Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Atacama, wo Chiles erste Dampflok einst Silbererz zum Hafen brachte.“
Stimmt es, dass die erste Eisenbahn Südamerikas in Chile fuhr?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Chile baute 1851 eine der frühesten Eisenbahnen des Kontinents, doch die allererste Bahn Südamerikas war sie nicht. Vor ihr fuhren bereits Züge in Britisch-Guayana und in Peru.
Die Geschichte der Eisenbahn in Südamerika beginnt nicht in den großen Metropolen, sondern in einer trockenen Bergbauregion.
Chile gilt vielen als Pionier, weil hier früh eine Strecke durch die Wüste Atacama entstand.
Ob Chile damit wirklich die erste Eisenbahn des Kontinents hatte, lohnt einen genauen Blick.

Die Fakten in Zahlen
1851
25. Dezember
erste durchgehende Fahrt Caldera–Copiapó
3.
Südamerika
Rang der Strecke auf dem Kontinent
1849
20. November
Konzession durch Präsident Bulnes
Vor Chile fuhren bereits Züge in Britisch-Guayana 1848 und in Peru 1851.
Der Mythos kurz erklärt
Oft heißt es, die erste Eisenbahn Südamerikas sei in Chile gefahren.
Gemeint ist meist die Strecke zwischen dem Hafen Caldera und der Bergbaustadt Copiapó.
Diese Bahn war ohne Zweifel ein früher Meilenstein für den Kontinent.
Die Zuschreibung als allererste Bahn Südamerikas hält einer Prüfung jedoch nicht stand.

Warum eine Bahn mitten in der Wüste
Rund um Copiapó wurde im 19. Jahrhundert reiches Silbererz gefunden.
Das Erz musste von den Minen zum Hafen Caldera am Pazifik gebracht werden.
Maultierkarawanen waren dafür langsam und teuer.
Eine Eisenbahn versprach, die Transportkosten des Bergbaus deutlich zu senken.
So entstand die Strecke nicht für Reisende, sondern für die Wirtschaft der Region.
Gut zu wissen
Die Spurweite und die genaue Länge der ursprünglichen Strecke Caldera–Copiapó werden in den Quellen nicht einheitlich angegeben.
Die Angabe von rund 142 Kilometern bezieht sich auf das später mehrfach verlängerte Netz, nicht auf die erste Teilstrecke.
William Wheelwright und die Konzession
Treibende Kraft war der in Chile lebende US-amerikanische Unternehmer William Wheelwright.
Von Präsident Manuel Bulnes erhielt er am 20. November 1849 die Konzession für den Bau.
Wheelwright hatte zuvor schon die Dampfschifffahrt an der Pazifikküste aufgebaut.
Die Idee einer solchen Strecke reichte allerdings noch einige Jahre weiter zurück.
Die Eröffnung 1851
Eine erste Probefahrt fand am 29. Juli statt.
Am 25. Dezember 1851 erreichte erstmals ein Zug auf der vollen Strecke die Stadt Copiapó.
Der regelmäßige Betrieb begann zum 1. Januar des folgenden Jahres.
Damit war die erste Eisenbahn Chiles in Betrieb.
Erste in Chile, aber nicht in Südamerika
Für Chile war die Strecke unbestritten die erste ihrer Art.
Auf den ganzen Kontinent bezogen war sie nach gängiger Zählung jedoch erst die dritte.
Vor ihr lag die Strecke von Georgetown nach Plaisance in Britisch-Guayana aus dem Jahr 1848.
An zweiter Stelle stand die peruanische Bahn zwischen Callao und Lima von 1851.
Chile war also früh dran, aber eben nicht das erste Land mit einer Eisenbahn auf dem Kontinent.
Der Blick nach Peru
Perus erste Bahn verband den Hafen Callao mit der Hauptstadt Lima.
Sie wurde am 17. Mai 1851 eröffnet und war rund 13,7 Kilometer lang.
Die Strecke war in Normalspur gebaut.
Peru hatte seine Bahn damit einige Monate vor Chiles durchgehender Eröffnung in Betrieb.
Woher die Verwechslung kommt
Ein Grund für den Mythos ist die frühe Teilöffnung der chilenischen Strecke.
Bereits 1850 fuhr ein Zug auf einem ersten Abschnitt ab Caldera.
Je nachdem, welchen Zeitpunkt man zählt, verschiebt sich die Reihenfolge.
Außerdem heben chilenische Quellen den eigenen Pioniergeist gern besonders hervor.
Was aus der Strecke wurde
Die Bahn wurde in den folgenden Jahren ins Landesinnere verlängert.
Mit den Erweiterungen wuchs das Netz rund um Copiapó auf etwa 142 Kilometer.
Die Eisenbahn trug den Bergbau der Region über Jahrzehnte.
Eine der ersten Lokomotiven ist in Chile bis heute erhalten geblieben.
Eisenbahn als Zeichen des Fortschritts
Für die jungen Staaten Südamerikas war eine eigene Eisenbahn ein Symbol der Moderne.
Sie verband Häfen mit dem Hinterland und erschloss Rohstoffe.
Viele erste Strecken dienten darum dem Transport von Erz, Kohle oder Zucker.
Der Personenverkehr kam vielerorts erst an zweiter Stelle.
Das Fazit
Chile hatte 1851 eine der frühesten Eisenbahnen Südamerikas und die erste des eigenen Landes.
Die allererste Bahn des Kontinents war sie nach gängiger Zählung aber nicht.
Vor ihr fuhren bereits Züge in Britisch-Guayana und in Peru.
Der Satz stimmt also nur zum Teil und sollte vorsichtiger formuliert werden.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
