Stimmt es, dass in den Niederlanden alle Züge mit Windstrom fahren?

Stimmt es, dass …?

„Nächster Halt, grüne Zukunft: Dieser Zug fährt, so sagt es die Betreibergesellschaft, mit dem Wind von der Nordsee.“

Stimmt es, dass in den Niederlanden alle Züge mit Windstrom fahren?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Die niederländische Bahn NS gibt an, dass ihre elektrischen Züge seit 2017 rechnerisch zu 100 Prozent mit Windstrom fahren. Physikalisch fließt im Netz ein Mix, der grüne Strom wird über Verträge und Herkunftsnachweise zugeordnet.

Der Gedanke klingt wie aus einem Werbespot.

Ein ganzes Land, in dem jeder Zug vom Wind getragen wird.

Hinter der Schlagzeile steckt ein echtes Projekt, aber auch die Frage, wie man 100 Prozent eigentlich zählt.

Nederlandse Spoorwegen verrijkt met 22 zware locomotieven, Bestanddeelnr
Foto: Nationaal Archief, CC0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

rund 1,1 Mio.

pro Tag

Reisende bei der NS

etwa 29 %

2024/2025

Windanteil am Strom der Niederlande

seit 2017

nach NS-Angaben

Züge rechnerisch mit Windstrom

Die niederländische Windkraft lieferte zuletzt fast ein Drittel des Stroms im ganzen Land.

Woher der Mythos kommt

Im Januar 2017 ging eine Meldung um die Welt.

Die niederländische Bahngesellschaft NS verkündete, dass alle ihre elektrischen Züge mit Windstrom fahren.

Das Ziel war ursprünglich für ein späteres Jahr geplant und wurde nach eigenen Angaben früher erreicht.

Seitdem gilt die NS vielen als Vorzeigebeispiel für eine grüne Bahn.

Die Schlagzeile war griffig, doch sie braucht eine Erklärung.

Abandoned Train at Janakpur station, Nepal Railways IMG 7925
Foto: Bijay chaurasia, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer die NS überhaupt ist

Die Nederlandse Spoorwegen sind die staatliche Eisenbahngesellschaft der Niederlande.

Ähnlich wie die Deutsche Bahn ist sie eine Aktiengesellschaft im Staatsbesitz.

Das Schienennetz selbst gehört nicht der NS, sondern der Gesellschaft ProRail.

Jeden Tag bietet die NS rund 4.800 Zugfahrten an.

Darin reisen nach Unternehmensangaben etwa 1,1 Millionen Menschen.

Gut zu wissen

Herkunftsnachweise sind Zertifikate, die bescheinigen, dass irgendwo die passende Menge grüner Strom erzeugt wurde.

Sie sind in Europa das übliche Werkzeug, um Ökostrom einer bestimmten Kundschaft zuzuordnen.

Was mit Windstrom wirklich gemeint ist

Strom lässt sich im Netz nicht nach seiner Herkunft trennen.

Aus der Oberleitung kommt immer der Mix, der gerade im Netz vorhanden ist.

Wer von 100 Prozent Windstrom spricht, meint deshalb die Mengenbilanz.

Der Betreiber kauft so viel Windstrom ein, wie seine Züge verbrauchen, und lässt sich das mit Nachweisen bestätigen.

Dieses Prinzip kennt man auch von Ökostromtarifen für Privathaushalte.

Die Rolle des Stromlieferanten

Als Partner für den grünen Strom trat der Energiekonzern Eneco auf.

Eneco entstand 1995 aus dem Zusammenschluss mehrerer Stadtwerke.

Das Unternehmen baute seine Aktivitäten bei den erneuerbaren Energien früh aus.

Für die NS bündelte es die nötigen Mengen aus Windparks.

So konnte die Bahn ihren Verbrauch rechnerisch vollständig mit Wind abdecken.

Wie viel Wind die Niederlande liefern

Das Land hat an der Nordsee gute Voraussetzungen für Windkraft.

