Barrierefreiheit bei der Bahn: Was funktioniert und was nicht

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 096

„Der Aufzug zu Gleis 3 ist außer Betrieb.“

Barrierefreiheit

→ Übersetzt: Ein defekter Aufzug ist für die meisten ein Ärgernis. Für manche ist er das Ende der Reise.

Lesezeit: 7 Minuten · Bahnhof & Reise

Die 30-Sekunden-Antwort

Barrierefreiheit heißt: ohne fremde Hilfe reisen können. Dazu gehören stufenlose Zugänge, Aufzüge, Leitstreifen für blinde Menschen und ein Einstieg ohne Stufe. In Deutschland ist das an großen Bahnhöfen meist gelöst und an kleinen oft nicht. Wo es nicht klappt, hilft der Mobilitätsservice mit angemeldeter Einstiegshilfe.

Für die meisten Reisenden ist eine Treppe kein Thema.

Man nimmt sie, ohne darüber nachzudenken.

Für andere ist sie eine Wand.

Wer im Rollstuhl sitzt, mit Kinderwagen reist oder schlecht sieht, plant anders.

Und stößt dabei auf Dinge, die kaum jemand bemerkt.

Zum Beispiel auf zwölf Zentimeter Luft.

Ein Bahnsteig mit gelbem Blindenleitstreifen, Rampe und gläsernem Aufzugturm
So sieht es aus, wenn es funktioniert. Es sieht nicht überall so aus. Symbolbild, mit KI erstellt.

Woran es hängt

Barrierefreiheit ist keine einzelne Maßnahme.

Sie ist eine Kette, und jedes Glied muss halten.

Die Kette einer Reise

Zum Bahnhof Weg und Zugang

Nützt der beste Bahnsteig nichts, wenn der Weg dorthin Stufen hat.

Zum Bahnsteig Aufzug oder Rampe

Fällt der Aufzug aus, ist das Gleis unerreichbar. Ersatz gibt es selten.

In den Zug Spalt und Höhe

Der Abstand zwischen Bahnsteig und Wagen entscheidet alles.

Im Zug Platz und Toilette

Ein Stellplatz reicht nicht, wenn die Toilette zu eng ist.

Ein einziges kaputtes Glied macht die ganze Reise unmöglich.

Der schwierigste Punkt ist der Einstieg.

Bahnsteige sind unterschiedlich hoch gebaut.

Züge haben unterschiedliche Einstiegshöhen.

Passt beides nicht zusammen, bleibt eine Stufe.

Dazu kommt der Spalt zur Seite.

Moderne Fahrzeuge haben dafür ausfahrbare Rampen.

Ältere brauchen eine Rampe vom Personal.

Video: „Meine Erfahrungen mit Barrierefreiheit bei der Deutschen Bahn – Ein ehrlicher Einblick“ vom Kanal Trainierdichbehindert.

„Der Aufzug zu Gleis 3 ist außer Betrieb.“

→ Übersetzt: Für manche Fahrgäste endet die Reise an dieser Stelle.

Wie die Hilfe organisiert wird

Wenn du Hilfe beim Ein- oder Umsteigen brauchst, meldest du sie an.

Dafür gibt es die Mobilitätsservice-Zentrale.

Sie organisiert Personal mit Rampe an deinem Bahnhof.

Und zwar auch für jeden Umstieg unterwegs.

Das ist kostenlos.

Für Fahrten im Inland gilt eine Frist bis 20 Uhr am Vortag.

Alle Einzelheiten stehen im Beitrag zum Mobilitätsservice.

Ohne Anmeldung ist Hilfe möglich, aber nicht garantiert.

Welche Rechte dazugehören

Ein Schwerbehindertenausweis kann mehr wert sein als ein Ticket.

Mit bestimmten Merkzeichen und Wertmarke fährst du im Nahverkehr kostenlos.

Steht das Merkzeichen B im Ausweis, fährt eine Begleitperson kostenlos mit.

Das gilt auch im Fernverkehr.

Ein Rollstuhlstellplatz lässt sich kostenlos reservieren.

Ein Blindenführhund fährt kostenlos mit und braucht keinen Maulkorb.

Diese Regeln sind älter als die meisten Bahnreformen.

Was du daraus machen kannst

Prüfe vor der Fahrt den Aufzugstatus deines Bahnhofs.

Dafür gibt es eine eigene Auskunft.

Melde Hilfe rechtzeitig an, auch wenn du sie vielleicht nicht brauchst.

Plane bei Umstiegen mehr Zeit ein als die Auskunft vorschlägt.

Und melde jede Barriere, die du findest.

Auch wenn dir das im Moment nichts nützt.

Verändert wird nur, was gemeldet wird.

Warum kleine Bahnhöfe hinterherhinken

An großen Bahnhöfen ist vieles gelöst.

Aufzüge, Rampen und Leitstreifen gehören dort zum Standard.

Auf dem Land sieht es anders aus.

Dort gibt es tausende kleine Haltepunkte.

Viele haben nur einen niedrigen Bahnsteig und eine Treppe.

Ein Umbau kostet dort genauso viel wie in der Stadt.

Nur nutzen ihn viel weniger Menschen.

Deshalb stehen solche Stationen selten oben auf der Liste.

Das ist nachvollziehbar und trotzdem ein Problem.

Denn gerade auf dem Land gibt es kaum Alternativen.

