Sollten an allen Güterstrecken feste Heißläuferortungsanlagen stehen?

Standpunkt

„Sensor am Gleis meldet ein heißes Lager, und der Zug hält, bevor die Achse bricht.“

Sollten an allen Güterstrecken feste Heißläuferortungsanlagen stehen?

→ Ein Standpunkt zur Sicherheitstechnik an Güterstrecken.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja. Ein heißes Achslager kann eine Achse zerstören und einen Zug entgleisen lassen, und feste Anlagen am Gleis erkennen das früh und zuverlässig bei jedem Wagen.

Ein Güterzug ist oft über einen halben Kilometer lang und wiegt viele tausend Tonnen.

Unter jedem Wagen drehen sich Radsätze, deren Lager im Betrieb unbemerkt heiß laufen können.

Ob an allen Güterstrecken feste Anlagen diese Hitze früh erkennen sollten, ist eine Frage von Sicherheit und Kosten.

J35 395 Bf Taucha, Güterzug Ri Eilenburg
Foto: Falk2, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Wie eine Heißläuferortung funktioniert

Eine Heißläuferortungsanlage ist ein streckenseitiges Überwachungssystem direkt am Gleis.

Infrarotsensoren messen die Temperatur der Achslager an jedem vorbeifahrenden Fahrzeug.

Die Werte laufen sofort in eine Auswertung, die bei Überhitzung Alarm schlägt.

So lässt sich ein Problem erkennen, lange bevor jemand es sehen oder hören könnte.

Güterzug im Bahnhof Seifen Westerwald 2020 02 22 Frontansicht
Foto: Markus Heber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum ein heißes Lager gefährlich ist

Läuft ein Radsatzlager heiß, kann die Achse im schlimmsten Fall brechen.

Ein Achsbruch bei voller Fahrt führt schnell zur Entgleisung des Wagens.

Die entstehende Hitze und Funken können außerdem leicht entzündliche Ladung entflammen.

Aus einem kleinen Lagerschaden wird so unter Umständen eine Katastrophe.

Was heute schon steht

An vielen wichtigen Strecken gibt es bereits solche Anlagen in bestimmten Abständen.

Oft sind sie mit einer Festbremsortung kombiniert, die klemmende Bremsen erkennt.

Zwischen zwei Anlagen kann ein Zug aber viele Kilometer zurücklegen.

Auf Nebenstrecken sind die Abstände häufig deutlich größer.

Das Netz hat Lücken

Ein Lager kann genau in der Lücke zwischen zwei Anlagen heiß werden.

Dann fährt der Zug ungewarnt weiter, bis er die nächste Anlage erreicht.

Je weiter diese entfernt ist, desto länger bleibt die Gefahr unbemerkt.

Dichtere Anlagen verkürzen diese blinde Strecke spürbar.

Am Gleis oder am Wagen

Manche fordern stattdessen Sensoren an jedem einzelnen Wagen.

Solche mitfahrenden Sensoren überwachen das Lager entlang der ganzen Fahrt.

Sie müssen aber an sehr vielen Wagen nachgerüstet und gewartet werden.

Feste Anlagen am Gleis prüfen dagegen jeden Zug, egal wem der Wagen gehört.

Der Vorteil der festen Anlage

Eine Anlage am Gleis kontrolliert alle vorbeifahrenden Fahrzeuge ohne Ausnahme.

Sie ist unabhängig davon, ob ein Wagen der Bahn oder einer fremden Firma gehört.

Viele Güterwagen gehören nämlich gar nicht dem Betreiber des Zuges.

Eine feste Kette an Anlagen schließt hier eine wichtige Lücke.

Was ein dichtes Netz kostet

Jede Anlage kostet Geld für Technik, Einbau und Wartung.

Ein sehr dichtes Netz an allen Strecken wäre eine große Investition.

Auf schwach befahrenen Nebenstrecken ist der Nutzen geringer als auf Hauptachsen.

Eine kluge Lösung staffelt die Dichte nach Verkehr und Gefahr.

Daten, die mehr können

Moderne Anlagen liefern nicht nur einen Alarm, sondern eine Verlaufskurve der Temperatur.

So lässt sich ein Lager beobachten, das sich langsam erwärmt, aber noch nicht kritisch ist.

Aus diesen Daten wird eine vorausschauende Wartung möglich.

Ein Wagen kann dann geplant in die Werkstatt, bevor etwas passiert.

Zusammenspiel mit anderer Technik

Heißläuferortung wirkt am besten zusammen mit Festbrems- und Radlastkontrollen.

Gemeinsam ergeben sie ein Bild vom technischen Zustand jedes Zuges.

Eine einzelne Anlage ist gut, ein abgestimmtes Netz ist besser.

Die Anlagen sollten ihre Meldungen deshalb an eine gemeinsame Auswertung schicken.

Sicherheit als Grundpfeiler

Im Güterverkehr rollen auch Gefahrgüter über die Schiene.

Gerade hier darf ein heißes Lager nicht unbemerkt bleiben.

In der Vergangenheit führten gebrochene Achsen zu schweren Güterzugunglücken.

Ein dichtes Netz an Ortungsanlagen ist eine der günstigsten Lebensversicherungen des Systems.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Pro und Contra

Dafür

+  Feste Anlagen prüfen jeden Zug und jeden Wagen, egal wem er gehört.

+  Ein heißes Lager wird erkannt, bevor die Achse bricht und der Wagen entgleist.

+  Dichtere Anlagen verkürzen die blinde Strecke zwischen zwei Messpunkten.

+  Aus den Temperaturdaten wird eine vorausschauende Wartung möglich.

+  Gerade bei Gefahrgut ist eine frühe Warnung besonders wertvoll.

+  Im Vergleich zum verhinderten Schaden sind die Anlagen vergleichsweise günstig.

Dagegen

−  Ein sehr dichtes Netz an allen Strecken kostet viel Geld.

−  Auf schwach befahrenen Nebenstrecken ist der Nutzen begrenzt.

−  Mitfahrende Sensoren an den Wagen überwachen lückenlos statt nur punktuell.

−  Jede Anlage muss gewartet werden, sonst meldet sie falsch.

−  Zu viele Fehlalarme könnten den Betrieb unnötig ausbremsen.

−  Die vorhandenen Anlagen decken die wichtigsten Achsen bereits ab.

Unterm Strich

Heißläuferortung ist eine stille Technik, die Unglücke verhindert, von denen niemand erfährt.

An den Hauptstrecken sollten die Anlagen dichter stehen, an Nebenstrecken nach Bedarf.

Feste Anlagen und mitfahrende Sensoren ergänzen sich, statt sich auszuschließen.

Wo Gefahrgut rollt, ist ein lückenloses Netz jede Investition wert.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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