Stimmt es, dass ein Zar die Bahn Moskau–Petersburg mit dem Lineal zog?

Stimmt es, dass …?

„Planmäßige Durchfahrt Richtung Legende: Diese Bahn fährt schnurgerade, angeblich mit dem Lineal eines Zaren gezogen.“

Stimmt es, dass ein Zar die Bahn Moskau–Petersburg mit dem Lineal zog?

→ Eine berühmte Legende auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Die Geschichte vom Zaren, der die Strecke mit Lineal und Bleistift schnurgerade zog, ist überwiegend eine Legende. Wahr ist aber, dass die Linie bemerkenswert gerade verläuft und der Zar den direkten Weg ausdrücklich befürwortete.

Zwischen Moskau und Sankt Petersburg verläuft eine der geradesten langen Bahnstrecken der Welt.

Seit über 150 Jahren erzählt man sich, ein Zar habe diese Linie eigenhändig mit dem Lineal gezogen.

Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich in dieser berühmten Legende?

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Foto: NVO, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

rund 650 km

Länge

Moskau–Sankt Petersburg

1. November 1851

Eröffnung

nach gut neun Jahren Bau

1877

der berühmte Bogen

26 Jahre nach der Eröffnung

Die Strecke zählt bis heute zu den geradesten langen Bahnlinien der Welt.

Eine Linie wie mit dem Lineal

Die Bahn von Moskau nach Sankt Petersburg gilt als Musterbeispiel einer schnurgeraden Strecke.

Über weite Abschnitte folgt sie fast ohne Kurve der Luftlinie zwischen beiden Städten.

Genau diese Geradheit hat früh die Fantasie der Menschen beflügelt.

So entstand die Vorstellung, hier habe jemand ganz bewusst jede Krümmung vermieden.

Die bekannteste Erzählung schreibt diese Tat dem Zaren Nikolaus I. zu.

Ihm soll die Bahn ihren geraden Verlauf zu verdanken haben.

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Foto: NVO, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was die Legende erzählt

Die Legende klingt einfach und einprägsam.

Der Zar habe eine Karte vor sich gehabt und ein Lineal angelegt.

Dann habe er mit dem Bleistift eine gerade Linie zwischen den beiden Städten gezogen.

An einer Stelle sei der Stift jedoch um seinen Finger herumgefahren.

So habe ein kleiner Bogen in die sonst gerade Strecke gefunden.

Diese Geschichte wurde sowohl in Russland als auch in Großbritannien gern erzählt.

Gut zu wissen

Die Bahn hieß zunächst Nikolaibahn nach Zar Nikolaus I. und trägt heute den Namen Oktoberbahn.

Der auffällige Bogen bei Werebje wurde 1877 gebaut und 2001 durch eine neue, gerade Streckenführung mit Brücke ersetzt.

Die Strecke zweier Hauptstädte

Die Bahn verbindet die beiden wichtigsten Städte des damaligen Russlands.

Sankt Petersburg war die Hauptstadt, Moskau das alte Zentrum des Reiches.

Zwischen beiden liegen rund 650 Kilometer.

Der reguläre Betrieb begann am 1. November 1851.

Damit zählte die Linie zu den längsten ihrer Zeit.

Benannt wurde sie nach dem Zaren als Nikolaibahn.

Wer die Bahn wirklich plante

Geplant und gebaut wurde die Strecke nicht vom Zaren selbst.

Verantwortlich waren erfahrene Ingenieure des Reiches.

Allen voran stand Pawel Melnikow, der den nördlichen Abschnitt leitete.

Den südlichen Teil verantwortete sein Kollege Nikolai Kraft.

Auch der amerikanische Ingenieur George Washington Whistler beriet das Projekt.

Whistler starb allerdings 1849, zwei Jahre vor der Eröffnung.

Warum eine gerade Linie sinnvoll war

Die Ingenieure entschieden sich bewusst für einen möglichst direkten Verlauf.

Eine gerade Linie ist kürzer und damit schneller zu befahren.

Sie spart Schienen, Zeit und Betriebskosten.

Der Zar folgte diesem fachlichen Rat und befürwortete den direkten Weg.

Größere Orte abseits der Luftlinie blieben deshalb teils ohne eigenen Anschluss.

Für die Verbindung zweier Hauptstädte galt die kurze Fahrzeit als wichtiger.