Wer nicht Auto fahren kann, ist auf diesen Halt angewiesen.

Inzwischen werden viele Stationen beim Umbau mitgemacht.

Wenn ohnehin gebaut wird, kommt die Rampe gleich mit.

Was ein einzelner Zentimeter ausmacht

Der Einstieg ist der heikelste Punkt der ganzen Reise.

Ein Rollstuhl braucht eine ebene Fläche.

Schon eine kleine Stufe wird zum Hindernis.

Deshalb gibt es genormte Bahnsteighöhen.

In Deutschland sind 76 Zentimeter der Standard für den Fernverkehr.

Im Nahverkehr sind es vielerorts 55 Zentimeter.

Beide Höhen kommen auf denselben Strecken vor.

Ein Fahrzeug kann aber nur zu einer Höhe passen.

Deshalb bleibt an manchen Halten immer eine Stufe.

Das lässt sich nur durch einheitliche Bahnsteige lösen.

Und genau das dauert Jahrzehnte.

Was du vor einer Reise prüfen solltest

Vier Punkte entscheiden darüber, ob eine Reise klappt.

Erstens die Bahnsteighöhe an Start, Ziel und allen Umstiegen.

Zweitens die Aufzüge. Sie fallen häufig aus und der Status steht in der Bahnhofsübersicht.

Drittens der Zug selbst. Nicht jedes Fahrzeug hat einen Rollstuhlstellplatz und eine barrierefreie Toilette.

Und viertens die Anmeldung beim Mobilitätsservice. Bis zum Vortag ist die Hilfe verbindlich zugesagt.

Wie weit die Bahn wirklich ist

Die Zahlen klingen besser als der Alltag.

Rund achtzig Prozent der Reisenden steigen an stufenfrei erreichbaren Bahnsteigen ein.

Das liegt daran, dass die großen Bahnhöfe zuerst umgebaut wurden.

Rechnet man nach Stationen statt nach Reisenden, sieht es deutlich schlechter aus.

Tausende kleine Haltepunkte haben weder Aufzug noch passende Bahnsteighöhe. Genau dort ist die Lücke am größten.

Alle Fragen zum Thema

Was heißt Barrierefreiheit bei der Bahn?

Dass Menschen mit Behinderung Bahnhöfe und Züge ohne fremde Hilfe nutzen können. Dazu gehören stufenfreie Zugänge, passende Bahnsteighöhen, Aufzüge, Leitsysteme und Informationen in mehreren Sinneskanälen.

Gibt es dafür ein Gesetz?

Ja, das Behindertengleichstellungsgesetz und das Personenbeförderungsgesetz. Letzteres nannte 2022 als Zielmarke für vollständige Barrierefreiheit im Nahverkehr. Erreicht wurde sie nicht.

Was mache ich, wenn der Aufzug kaputt ist?

Melde es über den Aufzugsnotruf oder die Bahnhofsübersicht. Der Mobilitätsservice organisiert dann einen alternativen Weg. An kleinen Bahnhöfen kann das bedeuten, dass du eine andere Station nutzen musst.

Fährt eine Begleitperson kostenlos mit?

Ja, wenn im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen B steht. Das gilt im Nah- und im Fernverkehr. Auch ein Assistenzhund fährt immer kostenlos.

Wie viele Rollstuhlplätze hat ein Zug?

Im Fernverkehr mindestens einer, in längeren Zügen mehrere. Sie lassen sich kostenfrei reservieren. Im Nahverkehr gibt es sie im Mehrzweckbereich ohne Reservierung.

Was ist ein taktiles Leitsystem?

Die geriffelten Streifen im Boden. Sie führen mit dem Blindenstock vom Eingang zum Bahnsteig. Noppenfelder markieren Abzweige und die Bahnsteigkante.

Gibt es Ansagen auch visuell?

In modernen Zügen ja, über Bildschirme. Wichtige Ansagen sollen dort ebenfalls erscheinen. Bei kurzfristigen Durchsagen klappt das noch nicht immer.

Was ist ein Hublift?

Eine mobile Hebebühne für den Einstieg mit Rollstuhl. Sie wird vom Personal bedient. Deshalb funktioniert sie nur an Bahnhöfen mit Mobilitätsservice.

Kann ich mich beschweren, wenn etwas nicht klappt?

Ja, zuerst beim Verkehrsunternehmen. Bleibt es unbefriedigend, ist die Schlichtungsstelle zuständig. Auch die Bundesfachstelle Barrierefreiheit nimmt Hinweise entgegen.

Der Chefübersetzer sagt

„Barrierefreiheit ist eine Kette. Der Weg zum Bahnhof, der Aufzug, der Spalt zum Zug, die Toilette an Bord. Reisst ein einziges Glied, hilft der Rest gar nichts.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Einstiegshilfe rechtzeitig anmelden, im Inland bis 20 Uhr am Vortag. Sie ist kostenlos und gilt auch für Umstiege.

2. Mit Merkzeichen B im Ausweis fährt eine Begleitperson kostenlos mit, auch im Fernverkehr.

3. Vor der Fahrt den Aufzugstatus prüfen. Ein defekter Aufzug macht ein ganzes Gleis unerreichbar.

Weiterfahrt

Mobilitätsservice – Begriff 030 im Wörterbuch

Bahnsteighöhe – Begriff 043

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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