Stimmt es, dass man die Kirche von Wassen dreimal sieht?

Stimmt es, dass …?

„Ein Blick nach draußen lohnt sich: Dieselbe kleine Kirche begleitet den Zug gleich mehrmals aus immer neuer Höhe.“

Stimmt es, dass man die Kirche von Wassen dreimal sieht?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand – und er dreht sich buchstäblich im Kreis.

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Kurz gesagt

Ja, das stimmt: Auf der Gotthard-Bergstrecke sieht man die Kirche von Wassen tatsächlich dreimal. Weil sich die Bahn in großen Schleifen am Dorf vorbeiwindet, taucht die kleine Kirche aus drei verschiedenen Höhen immer wieder auf.

Es gehört zu den beliebtesten Beobachtungen auf einer der berühmtesten Bergbahnen der Alpen.

Wer aufmerksam aus dem Fenster schaut, entdeckt dieselbe Kirche gleich mehrfach.

Hinter diesem kleinen Wunder steckt reine Ingenieurskunst.

Wassen, view of the Three Tracks, St. Gotthard Railway, Switzerland LCCN
Foto: Photochrom Print Collection, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

3 ×

Kirche sichtbar

aus drei verschiedenen Höhen

26 ‰

Steigung

durch die Schleifen begrenzt

1882

Eröffnung

der Gotthard-Bergstrecke

1476 m

Pfaffensprung

als Kreiskehrtunnel angelegt

Quelle: Wikipedia („Wassen“, „Gotthardbahn“); die Doppelschleife führt die Strecke dreimal am Dorf vorbei.

Dreimal dieselbe Kirche

Auf der Fahrt über die Gotthard-Bergstrecke taucht mitten in den Bergen eine kleine Kirche auf.

Kurz darauf sieht man sie erneut, nun aus einem ganz anderen Winkel und einer anderen Höhe.

Und ein drittes Mal erscheint das vertraute Gebäude, wieder höher am Hang gelegen.

Viele Reisende rätseln beim ersten Mal, ob der Zug sich etwa im Kreis verfahren hat.

Tatsächlich ist genau dieses mehrfache Wiedersehen voll beabsichtigt.

Wassen, and Middle Maienreuss Bridge, St. Gotthard, Switzerland LCCN
Foto: Photochrom Print Collection, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein Dorf namens Wassen

Die Kirche gehört zum kleinen Dorf Wassen im Schweizer Kanton Uri.

Wassen liegt auf der Nordrampe der alten Gotthardbahn im engen Tal der Reuss.

Hoch über den Häusern thront die Pfarrkirche gut sichtbar auf einem Hügel.

Genau diese erhöhte Lage macht sie zum perfekten Blickfang von der Bahn aus.

So wurde das sonst ruhige Dorf zum heimlichen Star der Strecke.

Gut zu wissen

Ein Kreiskehrtunnel ist ein Tunnel, in dem sich die Bahn fast im vollen Kreis dreht und dabei an Höhe gewinnt.

Der Pfaffensprungtunnel bei Wassen ist ein bekanntes Beispiel für diese Bauweise.

Warum sich die Bahn im Kreis dreht

Im engen Reusstal muss die Bahn auf wenig Raum viel Höhe gewinnen.

Eine gerade Strecke wäre für die Züge viel zu steil geworden.

Deshalb legten die Ingenieure die Trasse in weiten Schleifen an.

Diese Schleifen verlaufen zu einem großen Teil in gewundenen Kehrtunneln im Berg.

Dadurch verlängert sich der Weg, und die Bahn steigt sanft genug an.

Die Kehrtunnel rund um Wassen

Gleich mehrere Kehrtunnel sorgen rund um Wassen für den nötigen Höhengewinn.

Der Pfaffensprungtunnel ist als Kreiskehrtunnel angelegt und misst rund eintausendvierhundertsiebzig Meter.

Der Leggisteintunnel und der Wattingertunnel drehen die Strecke ebenfalls im Fels.

