Zahlen, bitte!
„Sehr geehrte Fahrgäste, diese Strecke ist seit über fünfzehn Jahren im Bau und fährt noch immer nicht.“
Wie viel kostet Kaliforniens Hochgeschwindigkeitsstrecke?
→ Eine Großbaustelle in Zahlen.
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Kurz gesagt
Kaliforniens Hochgeschwindigkeitsstrecke begann 2008 mit 9,95 Milliarden Dollar Startkapital aus einer Volksabstimmung. Für die geplante Strecke Los Angeles–San Francisco werden heute rund 84 Milliarden Dollar genannt, gebaut wird zunächst nur ein 275 Kilometer langes Kernstück.
Kalifornien wollte die erste echte Schnellfahrstrecke der USA bauen.
Seit 2008 ist das Projekt beschlossen, seit Jahren wird gebaut.
Doch ein fahrender Zug ist bis heute nicht in Sicht.

Die wichtigsten Zahlen
≈ 84 Mrd. $
Schätzung 2021
für Los Angeles–San Francisco
9,95 Mrd. $
Startkapital 2008
per Volksabstimmung bewilligt
13,8 Mrd. $
erstes Teilstück
Merced–Fresno–Bakersfield, 2021
826 km
geplante Hauptstrecke
San Francisco–Los Angeles
354 km/h
Zielgeschwindigkeit
220 mph auf Neubaustrecken
2008
Projektstart
per Referendum
Quellen: deutschsprachige Wikipedia „California High-Speed Rail“ nach Angaben der California High-Speed Rail Authority. Alle Zahlen gerundet.
Die große Zahl
Für die Strecke von Los Angeles nach San Francisco wurden 2021 rund 84 Milliarden Dollar veranschlagt.
Zu Beginn standen 2008 nur 9,95 Milliarden Dollar Startkapital zur Verfügung.
Dazwischen liegen Jahre, in denen die Rechnung immer weiter wuchs.
Und noch immer fährt auf der Strecke kein einziger Zug.

Wie es begann
Am 4. November 2008 stimmten die Kalifornier in einem Referendum über das Projekt ab.
Sie bewilligten rund zehn Milliarden Dollar Steuergeld als Startkapital.
Geleitet wird das Vorhaben von der eigens gegründeten California High-Speed Rail Authority.
Diese Behörde gibt es schon seit 1996.
Gut zu wissen
Das Projekt startete 2008 per Volksabstimmung mit 9,95 Milliarden Dollar; geplant war eine 826 Kilometer lange Strecke San Francisco–Los Angeles bis 2033 für 77 Milliarden Dollar.
2016 wurde die Priorität auf den rund 275 Kilometer langen Kernabschnitt Merced–Fresno–Bakersfield gelegt; für die gesamte Strecke Los Angeles–San Francisco wurden 2021 rund 84 Milliarden Dollar geschätzt.
Der große Plan
Geplant war ein Netz von rund 1300 Kilometern Schnellfahrstrecke.
Es sollte San Francisco, Los Angeles, Sacramento und San Diego verbinden.
Herzstück war eine 826 Kilometer lange Strecke von San Francisco durch das Central Valley nach Los Angeles.
Fertig sein sollte sie bis 2033, für damals geschätzte 77 Milliarden Dollar.
Wie der Preis wuchs
Schon Ende der 2000er-Jahre schätzten Fachleute die Baukosten auf rund 42 Milliarden Dollar.
Für die volle Strecke war später von 77 Milliarden die Rede.
Bis 2021 stieg die Schätzung für Los Angeles–San Francisco auf rund 84 Milliarden Dollar.
Jede neue Rechnung lag deutlich über der vorherigen.
Die Notbremse 2016
Der große Plan erwies sich als zu teuer und zu ehrgeizig.
Im Mai 2016 setzte man die Priorität auf ein kürzeres Kernstück.
Dieses verbindet Merced, Fresno und Bakersfield im Central Valley.
Es ist rund 275 Kilometer lang und wird als Insellösung gebaut.
Das erste Teilstück
Dieses Kernstück soll bis etwa 2030 in Betrieb gehen.
Die Kosten allein dafür wurden 2021 auf 13,8 Milliarden Dollar geschätzt.
Zunächst entsteht es teils eingleisig und unter Nutzung von Bestandsstrecken.
Es liegt mitten im dünn besiedelten Tal, nicht in den großen Städten.
Wie schnell es werden soll
Auf den neuen Strecken sind bis zu 220 Meilen pro Stunde geplant.
Das sind rund 354 Kilometer pro Stunde.
Auf mitbenutzten Bestandsstrecken sind es nur etwa 177 Kilometer pro Stunde.
Erst der volle Ausbau würde die hohe Geschwindigkeit durchgehend erlauben.
Warum es länger dauert
Ursprünglich sollte die Fahrt San Francisco–Los Angeles nur 2 Stunden und 40 Minuten dauern.
Mit den langsamen Bestandsstrecken dazwischen liegt sie deutlich über vier Stunden.
Denn auf diesen Abschnitten fahren die Züge nur knapp 130 Kilometer pro Stunde.
Von einer reinen Hochgeschwindigkeitsverbindung ist das weit entfernt.
Warum es so schwer ist
Eine neue Trasse quer durch Kalifornien berührt unzählige Grundstücke.
Jeder Kauf und jede Klage kostet Zeit und Geld.
Dazu kommen Brücken und Viadukte durch das weite Central Valley.
Und immer wieder stand die Finanzierung des Projekts auf der Kippe.
Wer es bezahlt
Das Geld kommt aus mehreren Quellen zugleich.
Neben dem kalifornischen Startkapital flossen Milliarden aus dem US-Bundeshaushalt.
Geplant waren auch private Investitionen, die aber schwer zu gewinnen sind.
Immer wieder sorgte gerade die Bundesförderung für politischen Streit.
Wie sich das einordnet
Kaliforniens Projekt ähnelt dem britischen HS2 in seinen Problemen.
Beide wurden viel teurer und kleiner als versprochen.
Zum Vergleich: China baute in derselben Zeit zehntausende Kilometer Schnellbahn.
Die USA tun sich mit einer einzigen Strecke bis heute schwer.
Zum Vergleich mit Deutschland
Auch in Deutschland sind Projekte wie Stuttgart 21 viel teurer geworden.
Doch in Kalifornien geht es um eine ganz neue Strecke über hunderte Kilometer.
Deutschland hat sein Schnellbahnnetz über Jahrzehnte Stück für Stück gebaut.
Kalifornien versucht den großen Wurf auf einmal.
Was die Zahl bedeutet
84 Milliarden Dollar sind eine Summe, die kaum noch greifbar ist.
Sie zeigt, wie teuer es ist, in einem reichen Land neu auf der Schiene zu bauen.
Gleichzeitig steht am Ende noch kein fahrender Zug.
Das macht Kalifornien zum Mahnmal für zu große Versprechen.
Ein Traum auf langer Strecke
Die Idee einer schnellen Bahn durch Kalifornien ist bestechend.
Doch zwischen Beschluss und Betrieb liegen viele Jahre und Milliarden.
Die Zahl, die bleibt, ist einfach: aus knapp 10 wurden rund 84 Milliarden Dollar.
Ob und wann der erste Zug fährt, muss das nächste Jahrzehnt zeigen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