Die installierte Leistung stieg von wenigen hundert Megawatt um das Jahr 2000 auf mehrere tausend Megawatt.

In den Jahren 2024 und 2025 lieferten Windräder etwa 29 Prozent des niederländischen Strombedarfs.

Damit ist Windkraft eine tragende Säule der Stromversorgung.

Für eine Bahn, die ihren Verbrauch grün decken will, ist das ein günstiges Umfeld.

Diesel bleibt die Ausnahme

Die Aussage gilt ausdrücklich für die elektrischen Züge.

Ein kleiner Teil der Strecken in den Niederlanden ist nicht elektrifiziert.

Dort fahren Dieseltriebwagen, die nicht am Windstrom hängen.

Das relativiert die runde Zahl von 100 Prozent ein wenig.

Für den allergrößten Teil des Verkehrs stimmt die grüne Bilanz dennoch.

Was das für die Umwelt bedeutet

Eine saubere Stromrechnung heißt nicht, dass im Netz kein Kohlestrom mehr fließt.

Sie heißt, dass an anderer Stelle genug Windstrom erzeugt und eingespeist wird.

Je mehr Großverbraucher grünen Strom nachfragen, desto eher lohnen sich neue Windparks.

Kritiker halten reine Nachweise für zu schwach, Befürworter sehen einen echten Hebel.

Unstrittig ist, dass elektrische Züge ohnehin zu den sparsamsten Verkehrsmitteln gehören.

Der Vergleich mit Deutschland

Auch die Deutsche Bahn wirbt mit einem wachsenden Anteil Ökostrom.

Sie betreibt dafür ein eigenes Bahnstromnetz mit besonderer Frequenz.

Die Niederlande nutzen dagegen den normalen Landesstrom für ihre Züge.

Beide Wege führen über Einkauf und Nachweise zur grünen Bilanz.

Der Unterschied liegt vor allem in der Technik dahinter, nicht im Prinzip.

Warum die Zahl trotzdem beeindruckt

Ein ganzes nationales Bahnsystem rechnerisch auf Wind umzustellen, ist keine Kleinigkeit.

Es verlangt langfristige Verträge und verlässliche Mengen.

Die NS haben dieses Ziel nach eigenen Angaben früher erreicht als geplant.

Das machte die Meldung 2017 international zu einem Thema.

Als Symbol für die Verkehrswende wirkt sie bis heute.

Das Fazit

Die Aussage stimmt im Kern, braucht aber eine Fußnote.

Die elektrischen Züge der NS fahren nach Unternehmensangaben seit 2017 rechnerisch zu 100 Prozent mit Windstrom.

Gemeint ist eine Mengenbilanz über eingekauften Strom und Herkunftsnachweise, nicht der physikalische Fluss in der Oberleitung.

Dieselstrecken bleiben außen vor, und der grüne Strom muss erst erzeugt werden.

Als starkes Signal für klimafreundliches Reisen taugt das Beispiel trotzdem.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Häufige Fragen

Fahren wirklich alle niederländischen Züge mit Wind?
Die Aussage gilt für die elektrischen Züge der NS; nicht elektrifizierte Strecken mit Dieselfahrzeugen sind ausgenommen.
Seit wann gilt das?
Nach Angaben der NS seit dem Jahr 2017, etwas früher als ursprünglich geplant.
Kommt dann nur Windstrom aus der Leitung?
Nein, im Netz fließt immer ein Mix; die 100 Prozent sind eine Mengenbilanz über Einkauf und Nachweise.
Wer liefert den Strom?
Als Partner trat der Energiekonzern Eneco auf, der die nötigen Mengen aus Windkraft bündelte.
Wie wichtig ist Windkraft in den Niederlanden?
Sehr wichtig: Zuletzt lieferten Windräder etwa 29 Prozent des gesamten Strombedarfs des Landes.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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