Stimmt es, dass eine Bahn nach Montenegro 254 Tunnel durchquert?

Stimmt es, dass …?

„Auf Gleis eins steht ein Zug, der mehr im Dunkeln als im Licht unterwegs ist.“

Stimmt es, dass eine Bahn nach Montenegro 254 Tunnel durchquert?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

Ja, das stimmt: Die Bahn von Belgrad zum montenegrinischen Hafen Bar führt durch 254 Tunnel. Zusammen sind diese Tunnel über 114 Kilometer lang.

Eine Bahn, die auf nicht einmal 500 Kilometern mehr als 250 Tunnel durchfährt, klingt kaum glaublich.

Im Fall der Strecke von Belgrad zum Hafen Bar ist diese Zahl jedoch korrekt.

Dazwischen liegt ein zerklüftetes Gebirge, das anders kaum zu überwinden war.

Belgrade Bar railway Lim valley
Foto: Orjen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

254

Tunnel auf der Strecke

zusammen über 114 Kilometer lang

476 km

Länge Belgrad–Bar

durch Serbien und Montenegro

198 m

Höhe der Mala-Rijeka-Brücke

eine der höchsten Eisenbahnbrücken Europas

Ihren höchsten Punkt erreicht die Strecke nahe Kolašin in rund 1.032 Metern über dem Meer.

Was an der Zahl stimmt

Ja, die Bahn von Belgrad nach Bar durchquert tatsächlich 254 Tunnel.

Diese Tunnel sind zusammen über 114 Kilometer lang.

Dazu kommen mehr als zweihundert Brücken über Täler und Flüsse.

Auf weiten Abschnitten wechseln Tunnel und Brücke fast ohne Pause.

Die Behauptung ist damit eindeutig bestätigt.

Belgrade Bar moraca valley
Foto: Orjen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Von der Donau zur Adria

Die Strecke verbindet die serbische Hauptstadt Belgrad mit dem montenegrinischen Hafen Bar.

Insgesamt misst sie rund 476 Kilometer.

Für Serbien ist sie der kürzeste Schienenweg an ein Mittelmeer.

Für Montenegro ist sie die einzige internationale Bahnverbindung im Personenverkehr.

Ein kurzes Stück der Strecke verläuft sogar über bosnisches Gebiet.

Gut zu wissen

Auf Serbisch heißt die Strecke „pruga Beograd-Bar“ und gilt als eine der schönsten Bahnreisen des Balkans.

Der Hafen Bar liegt an der Adria und ist über die Bahn direkt mit dem Binnenland verbunden.

Ein Gebirge im Weg

Zwischen Belgrad und der Küste türmt sich das dinarische Gebirge auf.

Die Bahn muss von der Ebene bis auf über tausend Meter steigen und wieder hinab zum Meer.

Ihren höchsten Punkt erreicht sie nahe Kolašin in rund 1.032 Metern Höhe.

Eine einigermaßen gerade und flache Trasse war in diesem Gelände unmöglich.

Nur mit unzähligen Tunneln und Brücken ließ sich der Weg überhaupt bauen.

254 Tunnel und viele Brücken

Die 254 Tunnel sind das auffälligste Merkmal der Strecke.

Der längste von ihnen misst mehr als sechs Kilometer.

Zwischen den Tunneln spannen sich zahlreiche Brücken über tiefe Schluchten.

Wer mitfährt, taucht ständig zwischen Dunkel und Tageslicht hin und her.

Diese Dichte an Bauwerken macht die Bahn zu einer technischen Besonderheit.

Die Mala-Rijeka-Brücke

Das bekannteste Bauwerk der Strecke ist die Mala-Rijeka-Brücke.

Sie ist rund 498 Meter lang und ragt etwa 198 Meter über das Tal.

Damit zählt sie zu den höchsten Eisenbahnbrücken Europas.

Beim Blick aus dem Zugfenster wirkt der Talgrund unendlich weit entfernt.

Die Brücke ist zum Wahrzeichen der ganzen Bahn geworden.

Fast 25 Jahre bis zur Vollendung

Der Entschluss zum Bau fiel bereits 1952 im damaligen Jugoslawien.

Die einzelnen Abschnitte entstanden nach und nach über viele Jahre.

Am 27. November 1975 wurden die letzten Gleise zusammengefügt.

Feierlich eröffnet wurde die durchgehende Strecke am 28. Mai 1976.

Die Elektrifizierung folgte bis Ende 1977.

Unter Strom auf Normalspur

Die Bahn fährt auf der europäischen Normalspur von 1.435 Millimetern.

Sie ist mit 25.000 Volt Wechselstrom elektrifiziert.

Damit ließ sich das schwierige Gebirge auch mit schweren Zügen bewältigen.

Elektrische Lokomotiven haben in den langen Steigungen klare Vorteile.

Technisch war die Strecke für ihre Zeit durchaus anspruchsvoll.

Langsamer als früher

Zur Eröffnung dauerte die Fahrt von Belgrad nach Bar etwa sieben Stunden.

Heute sind es eher elf Stunden für dieselbe Strecke.

Grund sind Geschwindigkeitsbeschränkungen und Kontrollen an der Grenze.

Teile der Anlagen sind in die Jahre gekommen und werden nur langsam erneuert.

Für viele Reisende bleibt die Fahrt dennoch ein landschaftliches Erlebnis.

Eine Bahn für zwei Länder

Als die Bahn gebaut wurde, lag sie vollständig in einem Staat, dem alten Jugoslawien.

Nach dessen Zerfall quert sie heute Serbien, ein kleines Stück Bosnien und Montenegro.

Für Montenegros Küste ist sie im Sommer ein wichtiger Zubringer.

Viele Reisende erreichen die Adria noch immer mit diesem Zug.

So verbindet die Strecke bis heute das Binnenland mit dem Meer.

Das Fazit

Die Behauptung, eine Bahn nach Montenegro durchquere 254 Tunnel, stimmt.

Auf rund 476 Kilometern liegen 254 Tunnel von zusammen über 114 Kilometern Länge.

Dazu kommen mehr als zweihundert Brücken, darunter die hohe Mala-Rijeka-Brücke.

Verantwortlich dafür ist das steile Gebirge zwischen Belgrad und der Adria.

Die Strecke gehört damit zu den eindrucksvollsten Gebirgsbahnen Europas.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Häufige Fragen

Wie viele Tunnel hat die Strecke?
Die Bahn von Belgrad nach Bar durchquert 254 Tunnel von zusammen über 114 Kilometern Länge.
Wie lang ist die Bahn?
Sie misst rund 476 Kilometer und verläuft durch Serbien, ein kurzes Stück Bosnien und Montenegro.
Was ist die Mala-Rijeka-Brücke?
Eine rund 498 Meter lange und etwa 198 Meter hohe Brücke, die zu den höchsten Eisenbahnbrücken Europas zählt.
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Die durchgehende Bahn wurde am 28. Mai 1976 eröffnet, die Elektrifizierung folgte bis Ende 1977.
Wie lange dauert die Fahrt?
Heute etwa elf Stunden, zur Eröffnung waren es rund sieben Stunden von Belgrad nach Bar.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →