Stimmt es, dass Stahlrad auf Stahlschiene fast reibungslos rollt?

Stimmt es, dass …?

„Ein Gedanke zum Mitnehmen: Die Bahn ist so sparsam, weil Stahl auf Stahl kaum bremst, und so heikel, weil er kaum greift.“

Stimmt es, dass Stahlrad auf Stahlschiene fast reibungslos rollt?

→ Stimmt zur Hälfte. Der Rollwiderstand ist tatsächlich winzig, das macht die Bahn so sparsam. Reibungslos ist es aber nicht, sonst könnte kein Zug anfahren oder bremsen.

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Kurz gesagt

Das stimmt zur Hälfte: Der Rollwiderstand von Stahl auf Stahl ist tatsächlich sehr gering, deshalb braucht ein Zug für seine Masse erstaunlich wenig Kraft zum Rollen. Reibungslos ist das Ganze aber nicht, denn ohne die Reibung zwischen Rad und Schiene könnte kein Zug anfahren, lenken oder bremsen.

Ein einziger Mensch kann einen Eisenbahnwagen von vielen Tonnen auf ebenem Gleis ins Rollen bringen.

Das wirkt fast wie Zauberei und nährt den Gedanken, Stahl auf Stahl laufe reibungslos.

Doch wäre das wirklich so, hätte die Bahn ein großes Problem.

Charleroi BN LRV electromagnetic track brakes
Foto: Ludwig Dupas, CC0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

sehr klein

Rollwiderstand

die Rollreibung ist erheblich kleiner als die Gleitreibung, deshalb rollt der Zug so leicht

Haftreibung

treibt an

die begrenzte Haftung zwischen Rad und Schiene überträgt Antrieb und Bremskraft

Sand

bei Glätte

reicht die Haftung nicht, streuen Züge feinen Sand, um wieder zu greifen

Angaben nach den Wikipedia-Artikeln zu Rollwiderstand und Kraftschluss.

Was am Mythos wahr ist

Der wahre Kern ist der sehr geringe Rollwiderstand.

Rollt ein hartes Rad auf einer harten Schiene, verformt sich fast nichts.

Dadurch geht nur wenig Energie verloren.

Die Rollreibung ist deutlich kleiner als die Gleitreibung bei anderen Fahrzeugen.

Deshalb braucht ein Zug für seine große Masse erstaunlich wenig Antrieb.

Train track South of Rockingham railway station, December 2020 02
Foto: Calistemon, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum die Bahn so sparsam ist

Ein Gummireifen auf der Straße walkt bei jeder Umdrehung und frisst Energie.

Das harte Stahlrad auf der harten Schiene tut das kaum.

Deshalb kann die Bahn schwere Lasten mit wenig Energie bewegen.

Ein Güterzug verbraucht pro Tonne viel weniger als ein Lastwagen.

Der kleine Rollwiderstand ist einer der größten Vorteile der Schiene.

Gut zu wissen

Die Rollreibung ist erheblich kleiner als die Gleitreibung, deshalb verursachen auch Kugellager weniger Verluste als gleitende Lager.

Weil die Haftung zwischen Rad und Schiene begrenzt ist, kann ein Zug nicht beliebig schnell beschleunigen oder bremsen, anders als ein Auto auf griffigem Asphalt.

Warum reibungslos trotzdem falsch ist

Reibungslos würde bedeuten, dass gar keine Reibung wirkt.

Dann aber könnte ein Rad sich drehen, ohne den Zug vorwärtszubringen.

Es würde einfach durchdrehen wie auf Glatteis.

Ohne Reibung gäbe es keinen Halt für Antrieb und Bremse.

Der Zug käme weder vom Fleck noch wieder zum Stehen.

Reibung als Freund und Gegner

Beim Rollen ist Reibung ein Gegner, den man klein halten will.

Beim Anfahren und Bremsen ist Reibung dagegen ein Freund, den man braucht.

Genau diese zwei Rollen machen das Rad-Schiene-System so besonders.

Der Rollwiderstand soll niedrig sein, die Haftung am Rad aber hoch genug.

Beides zugleich zu haben, ist die Kunst der Bahntechnik.

Wie Antrieb und Bremse greifen

Antrieb und Bremse wirken über die kleine Berührfläche zwischen Rad und Schiene.

Diese Haftung heißt in der Technik Kraftschluss.

Sie hält nur, solange die Antriebs- oder Bremskraft die Haftreibung nicht übersteigt.

Wird die Grenze überschritten, rutscht das Rad durch oder blockiert.

Deshalb ist die mögliche Beschleunigung eines Zuges begrenzt.

Wenn die Haftung nachlässt

Nässe, Laub oder Eis setzen die Haftung zwischen Rad und Schiene herab.

Dann dreht ein angetriebenes Rad leicht durch, oder ein gebremstes rutscht.

Ein rutschendes Rad verlängert den Bremsweg deutlich.

Im Herbst ist glitschiges Laub auf der Schiene ein bekanntes Problem.

Gerade weil die Haftung ohnehin knapp ist, wirkt sich jede Störung stark aus.

Was gegen das Durchdrehen hilft

Gegen zu wenig Haftung streuen Züge feinen Sand vor die Räder.

Der Sand erhöht die Reibung und gibt dem Rad wieder Halt.

Moderne Fahrzeuge haben zudem eine Elektronik gegen das Schleudern.

Sie nimmt kurz Kraft weg, sobald ein Rad durchzudrehen beginnt.

So nutzt der Zug die knappe Haftung möglichst gut aus.

Warum der Zug sich selbst im Gleis hält

Die Räder eines Radsatzes haben leicht kegelige Laufflächen.

Läuft der Radsatz zur Seite, rollt ein Rad auf einem größeren Durchmesser als das andere.

Dadurch lenkt sich der Radsatz von selbst zur Mitte zurück.

Dieser Sinuslauf hält den Zug ohne Lenkung im Gleis.

Auch das ist nur möglich, weil Rad und Schiene aneinander haften.

Das Fazit

Der Mythos stimmt zur Hälfte.

Der Rollwiderstand von Stahl auf Stahl ist wirklich winzig, das macht die Bahn sparsam.

Reibungslos ist das System aber nicht und darf es auch nicht sein.

Ohne Haftung könnte kein Zug anfahren, lenken oder bremsen.

Die Bahn lebt also vom feinen Gleichgewicht aus wenig Rollwiderstand und gerade genug Haftung.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Häufige Fragen

Rollt Stahl auf Stahl fast reibungslos?
Der Rollwiderstand ist sehr gering, das stimmt. Reibungslos ist es aber nicht, denn für Antrieb und Bremse wird Reibung zwischen Rad und Schiene gebraucht.
Warum ist die Bahn dann so sparsam?
Weil das harte Stahlrad auf der harten Schiene kaum walkt und wenig Energie verliert. Deshalb bewegt die Bahn große Lasten mit wenig Antrieb.
Was passiert ohne genug Haftung?
Ein angetriebenes Rad dreht durch, ein gebremstes rutscht. Der Bremsweg wird länger. Nässe, Laub und Eis setzen die Haftung herab.
Wozu streuen Züge Sand?
Um die Haftung zwischen Rad und Schiene zu erhöhen. Bei Glätte gibt der Sand dem Rad wieder Halt, damit es nicht durchdreht oder rutscht.
Wie hält sich der Zug ohne Lenkung im Gleis?
Durch die leicht kegeligen Laufflächen der Räder. Läuft der Radsatz zur Seite, lenkt er sich von selbst zur Mitte zurück, das nennt man Sinuslauf.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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