Stimmt es, dass …?
„Auf Gleis 1 die Fahrt unter dem Meer von England nach Frankreich – bitte den längsten Unterwasser-Abschnitt der Welt beachten.“
Stimmt es, dass der Ärmelkanaltunnel den längsten Unterwasser-Abschnitt hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Der Ärmelkanaltunnel verläuft auf 38 Kilometern unter der Straße von Dover und besitzt damit den längsten Unterwasser-Abschnitt aller Tunnel der Welt. Der gesamte Tunnel ist gut fünfzig Kilometer lang, doch nicht jeder Meter liegt unter dem Wasser.
Zwischen England und Frankreich liegt eine der berühmtesten Bahnverbindungen der Welt.
Der Ärmelkanaltunnel führt die Züge tief unter dem Meer von einem Land ins andere.
Gerade dieser lange Weg unter Wasser hat dem Tunnel einen besonderen Rekord eingebracht.

Die Fakten in Zahlen
50,45 km
Gesamtlänge
zwischen Folkestone und Coquelles
38 km
unter dem Meer
der längste Unterwasser-Abschnitt der Welt
1994
vollendet
erste direkte Bahnverbindung beider Länder
Gemessen an der Gesamtlänge ist der Tunnel der drittlängste Eisenbahntunnel der Erde.
Was die Behauptung meint
Die Behauptung sagt, kein anderer Tunnel der Welt führe so weit unter Wasser wie der Ärmelkanaltunnel.
Dabei geht es nicht um die gesamte Länge, sondern allein um den Teil unter dem Meer.
Ein Tunnel kann insgesamt länger sein und trotzdem einen kürzeren Unterwasser-Abschnitt haben.
Die Frage ist also, ob gerade der Weg unter dem Wasser hier den Rekord hält.
Dieser Prüfstand trennt deshalb sauber zwischen Gesamtlänge und Unterwasser-Teil.

Zwei Länder, eine Verbindung
Der Ärmelkanaltunnel verbindet Folkestone in der englischen Grafschaft Kent mit Coquelles nahe Calais in Frankreich.
Seit 1994 besteht damit eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich.
Zuvor war der Weg über den Kanal nur mit dem Schiff oder dem Flugzeug möglich.
Der Tunnel rückte die beiden Länder schlagartig näher zusammen.
Für die Bahn war das ein historischer Durchbruch.
Gut zu wissen
Die Straße von Dover ist die engste Stelle des Ärmelkanals und trennt England und Frankreich nur durch wenige Dutzend Kilometer Wasser.
Dass ein Tunnel insgesamt länger sein kann und trotzdem weniger weit unter Wasser führt, liegt daran, dass viele lange Tunnel vor allem Berge und nicht Meere unterqueren.
Die Zahlen des Tunnels
Der Ärmelkanaltunnel ist insgesamt 50,45 Kilometer lang.
Davon verlaufen 38 Kilometer unter der Straße von Dover, also unter dem offenen Meer.
Damit ist er der längste Unterwassertunnel der Welt.
Kein anderer Tunnel führt über eine so lange Strecke unter Wasser hindurch.
Genau dieser Wert ist der Kern der Behauptung.
Unterwasser-Abschnitt gegen Gesamtlänge
Gemessen an seiner Gesamtlänge ist der Ärmelkanaltunnel der drittlängste Eisenbahntunnel der Erde.
Es gibt also Eisenbahntunnel, die insgesamt länger sind.
Diese verlaufen jedoch zu einem großen Teil unter Land und nicht unter dem Meer.
Beim reinen Unterwasser-Abschnitt bleibt der Ärmelkanaltunnel vorn.
Die Behauptung ist deshalb genau in dieser Lesart richtig.
Drei Röhren nebeneinander
Der Tunnel besteht nicht aus einer, sondern aus drei Röhren.
Zwei davon sind eingleisige Fahrtunnel, in denen die Züge in je eine Richtung rollen.
Dazwischen liegt ein kleinerer Servicetunnel für schmale Straßenfahrzeuge.
Dieser dient der Wartung und im Notfall der Rettung.
So lässt sich der lange Weg unter dem Meer sicher betreiben.
Dem Kreidefels gefolgt
Der Tunnel wurde so geplant, dass er in einer einzigen Kreideschicht verläuft.
Dieser Schicht folgt er auf seinem gesamten Weg unter dem Meer.
Die Kreide ließ sich vergleichsweise gut bohren und hält das Wasser zurück.
Dadurch musste der Tunnel tiefer liegen als frühere Entwürfe es vorsahen.
Die Geologie bestimmte so maßgeblich die Linienführung.
Eine sehr alte Idee
Schon 1751 schlug der Franzose Nicolas Desmaret eine Tunnelverbindung zwischen England und Frankreich vor.
Im Jahr 1855 legte der Ingenieur de Gamond den Entwurf eines 33 Kilometer langen Eisenbahntunnels vor.
Dieser sollte bis zu 75 Meter unter dem Meeresgrund liegen.
Erst 1973 vereinbarten Großbritannien und Frankreich ein solches Vorhaben offiziell.
Zwei Jahre später wurden die Pläne wegen der Ölpreiskrise jedoch zunächst gestoppt.
Vom Plan zum Durchbruch
Nach vielen Anläufen wurde der Tunnel schließlich 1994 vollendet.
Damit wurde aus einer über zweihundert Jahre alten Idee endlich Wirklichkeit.
Die beiden Bohrmannschaften arbeiteten sich dafür von beiden Seiten aufeinander zu.
Unter dem Meer trafen sie sich und schufen die durchgehende Verbindung.
Seitdem rollen die Züge ohne Halt von Küste zu Küste.
Wer heute durchfährt
Durch den Tunnel verkehren vor allem Hochgeschwindigkeitszüge der Gesellschaft Eurostar.
Sie verbinden große Städte beiderseits des Kanals auf direktem Weg.
Daneben transportiert das Unternehmen Le Shuttle ganze Kraftfahrzeuge durch die Röhren.
Betrieb und Überwachung des Tunnels liegen bei der Gesellschaft Getlink.
So nutzen täglich Reisende wie Fahrzeuge den langen Weg unter dem Meer.
Das Fazit
Die Behauptung stimmt, denn mit 38 Kilometern unter dem Meer hat der Ärmelkanaltunnel den längsten Unterwasser-Abschnitt aller Tunnel der Welt.
Zwar ist er insgesamt nur der drittlängste Eisenbahntunnel der Erde, doch beim reinen Unterwasser-Teil ist er unangefochten.
Der Rekord bezieht sich also genau auf den Weg unter dem Wasser.
In dieser Lesart ist die Aussage vollkommen zutreffend.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
