Stimmt es, dass …?
„Reisende am Bözberg, bitte beachten: Hier führen Sie zwei Tunnel aus zwei Jahrhunderten unter denselben Berg.“
Stimmt es, dass am Bözberg ein neuer Basistunnel neben dem alten Tunnel von 1875 liegt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt: Am Bözberg gibt es seit 2020 tatsächlich einen zweiten, neuen Eisenbahntunnel neben dem alten von 1875. Der neue Tunnel wurde gebaut, damit Lastwagen und hohe Container auf der Schiene den Berg queren können.
Der Bözberg ist ein Übergang im schweizerischen Kanton Aargau, über den seit dem 19. Jahrhundert eine wichtige Bahnstrecke führt.
Lange Zeit lief der gesamte Verkehr durch einen einzigen Tunnel, der 1875 in Betrieb ging.
Dann kam ein zweiter, moderner Tunnel dazu, und viele fragen sich, ob das wirklich stimmt.

Die Fakten in Zahlen
1875
Alter Tunnel
in Betrieb genommen
2020
Neuer Tunnel
Eröffnung für den Verkehr
940 Mio. Fr.
4-Meter-Korridor
Baukosten des Projekts
Zwei Tunnel aus zwei Jahrhunderten liegen heute nebeneinander im Berg.
Die kurze Antwort
Ja, die Behauptung stimmt in ihrem Kern.
Am Bözberg existieren heute zwei getrennte Eisenbahntunnel.
Der ältere wurde am 29. August 1875 offiziell in Betrieb genommen.
Der neuere Tunnel kam im Jahr 2020 hinzu und wurde für den schweren Güterverkehr gebaut.
Beide gehören zur sogenannten Bözbergstrecke, einer der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen der Schweiz.

Der alte Bözbergtunnel von 1875
Die Bözbergstrecke entstand, weil die Schweiz im 19. Jahrhundert eine leistungsfähige Verbindung von Basel Richtung Brugg und weiter nach Süden brauchte.
Der alte Tunnel unter dem Bözberg ging 1875 in Betrieb und war über viele Jahrzehnte das Nadelöhr der Strecke.
Er verband die Region am Rhein mit dem Mittelland und war Teil der großen Linie zur Gotthardachse.
Über fast 145 Jahre rollte hier der gesamte Verkehr durch diese eine Röhre.
Das zeigt, wie robust die Ingenieurskunst der frühen Eisenbahnzeit war.
Gut zu wissen
Ein 4-Meter-Korridor bedeutet nicht, dass der Tunnel vier Meter hoch ist, sondern dass Ladungen mit einer Eckhöhe von vier Metern durchpassen.
Solche Korridore gibt es entlang der ganzen Gotthard-Achse, damit die Vorteile des Basistunnels wirklich genutzt werden können.
Warum ein neuer Tunnel gebraucht wurde
Mit den Jahren wuchs der alpenquerende Güterverkehr stark an.
Die Schweiz wollte diesen Verkehr möglichst von der Straße auf die Schiene verlagern.
Dafür wurde die große Alpentransversale, die NEAT mit dem Gotthard-Basistunnel, gebaut.
Doch die neuen Möglichkeiten unter dem Gotthard nützen wenig, wenn die Zufahrtsstrecken zu eng für große Ladungen sind.
Genau an dieser Stelle wurde der alte Bözbergtunnel zum Hindernis.
Der 4-Meter-Korridor
Moderne Lastwagen und hohe Container brauchen auf dem Zug viel Platz nach oben.
Dafür muss das Lichtraumprofil, also der freie Raum im Tunnel, eine Eckhöhe von vier Metern erlauben.
Die Schweiz beschloss deshalb, die Gotthard-Achse zu einem durchgehenden 4-Meter-Korridor auszubauen.
Der alte Bözbergtunnel bot dieses Profil nicht, also entstand ein neuer Tunnel mit größerem Querschnitt.
So können nun auch Sattelauflieger mit großer Eckhöhe bequem auf der Schiene den Berg queren.
Bau und Eröffnung
Der Bau des 4-Meter-Korridors kostete insgesamt rund 940 Millionen Franken.
Im Februar 2020 wurde im neuen Bözbergtunnel die letzte Schwelle eingebaut.
Noch im selben Jahr, im November 2020, ging der neue Tunnel in Betrieb.
Damit war ein weiterer Baustein des Korridors fertig, der den Weg für höhere Ladungen freimachte.
Die Arbeiten liefen über mehrere Jahre und waren technisch anspruchsvoll.
Was der neue Tunnel bringt
Dank des neuen Tunnels können beladene Lastwagen und hohe Container ohne Umwege durch den Berg fahren.
Das stärkt die Verlagerung des Transitverkehrs von der Straße auf die Schiene.
Weniger Lastwagen auf den Alpenstraßen bedeuten weniger Lärm und weniger Abgase in den Tälern.
Gleichzeitig wird die ganze Nord-Süd-Achse leistungsfähiger und zuverlässiger.
Der Bözberg ist damit kein Flaschenhals mehr für den modernen Güterverkehr.
Die Bözbergstrecke im Netz
Die Strecke über den Bözberg gehört zu den zentralen Güterachsen der Schweiz.
Sie führt den Verkehr aus dem Raum Basel in Richtung Gotthard und weiter nach Italien.
Für den internationalen Warenaustausch zwischen Nord- und Südeuropa ist sie deshalb sehr wichtig.
Der Ausbau am Bözberg ist Teil einer langen Kette von Modernisierungen entlang dieser Achse.
Jeder einzelne Engpass, der verschwindet, macht den gesamten Korridor flüssiger.
Zwei Tunnel, zwei Zeitalter
Es ist ein seltenes Bild, wenn ein Tunnel aus dem 19. und einer aus dem 21. Jahrhundert denselben Berg durchqueren.
Der alte Tunnel steht für die Pionierzeit der Eisenbahn, als jeder Durchstich ein kleines Wunder war.
Der neue Tunnel steht für eine Verkehrspolitik, die Güter von der Straße holen will.
So erzählt der Bözberg in einem einzigen Bild die Geschichte von fast 150 Jahren Bahnbau.
Alt und Neu liegen hier buchstäblich nebeneinander im Fels.
Das Fazit
Die Behauptung trifft zu: Am Bözberg liegen ein alter Tunnel von 1875 und ein neuer Tunnel von 2020.
Der neue Tunnel entstand für den 4-Meter-Korridor der Gotthard-Achse.
Er erlaubt es, hohe Lastwagen und Container auf der Schiene durch den Berg zu transportieren.
Damit ist der Mythos bestätigt und obendrein ein gutes Beispiel für modernen Bahnausbau.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
