Stimmt es, dass …?
„Bitte beachten Sie: Dieser Zug führt in die dunkle Seite eines großen Tunnelbaus im 19. Jahrhundert.“
Stimmt es, dass der Bau des Gotthardtunnels viele Menschenleben forderte?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, der Bau des alten Gotthardtunnels forderte einen hohen Preis: rund 199 Arbeiter starben zwischen 1872 und 1882. Unfälle, Sprengstoff und Krankheiten machten die Arbeit tief im Berg lebensgefährlich.
Große Bauwerke haben oft eine stille Rückseite.
Beim Gotthardtunnel ist diese Rückseite gut dokumentiert.
Die Zahlen erinnern daran, dass hinter der Technik Menschen standen.

Die Fakten in Zahlen
199
1872–1882
tödlich verunglückte Arbeiter
rund 5.470
im Schnitt
Arbeiter pro Tag
15 km
Länge
des alten Scheiteltunnels
Die Zahlen beziehen sich auf den historischen Scheiteltunnel, nicht auf den neuen Basistunnel.
Zwei Tunnel, nicht einer
Am Gotthard gibt es den alten Scheiteltunnel von 1882 und den neuen Basistunnel von 2016.
Dieser Beitrag handelt vom alten Tunnel, der durch den Berg hindurch gegraben wurde.
Er ist rund fünfzehn Kilometer lang und war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Alpenquerungen.
Der moderne Basistunnel ist eine ganz andere, viel spätere Baustelle.
Die hier genannten Opferzahlen gehören allein zum historischen Bau.

Ein Jahrhundertbau beginnt
Die Arbeiten begannen 1872 an den beiden Portalen in Göschenen und Airolo.
Von zwei Seiten fraßen sich die Mannschaften aufeinander zu.
Am 29. Februar 1880 gab es den Durchschlag in der Mitte des Berges.
Am 1. Juni 1882 rollte der durchgehende Verkehr an.
Für damalige Verhältnisse war das eine technische Meisterleistung.
Gut zu wissen
Die Zahl 199 ist die am häufigsten genannte offizielle Angabe, doch wegen vieler Spätfolgen gilt sie als Mindestwert.
Der alte Scheiteltunnel ist weiter in Betrieb, während der neue Basistunnel den Fernverkehr aufgenommen hat.
Wie viele Menschen starben
Nach den Angaben starben rund 199 Arbeiter während der Bauzeit.
In der Unfallliste im Bundesarchiv sind 171 Todesfälle genau verzeichnet.
Viele weitere Männer starben später an den Folgen von Verletzungen oder Krankheiten.
Diese Spätfolgen wurden meist nicht mehr zu den Bautoten gezählt.
Die wahre Zahl der Opfer liegt deshalb vermutlich höher.
Woran die Arbeiter starben
Von den genau erfassten Fällen starben 53 Menschen unter Wagen oder Loren.
49 kamen durch herabstürzendes Gestein ums Leben.
46 starben bei der Arbeit mit Sprengstoff.
23 weitere Todesfälle hatten andere Ursachen, darunter ein Ertrinken.
Vier Arbeiter wurden 1875 bei einem Streik in Göschenen erschossen.
Die unsichtbare Gefahr Krankheit
Nicht nur Unfälle kosteten Leben, sondern auch Krankheiten.
Im feuchtwarmen Tunnel breitete sich ein Hakenwurm aus, der viele Arbeiter schwächte.
Hinzu kamen Typhus und die Staublunge durch feinen Gesteinsstaub.
Die engen Unterkünfte und die harte Arbeit verschärften die Lage.
So forderte der Bau auch abseits der Baustelle seinen Tribut.
Louis Favre, der Mann am Bau
Den Tunnel baute die Firma des Genfer Unternehmers Louis Favre.
Er hatte 1872 einen Vertrag mit einer knappen Baufrist von acht Jahren unterschrieben.
Am 19. Juli 1879 starb Favre im Tunnel bei einer Begehung an Herzversagen.
Er war 53 Jahre alt und erlebte den Durchschlag nicht mehr.
Nach seinem Tod verlangte die Bahngesellschaft Nachzahlungen, die sein Erbe aufzehrten.
Wer die Arbeit machte
Im Schnitt arbeiteten täglich rund 5.470 Menschen an den Baustellen.
In Spitzenzeiten waren es über 1.600 in Göschenen und etwa 1.300 in Airolo.
Die meisten kamen als Gastarbeiter aus dem Piemont und der Lombardei.
Ihr Lohn war niedrig und die Arbeit gefährlich.
Der Streik von 1875 zeigt, wie angespannt die Lage im Berg war.
Erinnerung bis heute
An das Opfer der Arbeiter erinnern heute Gedenktafeln und Denkmäler.
Der Bau gilt als Mahnmal für den Preis großer Infrastruktur.
Zugleich steht er für den Mut und das Können einer ganzen Generation.
Historiker haben die Zahlen sorgfältig aufgearbeitet.
So bleibt die menschliche Seite des Tunnels im Gedächtnis.
Das Fazit
Die Behauptung stimmt eindeutig.
Der Bau des alten Gotthardtunnels forderte rund 199 Tote, wahrscheinlich mehr.
Unfälle, Sprengstoff und Krankheiten waren die Hauptursachen.
Louis Favre selbst starb im Berg, den er durchbohren ließ.
Der Tunnel ist bis heute ein Denkmal für diese Leistung und dieses Opfer.
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Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