Beide sind jeweils gut eintausend Meter lang.

In diesen Tunneln windet sich der Zug unsichtbar nach oben, bevor er wieder ins Freie tritt.

Die Grenze von sechsundzwanzig Promille

Durch die Schleifen bleibt die Steigung auf der Strecke bei höchstens sechsundzwanzig Promille.

Das bedeutet, dass die Bahn auf hundert Metern nur gut zweieinhalb Meter steigt.

Eine solche Steigung schaffen normale Lokomotiven allein durch die Reibung der Räder.

Ein Zahnrad wie bei vielen Bergbahnen ist hier deshalb nicht nötig.

Die kluge Linienführung ersetzt gewissermaßen die Kraft eines Zahnrads.

Die Kirche als Wahrzeichen

Weil die Strecke das Dorf in Schleifen umrundet, zieht die Kirche dreimal am Fenster vorbei.

Jedes Mal erscheint sie aus einer neuen Höhe und einem anderen Blickwinkel.

Für viele Fahrgäste ist dieses Spiel der Höhepunkt der ganzen Fahrt.

Reiseführer und Zugbegleiter weisen oft eigens auf das Schauspiel hin.

So wurde die kleine Kirche von Wassen zum Wahrzeichen der Gotthardstrecke.

Ein Meisterwerk des Gebirgsbahnbaus

Die Gotthard-Bergstrecke wurde im Jahr 1882 für den Verkehr eröffnet.

Ihr Bau galt damals als eine der größten technischen Leistungen Europas.

Ingenieure und Arbeiter rangen dem steilen Gebirge Tunnel um Tunnel ab.

Die Schleifen bei Wassen zählen bis heute zu den berühmtesten Stellen der Bahn.

Sie zeigen, wie man mit cleverer Planung selbst schroffe Täler bezwingt.

Die Bergstrecke heute

Seit dem Jahr 2016 nimmt der tiefe Gotthard-Basistunnel den größten Teil des Verkehrs auf.

Die alte Bergstrecke über Wassen blieb dennoch in Betrieb.

Heute dient sie vor allem dem regionalen Verkehr und den Reisenden mit Sinn für die Aussicht.

Gerade als Panoramastrecke hat sie nichts von ihrem Reiz verloren.

Und die Kirche von Wassen grüßt die Fahrgäste weiterhin gleich dreimal.

Das Fazit

Die Behauptung stimmt.

Auf der Gotthard-Bergstrecke sieht man die Kirche von Wassen tatsächlich dreimal.

Grund ist die Linienführung in großen Schleifen und Kehrtunneln.

Sie begrenzt die Steigung und führt die Bahn dreimal am Dorf vorbei.

Aus einer technischen Notwendigkeit ist so ein beliebtes Reiseerlebnis geworden.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Häufige Fragen

Sieht man die Kirche von Wassen wirklich dreimal?
Ja. Weil sich die Gotthard-Bergstrecke in großen Schleifen am Dorf vorbeiwindet, erscheint die Kirche aus drei verschiedenen Höhen.
Warum fährt die Bahn in Schleifen?
Im engen Reusstal muss die Strecke auf wenig Raum viel Höhe gewinnen. Die Schleifen und Kehrtunnel verlängern den Weg und halten die Steigung gering.
Wo liegt Wassen?
Wassen ist ein Dorf im Schweizer Kanton Uri. Es liegt an der Nordrampe der alten Gotthardbahn im Tal der Reuss.
Braucht die Strecke ein Zahnrad?
Nein. Durch die Schleifen bleibt die Steigung bei höchstens 26 Promille. Das schaffen normale Lokomotiven ohne Zahnrad.
Fährt die Bergstrecke heute noch?
Ja. Seit 2016 nimmt zwar der Basistunnel den meisten Verkehr auf. Die Bergstrecke über Wassen bleibt aber als Panoramastrecke in Betrieb.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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