Zahlen, bitte!
„Sehr geehrte Fahrgäste, diese Schnellfahrstrecke ist noch nicht fertig, aber schon jetzt eine der teuersten Bahnbaustellen der Welt.“
Wie viel kostet die Schnellfahrstrecke HS2 in England?
→ Eine Großbaustelle in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die englische Schnellfahrstrecke HS2 war zu Beginn mit rund 33 Milliarden Pfund veranschlagt. Inzwischen ist von fast 100 Milliarden Pfund die Rede, obwohl die Strecke mehrfach gekürzt wurde und am Ende nur London mit Birmingham verbindet.
Kaum ein Bahnprojekt ist so teuer und so umstritten wie HS2 in England.
Aus einer schnellen Verbindung quer durch das Land wurde ein kurzes Stück zwischen zwei Städten.
Der Preis dafür stieg immer weiter, während die Strecke immer kürzer wurde.

Die wichtigsten Zahlen
≈ 33 Mrd. £
erste Schätzung
für das gesamte, große Netz
> 100 Mrd. £
heute genannt
für die gekürzte Strecke
≈ 230 km
Länge
London Euston–Birmingham
320 km/h
geplante Höchstgeschwindigkeit
früher bis 362 km/h vorgesehen
22,5 Mrd. £
bis Mitte 2023 ausgegeben
nur für London–Birmingham
2036–2043
Eröffnung
schrittweise geplant
Quellen: deutschsprachige Wikipedia „High Speed 2″ nach Regierungsberichten, dem Oberhaus-Ausschuss und dem Oakervee-Report. Alle Zahlen gerundet.
Die große Zahl
Zu Beginn wurde HS2 mit rund 33 Milliarden Pfund veranschlagt.
Heute ist in britischen Medien und Regierungsberichten von fast 100 Milliarden Pfund die Rede.
Das ist umgerechnet weit über 100 Milliarden Euro.
Dabei ist die Strecke, die am Ende gebaut wird, deutlich kürzer als ursprünglich geplant.

Wie der Preis wuchs
Ein Ausschuss des britischen Oberhauses kam 2015 auf 56 Milliarden Pfund.
Im Jahr 2019 nannte der Chef der Projektgesellschaft statt 62,4 bereits 81 bis 88 Milliarden Pfund.
Ein Prüfbericht von Ende 2019 kam auf mehr als 106 Milliarden Pfund, fast das Doppelte der Schätzung von 2015.
Jede neue Rechnung lag höher als die davor.
Gut zu wissen
HS2 ist seit 2020 im Bau und soll ab 2036 schrittweise eröffnet werden; die Kernstrecke verbindet London Euston mit Birmingham über rund 230 Kilometer.
Die Äste nach Leeds (2021) und Manchester (2023) wurden aus Kostengründen gestrichen, übrig blieb das teure Herzstück im Süden.
Was schon ausgegeben ist
Nach einem Regierungsbericht waren bis Mitte 2023 bereits 22,5 Milliarden Pfund verbaut.
Dieses Geld floss allein in die Strecke von London nach Birmingham.
Viel davon steckt in Tunneln, Brücken und Viadukten, die man kaum sieht.
Ein großer Teil der Strecke im Raum London verläuft unter der Erde.
Wie lang die Strecke ist
Die Kernstrecke ist rund 230 Kilometer lang.
Sie verbindet den Londoner Bahnhof Euston mit Birmingham.
Weil Euston erst später fertig wird, soll zunächst der Bahnhof Old Oak Common Endpunkt sein.
In Birmingham entsteht am Rand der Innenstadt der neue Kopfbahnhof Curzon Street.
Wie schnell die Züge fahren sollen
Ursprünglich war eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 362 Kilometern pro Stunde vorgesehen.
Aus Kostengründen wird nun mit den europaweit üblichen 320 Kilometern pro Stunde geplant.
Der Zeitverlust ist gering, nur wenige Minuten zwischen London und Birmingham.
Die hohe Geschwindigkeit war ohnehin nie der einzige Zweck der neuen Strecke.
Warum überhaupt neu bauen
Die bestehende West Coast Main Line ist eine der am stärksten belasteten Strecken Großbritanniens.
Schnelle Fernzüge, langsame Regionalzüge und Güterzüge teilen sich dieselben Gleise.
HS2 soll die schnellen Züge auf eine eigene Strecke holen.
Dadurch würde auf den alten Gleisen Platz für mehr Nah- und Güterverkehr frei.
Die gestrichenen Äste
Ursprünglich sollte HS2 auch nach Leeds und Manchester weiterführen.
Der Ast nach Leeds wurde 2021 gestrichen.
Der Ast nach Manchester folgte 2023, als die Kosten explodierten.
Übrig blieb das Herzstück zwischen London und Birmingham.
Warum es so teuer wurde
Ein Grund sind die vielen Tunnel und Viadukte, die Natur und Orte schonen sollen.
Ein anderer ist eine Vorgabe, nach der die Baufirmen das Risiko aller Verzögerungen tragen sollten.
Auch Inflation und steigende Baupreise trieben die Summe nach oben.
Selbst ein Abbruch des Projekts wurde einmal mit zwölf Milliarden Pfund beziffert.
Was HS2 mit HS1 zu tun hat
HS2 wäre erst die zweite echte Schnellfahrstrecke Großbritanniens.
Die erste, HS1, verbindet seit 2007 London mit dem Eurotunnel.
Das Land kam damit später zur Hochgeschwindigkeit als Frankreich, Deutschland oder Japan.
Umso größer war der politische Wille, mit HS2 aufzuholen.
Wann die Züge rollen sollen
Die Strecke soll ab 2036 schrittweise in Betrieb gehen.
Bis etwa 2043 soll der volle Betrieb erreicht sein.
Das sind viele Jahre später als einst versprochen.
Bis dahin bleibt HS2 vor allem eine riesige Baustelle.
Wie sich das einordnet
Zum Vergleich: Die Schweiz baute den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel für rund zwölf Milliarden Franken.
HS2 kostet ein Vielfaches davon, für eine oberirdisch leichter zu bauende Strecke.
Kritiker fragen, ob der Nutzen den Preis rechtfertigt.
Befürworter verweisen auf Platz für mehr Züge im ganzen Netz.
Was die Zahlen bedeuten
HS2 ist ein Lehrstück darüber, wie Großprojekte aus dem Ruder laufen können.
Je länger geplant und gestritten wird, desto teurer wird am Ende jeder Kilometer.
Gleichzeitig zeigt es, wie schwer sich ein dicht besiedeltes Land mit neuen Trassen tut.
Am Ende zahlt die Rechnung der Steuerzahler.
Zum Vergleich mit Deutschland
Auch in Deutschland sind Großprojekte wie Stuttgart 21 viel teurer geworden als geplant.
Doch HS2 bewegt sich in einer eigenen Größenordnung.
Fast 100 Milliarden Pfund entsprechen einem Mehrfachen der teuersten deutschen Bahnprojekte.
Der Blick nach England ist deshalb auch eine Warnung.
Eine Strecke, die immer kürzer wurde
Kaum ein Projekt hat sich so gewandelt wie HS2.
Aus einem landesweiten Schnellbahnnetz wurde ein einzelnes Teilstück.
Der Preis aber blieb riesig und wuchs sogar weiter.
Die Zahl, die bleibt, ist deshalb vor allem eine Mahnung: aus 33 wurden fast 100 Milliarden Pfund.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