Woher der berühmte Bogen stammt

In der sonst geraden Strecke gab es tatsächlich einen auffälligen Bogen.

Er lag nahe dem Fluss Msta im Gelände um Werebje.

Dieser Bogen entstand aber erst im Jahr 1877.

Das war 26 Jahre nach der Eröffnung der Bahn.

Mit dem Finger des Zaren hatte er also nichts zu tun.

Der Umweg wurde aus rein technischen Gründen angelegt.

Das Problem der steilen Rampe

An dieser Stelle führte die ursprüngliche Linie über eine lange Steigung.

Die Rampe zog sich über rund 17 Kilometer hin.

Bergauf brauchten die Züge Richtung Moskau mehrere Lokomotiven.

Bergab wurden die Züge nach Sankt Petersburg dagegen zu schnell.

Manche schossen sogar über den nächsten Halt hinaus.

Der neue Bogen entschärfte dieses gefährliche Gefälle.

Was an der Legende stimmt

Ein wahrer Kern bleibt dennoch bestehen.

Die Strecke verläuft wirklich außergewöhnlich gerade.

Und dieser gerade Verlauf war tatsächlich eine bewusste Entscheidung.

Auch der Zar stand hinter dieser Linienführung.

Insofern passt das Bild der geraden Linie durchaus zur Wirklichkeit.

Nur stammt die Geradheit von Ingenieuren und nicht von einem Lineal am Hof.

Was nicht stimmt

Falsch ist dagegen das anschauliche Detail mit dem Finger.

Der Zar hat die Strecke nicht eigenhändig mit dem Lineal gezogen.

Der einzige große Bogen entstand erst Jahrzehnte später.

Seine Ursache war ein zu steiles Gefälle und kein kaiserlicher Finger.

Die Geschichte ist also ein schönes Bild, aber historisch nicht haltbar.

Fachleute zählen sie zu den bekanntesten Eisenbahn-Legenden überhaupt.

Warum sich die Legende hält

Die Erzählung hält sich bis heute aus mehreren Gründen.

Sie ist kurz, bildhaft und leicht weiterzugeben.

Zudem passt sie zum Bild eines mächtigen Herrschers, der mit einer einzigen Geste Geschichte schreibt.

Auch der ungewöhnlich gerade Verlauf der Strecke scheint sie zu bestätigen.

So wirkt die Geschichte glaubwürdiger, als sie es tatsächlich ist.

Gerade solche Anekdoten wandern mühelos von Buch zu Buch und von Land zu Land.

Die Bahn heute

Die Linie trägt heute den Namen Oktoberbahn.

Sie ist nach wie vor eine der wichtigsten Strecken des Landes.

Schnellzüge der Baureihe Sapsan verbinden die beiden Städte besonders rasch.

Für die rund 650 Kilometer brauchen sie nur noch knapp vier Stunden.

Der alte Bogen bei Werebje wurde im Jahr 2001 aufgegeben.

An seiner Stelle führt die Strecke seither über eine neue Brücke.

Das Fazit

Die Geschichte vom Zaren mit dem Lineal ist überwiegend eine Legende.

Nikolaus I. hat die Strecke nicht eigenhändig gezogen, und der Finger-Bogen ist frei erfunden.

Wahr ist aber der Kern, denn die Bahn verläuft tatsächlich bemerkenswert gerade.

Diesen Verlauf verdankt sie erfahrenen Ingenieuren und einer klaren Entscheidung für den kurzen Weg.

So bleibt eine schöne Erzählung, die sich mit einem wahren Detail richtigstellen lässt.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Häufige Fragen

Verläuft die Strecke wirklich so gerade?
Ja, die Linie zwischen Moskau und Sankt Petersburg zählt zu den geradesten langen Bahnstrecken der Welt.
Hat der Zar die Bahn mit dem Lineal gezogen?
Nein, das ist eine Legende; geplant wurde die Strecke von Ingenieuren, die der Zar lediglich unterstützte.
Woher kommt der berühmte Bogen?
Der Bogen bei Werebje entstand 1877 aus technischen Gründen, um eine zu steile Rampe zu umgehen.
Wann wurde die Bahn eröffnet?
Der regelmäßige Verkehr begann am 1. November 1851.
Wie lange dauert die Fahrt heute?
Schnellzüge vom Typ Sapsan brauchen für die rund 650 Kilometer nur noch knapp vier Stunden.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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