Stimmt es, dass der Bau des Gotthardtunnels viele Menschenleben forderte?

Stimmt es, dass …?

„Bitte beachten Sie: Dieser Zug führt in die dunkle Seite eines großen Tunnelbaus im 19. Jahrhundert.“

Stimmt es, dass der Bau des Gotthardtunnels viele Menschenleben forderte?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Ja, der Bau des alten Gotthardtunnels forderte einen hohen Preis: rund 199 Arbeiter starben zwischen 1872 und 1882. Unfälle, Sprengstoff und Krankheiten machten die Arbeit tief im Berg lebensgefährlich.

Große Bauwerke haben oft eine stille Rückseite.

Beim Gotthardtunnel ist diese Rückseite gut dokumentiert.

Die Zahlen erinnern daran, dass hinter der Technik Menschen standen.

Palazzo II di Les Schtroumpfs all'incrocio tra rue Louis Favre e rue du
Foto: André Corboz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

199

1872–1882

tödlich verunglückte Arbeiter

rund 5.470

im Schnitt

Arbeiter pro Tag

15 km

Länge

des alten Scheiteltunnels

Die Zahlen beziehen sich auf den historischen Scheiteltunnel, nicht auf den neuen Basistunnel.

Zwei Tunnel, nicht einer

Am Gotthard gibt es den alten Scheiteltunnel von 1882 und den neuen Basistunnel von 2016.

Dieser Beitrag handelt vom alten Tunnel, der durch den Berg hindurch gegraben wurde.

Er ist rund fünfzehn Kilometer lang und war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Alpenquerungen.

Der moderne Basistunnel ist eine ganz andere, viel spätere Baustelle.

Die hier genannten Opferzahlen gehören allein zum historischen Bau.

Veduta dello stabile Koechlin dall'incorcio tra rue Louis Favre e rue de
Foto: André Corboz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Jahrhundertbau beginnt

Die Arbeiten begannen 1872 an den beiden Portalen in Göschenen und Airolo.

Von zwei Seiten fraßen sich die Mannschaften aufeinander zu.

Am 29. Februar 1880 gab es den Durchschlag in der Mitte des Berges.

Am 1. Juni 1882 rollte der durchgehende Verkehr an.

Für damalige Verhältnisse war das eine technische Meisterleistung.

Gut zu wissen

Die Zahl 199 ist die am häufigsten genannte offizielle Angabe, doch wegen vieler Spätfolgen gilt sie als Mindestwert.

Der alte Scheiteltunnel ist weiter in Betrieb, während der neue Basistunnel den Fernverkehr aufgenommen hat.

Wie viele Menschen starben

Nach den Angaben starben rund 199 Arbeiter während der Bauzeit.

In der Unfallliste im Bundesarchiv sind 171 Todesfälle genau verzeichnet.

Viele weitere Männer starben später an den Folgen von Verletzungen oder Krankheiten.

Diese Spätfolgen wurden meist nicht mehr zu den Bautoten gezählt.

Die wahre Zahl der Opfer liegt deshalb vermutlich höher.

Woran die Arbeiter starben

Von den genau erfassten Fällen starben 53 Menschen unter Wagen oder Loren.

49 kamen durch herabstürzendes Gestein ums Leben.

46 starben bei der Arbeit mit Sprengstoff.

23 weitere Todesfälle hatten andere Ursachen, darunter ein Ertrinken.

Vier Arbeiter wurden 1875 bei einem Streik in Göschenen erschossen.

Die unsichtbare Gefahr Krankheit

Nicht nur Unfälle kosteten Leben, sondern auch Krankheiten.

Im feuchtwarmen Tunnel breitete sich ein Hakenwurm aus, der viele Arbeiter schwächte.

Hinzu kamen Typhus und die Staublunge durch feinen Gesteinsstaub.

Die engen Unterkünfte und die harte Arbeit verschärften die Lage.

So forderte der Bau auch abseits der Baustelle seinen Tribut.

Louis Favre, der Mann am Bau

Den Tunnel baute die Firma des Genfer Unternehmers Louis Favre.

Er hatte 1872 einen Vertrag mit einer knappen Baufrist von acht Jahren unterschrieben.

Am 19. Juli 1879 starb Favre im Tunnel bei einer Begehung an Herzversagen.

Er war 53 Jahre alt und erlebte den Durchschlag nicht mehr.

Nach seinem Tod verlangte die Bahngesellschaft Nachzahlungen, die sein Erbe aufzehrten.

Wer die Arbeit machte

Im Schnitt arbeiteten täglich rund 5.470 Menschen an den Baustellen.

In Spitzenzeiten waren es über 1.600 in Göschenen und etwa 1.300 in Airolo.

Die meisten kamen als Gastarbeiter aus dem Piemont und der Lombardei.

Ihr Lohn war niedrig und die Arbeit gefährlich.

Der Streik von 1875 zeigt, wie angespannt die Lage im Berg war.

Erinnerung bis heute

An das Opfer der Arbeiter erinnern heute Gedenktafeln und Denkmäler.

Der Bau gilt als Mahnmal für den Preis großer Infrastruktur.

Zugleich steht er für den Mut und das Können einer ganzen Generation.

Historiker haben die Zahlen sorgfältig aufgearbeitet.

So bleibt die menschliche Seite des Tunnels im Gedächtnis.

Das Fazit

Die Behauptung stimmt eindeutig.

Der Bau des alten Gotthardtunnels forderte rund 199 Tote, wahrscheinlich mehr.

Unfälle, Sprengstoff und Krankheiten waren die Hauptursachen.

Louis Favre selbst starb im Berg, den er durchbohren ließ.

Der Tunnel ist bis heute ein Denkmal für diese Leistung und dieses Opfer.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Warum Verlässlichkeit so wichtig ist

Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.

Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.

Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.

Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.

Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.

Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.

Häufige Fragen

Wie viele Arbeiter starben beim Bau?
Rund 199 Todesfälle sind offiziell genannt, 171 davon genau verzeichnet. Wegen später Krankheitsfolgen liegt die wahre Zahl vermutlich höher.
Wann wurde der alte Gotthardtunnel gebaut?
Von 1872 bis 1882. Der Durchschlag war 1880, der durchgehende Verkehr begann 1882.
Was waren die häufigsten Todesursachen?
Unfälle mit Wagen, herabstürzendes Gestein und Sprengstoff. Dazu kamen Krankheiten wie ein Hakenwurm, Typhus und die Staublunge.
Wer war Louis Favre?
Der Genfer Bauunternehmer, dessen Firma den Tunnel baute. Er starb 1879 im Tunnel an Herzversagen, noch vor dem Durchschlag.
Ist das der gleiche Tunnel wie der Basistunnel?
Nein. Dieser Beitrag betrifft den alten Scheiteltunnel von 1882, nicht den neuen Gotthard-Basistunnel von 2016.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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