine einzige Weiche, um einen halben Tag zu verderben.

Video: „Das deutsche Schienennetz ist underrated!“ vom Kanal Depedia.

„Aufgrund einer Weichenstörung verzögert sich die Weiterfahrt.“

→ Übersetzt: Eine von 65.000 beweglichen Anlagen klemmt gerade.

Warum Sanieren so lange dauert

Das Netz ist nicht nur groß, sondern auch alt.

Viele Brücken stammen aus der Kaiserzeit.

Manche Stellwerke werden noch mit Hebeln bedient.

Diese Anlagen laufen, aber sie sind am Ende ihrer Lebensdauer.

Nun ist eine Sanierung kein Streichanstrich.

Man kann eine Brücke nicht bei laufendem Betrieb austauschen.

Also muss gesperrt werden.

Und jede Sperrung schiebt Züge auf andere Strecken.

Die sind dann überlastet, und die Verspätungen steigen.

Genau deshalb dauert der Umbau des Netzes Jahrzehnte.

Was früher anders war

1994 war das Netz noch deutlich größer.

Seitdem wurden tausende Kilometer stillgelegt.

Vor allem Nebenstrecken auf dem Land.

Sie galten als unwirtschaftlich.

Heute werden manche davon wieder aufgebaut.

Das nennt sich Reaktivierung.

Es ist teuer, weil das Gelände oft zugewachsen oder verkauft ist.

Was einmal weg ist, kommt nur schwer zurück.

Was du daraus machen kannst

Die Zahlen sind kein Freibrief für Chaos.

Andere Länder betreiben große Netze zuverlässiger.

Aber sie erklären, warum es keine schnelle Lösung gibt.

Für deine Planung heißt das zweierlei.

Erstens: Auf stark belasteten Hauptstrecken ist das Risiko höher.

Zweitens: Ein Umweg über eine ruhige Strecke ist oft pünktlicher.

Auch wenn er auf dem Papier länger dauert.

Was auf dem Netz alles unterwegs ist

Auf diesen Gleisen fährt nicht nur die Bahn.

Rund tausend Eisenbahnunternehmen haben eine Zulassung.

Die meisten davon sind klein und fahren Güter.

Im Nahverkehr sind Wettbewerber längst normal.

Im Fernverkehr sind sie bis heute die Ausnahme.

Insgesamt sind täglich etwa 40.000 Züge unterwegs.

Das ist ein Zug alle zwei Sekunden.

Sie alle müssen sich dieselben Gleise teilen.

Ein schneller ICE, ein bummelnder Güterzug, eine S-Bahn.

Diese Mischung ist das eigentliche Problem.

Denn unterschiedliche Geschwindigkeiten kosten Kapazität.

Wo alle gleich schnell fahren, passen mehr Züge hin.

Deshalb sind reine Schnellfahrstrecken so leistungsfähig.

Wie voll das Netz wirklich ist

Nicht jeder Kilometer ist gleich belastet.

Ein kleiner Teil des Netzes trägt den größten Teil des Verkehrs.

Diese Hauptachsen sind an der Grenze.

Dort fährt tagsüber alle paar Minuten ein Zug.

Es gibt keinen Puffer mehr im Fahrplan.

Eine Verspätung kann deshalb nicht mehr aufgeholt werden.

Sie wird stattdessen weitergereicht.

Auf ruhigen Nebenstrecken ist es genau umgekehrt.

Dort bringt ein Zug seine Verspätung oft selbst wieder ein.

Diesen Unterschied spürst du als Reisender sehr deutlich.

Was die Zahlen über die Engpässe verraten

Zahlen allein sagen wenig. Interessant wird das Verhältnis.

Das Netz ist heute rund ein Sechstel kleiner als 1994. Gleichzeitig fahren deutlich mehr Züge darauf.

Auf einigen Hauptstrecken liegt die Auslastung über hundert Prozent der planbaren Kapazität.

Das heißt: Es gibt keine Reserve mehr. Jede Störung schlägt sofort auf den ganzen Tag durch.

Genau darin liegt der Kern der Pünktlichkeitskrise. Nicht in einzelnen Defekten, sondern im fehlenden Puffer.

Wo das Netz wieder wächst

Seit einigen Jahren dreht sich die Richtung langsam.

Es gibt eine Liste von Strecken, die reaktiviert werden sollen. Einige sind bereits wieder in Betrieb.

Auch die Elektrifizierung schreitet voran, wenn auch langsamer als geplant.

Dazu kommen zusätzliche Überholgleise und Blockverdichtungen. Sie erhöhen die Kapazität ohne neue Trasse.

Der größte Hebel bleibt aber die Digitalisierung. Mit ETCS passen deutlich mehr Züge auf dasselbe Gleis.

Alle Fragen zum Thema

Wie lang ist das deutsche Schienennetz?

Rund dreiunddreißigtausend Kilometer im Netz der DB InfraGO. Dazu kommen einige tausend Kilometer anderer Betreiber. Es ist das längste Netz in Europa.

Wie viel davon hat Oberleitung?

Etwa sechzig Prozent der Strecken. Darauf laufen aber rund neunzig Prozent des Verkehrs. Die nicht elektrifizierten Strecken sind meist ruhige Nebenstrecken.

Wie viele Bahnhöfe gibt es?

Rund fünftausendsiebenhundert Stationen. Die meisten davon sind kleine Haltepunkte ohne Personal. Nur etwa zwanzig gehören zur höchsten Kategorie.

Wie viele Züge fahren täglich?

Rund vierzigtausend im Personen- und Güterverkehr zusammen. Das sind mehr als vor dreißig Jahren, auf einem kleineren Netz. Genau daraus entsteht der Engpass.

Wie viele Weichen und Brücken gibt es?

Etwa siebzigtausend Weichen und über fünfundzwanzigtausend Brücken. Viele Brücken sind über hundert Jahre alt. Ihre Erneuerung ist ein eigenes Großprojekt.

Wie viele Tunnel?

Rund siebenhundert im Netz. Der längste Eisenbahntunnel Deutschlands ist der Landrückentunnel auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg. Er ist über zehn Kilometer lang.

Ist das Netz gewachsen oder geschrumpft?

Seit 1994 deutlich geschrumpft. Tausende Kilometer Nebenstrecken wurden stillgelegt. Erst in den letzten Jahren werden einzelne Strecken wieder reaktiviert.

Was ist eine überlastete Schienenwegstrecke?

Ein offiziell festgestellter Zustand, wenn mehr Trassen bestellt als vergeben werden können. InfraGO muss dann einen Plan zur Kapazitätserhöhung vorlegen. Mehrere Hauptkorridore sind so eingestuft.

Wie schneidet Deutschland im Vergleich ab?

Beim Netz absolut vorn, bei der Investition je Einwohner lange im hinteren Mittelfeld. Die Schweiz und Österreich geben pro Kopf deutlich mehr aus. Seit einigen Jahren steigen die deutschen Ausgaben deutlich.

Der Chefübersetzer sagt

„Wer 65.000 bewegliche Teile betreibt, hat jeden Tag ein paar kaputte darunter. Das entschuldigt nichts, aber es erklärt, warum Besserung in Jahren gemessen wird und nicht in Wochen.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Bei großen Umleitungen lohnt der Blick auf Nebenstrecken. Sie sind weniger überlastet.

2. Hauptstrecken haben mehr Züge und damit mehr Gelegenheit für Störungen.

3. Wenn eine Sanierung angekündigt ist, plane für die Umleitungsstrecken mehr Zeit ein.

Weiterfahrt

Generalsanierung – Begriff 020 im Wörterbuch

InfraGO – Begriff 087

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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