Stimmt es, dass es einen Eisenbahnkönig gab?

Stimmt es, dass …?

„Bitte beachten Sie: Auf Gleis eins rollt die Geschichte eines Mannes ein, den man den Eisenbahnkönig nannte.“

Stimmt es, dass es einen Eisenbahnkönig gab?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, diesen Titel gab es als Spitznamen: Der Unternehmer Bethel Henry Strousberg galt im 19. Jahrhundert als europäischer Eisenbahnkönig. Er baute in wenigen Jahren ganze Bahnlinien und verlor sein Vermögen fast ebenso schnell wieder.

Mancher Beiname klingt groß, meint aber einen echten Menschen.

Beim Eisenbahnkönig ist das so, denn hinter dem Wort steht ein Unternehmer aus der Gründerzeit.

Seine Geschichte erzählt vom Rausch und vom Kater der frühen Bahnjahre.

Olešná, Památník Strousbergovy železnice (1)
Foto: IrenaKol, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1823–1884

Lebensdaten

Strousbergs Jahre

rund 100.000

zeitweise

Arbeiter auf seinen Baustellen

1875

Wendepunkt

Verhaftung in Russland

Die Zahlen stammen aus dem Lebenslauf eines einzigen Unternehmers.

Was hinter dem Spitznamen steckt

Den Beruf Eisenbahnkönig gab es nie, wohl aber den Spitznamen.

Gemeint ist meist der Unternehmer Bethel Henry Strousberg, der im 19. Jahrhundert als europäischer Eisenbahnkönig galt.

Er stand für eine Zeit, in der private Firmen ganze Strecken auf eigenes Risiko bauten.

Der Titel war eine Zuschreibung von Presse und Publikum, kein Amt und kein Adelsrang.

Er zeigt aber, welche Macht ein einzelner Bahnunternehmer damals haben konnte.

Weissig Eisenbahnerwohnhaus 01
Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer Bethel Henry Strousberg war

Strousberg wurde 1823 im ostpreußischen Neidenburg geboren und starb 1884 in Berlin.

Er stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und trug zunächst den Namen Baruch Hirsch Strausberg.

Als junger Mann lebte er in England und lernte dort das Geschäft mit Aktien und Eisenbahnen kennen.

Zurück in Preußen stieg er in der Gründerzeit zum gefeierten Bahnunternehmer auf.

Sein Aufstieg und sein Absturz fielen in dieselbe kurze Spanne weniger Jahre.

Gut zu wissen

Strousberg war nicht der Einzige mit solch einem Beinamen, doch keiner prägte ihn im deutschsprachigen Raum so wie er.

Sein Lebensweg führte von einfachen Anfängen über riesigen Reichtum bis in die Pleite und zeigt die ganze Spannweite der Gründerzeit.

Wie er zum König der Schienen wurde

Seinen Ruf begründete Strousberg mit der Linie von Insterburg nach Tilsit, die 1865 in Betrieb ging.

Es folgte die Ostpreußische Südbahn, die 1871 eröffnet wurde.

Auch an Strecken wie Berlin–Görlitz und Hannover–Altenbeken war er beteiligt.

1868 erhielt er zudem eine große Eisenbahnkonzession in Rumänien.

In wenigen Jahren verband sein Name ein ganzes Netz quer durch Europa.

Das Strousberg-System

Berühmt wurde seine besondere Art, Bahnbau zu finanzieren, das sogenannte Strousberg-System.

Dabei bezahlte er Bauunternehmer in Raten und zum Teil mit Aktien der neuen Bahngesellschaft.

Die Gründer mussten so nur einen Bruchteil der echten Kosten selbst aufbringen.

Das Aktienkapital wurde höher angesetzt als der tatsächliche Bauaufwand, was Fachleute später als unseriös bewerteten.

Solange die Kurse stiegen, wirkte das System wie eine Gelddruckmaschine.

Zehntausende auf den Baustellen

Auf seinen Baustellen arbeiteten zeitweise rund 100.000 Menschen.

Strousberg ließ nicht nur Gleise verlegen, sondern kaufte auch Hütten, Walzwerke und Güter dazu.

So entstand ein Firmengeflecht, das von der Schiene bis zum Stahl reichte.

Dieses Geflecht machte ihn mächtig, aber auch verletzlich.

Geriet ein Teil ins Wanken, zog es die anderen mit.

Der tiefe Fall

1873 begann mit der Gründerkrise das Ende des leichten Geldes.

Der Politiker Eduard Lasker griff die Geschäftspraktiken der Gründer öffentlich an und machte Strousberg zum Beispiel.

1875 wurde Strousberg auf einer Zugfahrt zwischen Moskau und Sankt Petersburg wegen unbezahlter Wechsel verhaftet.

Seine Gesellschaften gingen bankrott, und Russland entzog ihm 1876 seine Rechte.

Seine letzten Jahre verbrachte der einstige Eisenbahnkönig in bescheidenen Verhältnissen.

Warum man von Königen sprach

Im 19. Jahrhundert waren solche Beinamen für erfolgreiche Unternehmer verbreitet.

Die Eisenbahn war die große neue Technik, und wer sie beherrschte, galt als mächtig wie ein Fürst.

Ein Bahnkönig bündelte Geld, Technik und politischen Einfluss in einer Hand.

Zugleich zeigte Strousbergs Sturz, wie schnell diese Macht wieder zerfallen konnte.

Der Titel war also Bewunderung und Warnung zugleich.

Was von ihm blieb

Mehrere der von ihm angestoßenen Strecken gehören bis heute zum Bahnnetz.

Sein Name steht in den Geschichtsbüchern für den Rausch und den Kater der Gründerzeit.

Historiker sehen in ihm einen der ersten großen Bahn-Finanziers Mitteleuropas.

Sein System gilt als frühes Lehrstück über die Gefahren überhitzter Spekulation.

Als Person bleibt er ein Sinnbild für Aufstieg und Absturz auf Schienen.

Das Fazit

Einen Eisenbahnkönig im Sinne eines Amtes gab es nicht.

Als Spitzname aber ist der Begriff gut belegt und meint vor allem Bethel Henry Strousberg.

Er baute in kurzer Zeit ein europäisches Bahnimperium auf und verlor es ebenso rasch.

Die Behauptung stimmt also, wenn man den Titel als Beiname und nicht als Rang versteht.

Wer heute von einem Eisenbahnkönig hört, darf getrost an diesen schillernden Unternehmer denken.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Häufige Fragen

Gab es den Titel Eisenbahnkönig offiziell?
Nein, es war ein Spitzname. Presse und Publikum verliehen ihn erfolgreichen Bahnunternehmern, allen voran Strousberg.
Wer war der bekannteste Eisenbahnkönig?
Im deutschsprachigen Raum ist das Bethel Henry Strousberg. Er galt im 19. Jahrhundert als europäischer Eisenbahnkönig.
Was war das Strousberg-System?
Eine Finanzierung, bei der Bauunternehmer in Raten und mit Aktien bezahlt wurden. So ließ sich Bahnbau mit wenig eigenem Kapital stemmen.
Warum stürzte Strousberg ab?
Mit der Gründerkrise ab 1873 brachen die Kurse ein. 1875 wurde er in Russland verhaftet, danach gingen seine Firmen bankrott.
Fahren heute noch Züge auf seinen Strecken?
Ja, mehrere der von ihm angestoßenen Linien sind bis heute Teil des Netzes. Sein Name lebt vor allem in der Geschichtsschreibung weiter.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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