Sollte das Bordbistro nur noch Mehrweggeschirr ausgeben?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, unser Bordbistro hat geöffnet. Geschirr und Becher nehmen wir gern zurück. Bitte stellen Sie Mehrweg nicht in die Abfalleimer.“

Sollte das Bordbistro nur noch Mehrweggeschirr ausgeben?

→ Ein Standpunkt zum Geschirr im Bordbistro und zur Frage, ob Einweg ganz verschwinden sollte.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, aber nur mit funktionierender Rückgabe. Weniger Wegwerfgeschirr ist richtig, doch Mehrweg lohnt sich nur, wenn Pfand, Rückgabe und Spülen zuverlässig organisiert sind; sonst türmt sich schmutziges Geschirr im Wagen.

Ein Kaffee im Zug ist ein kleiner Luxus auf langer Fahrt.

Oft kommt er im Pappbecher, mit Plastikdeckel und Rührstäbchen.

Am Ende der Reise sind die Abfalleimer voll mit Einweggeschirr.

Mehrweg könnte diesen Müll stark verringern.

Doch an Bord gibt es weder eine große Spülküche noch viel Platz.

Die Frage ist, ob das Bordbistro ganz auf Mehrweg umstellen sollte.

Eastern Railway Catering Service shop at Howrah Railway Station, India
Foto: Ravi Dwivedi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Müllberg im Zug

Jeder verkaufte Becher und Teller aus Einwegmaterial wird nach kurzer Zeit zu Abfall.

Auf stark genutzten Strecken summiert sich das zu großen Mengen pro Tag.

Der Abfall muss gesammelt, transportiert und entsorgt werden.

Weniger Wegwerfgeschirr bedeutet weniger Müll und weniger Aufwand beim Entsorgen.

Food Track at Mughalsarai Junction platform 6
Foto: Ravi Dwivedi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was der Gesetzgeber vorgibt

Für Einweggetränkeverpackungen gilt inzwischen eine ausnahmslose Pfandpflicht.

Seit Anfang 2023 müssen viele Betriebe Speisen und Getränke zum Mitnehmen auch in Mehrweg anbieten.

Das Verpackungsrecht zielt insgesamt darauf, Abfall zu vermeiden und Recycling zu stärken.

Der Trend weist also klar in Richtung weniger Einweg.

Die Hürde heißt Spülen

Mehrweg lohnt sich ökologisch erst, wenn das Geschirr oft genug wiederverwendet wird.

An Bord lässt sich kaum in großem Stil spülen, dafür fehlen Platz und Wasser.

Das Geschirr muss also gesammelt und an festen Orten zentral gereinigt werden.

Ohne diese Logistik bleibt Mehrweg ein leeres Versprechen.

Die Ökobilanz ist nicht trivial

Mehrweggeschirr muss hergestellt, transportiert, gespült und getrocknet werden.

Das kostet Wasser, Energie und Reinigungsmittel.

Erst nach vielen Umläufen schlägt die Bilanz das Einweg deutlich.

Entscheidend ist daher, dass die Behälter wirklich zurückkommen und lange halten.

Pfand sorgt für Rückgabe

Ein Pfand gibt den Fahrgästen einen Anreiz, das Geschirr zurückzubringen.

Wer ein paar Euro hinterlegt hat, nimmt den Becher eher wieder mit zur Theke.

Rücknahmestellen im Zug und am Bahnhof erleichtern die Rückgabe zusätzlich.

Ohne Pfand verschwindet zu viel Mehrweg einfach im Abfall oder in der Tasche.

Hygiene und Vertrauen

Mehrweg verlangt eine saubere, nachvollziehbare Reinigung, der die Gäste vertrauen.

Gerade bei Geschirr für Speisen und Getränke ist Hygiene besonders wichtig.

Eine sichtbare und geprüfte Reinigung schafft dieses Vertrauen.

Wo Zweifel bleiben, greifen Fahrgäste doch wieder zum Einweg.

Platz und Gewicht an Bord

Jedes Geschirrteil, das zurückläuft, muss im Zug zwischengelagert werden.

Das kostet Platz, der im engen Bordbistro ohnehin knapp ist.

Zugleich wiegt stabiles Mehrweg mehr als dünnes Einweg.

Die Abläufe müssen so gestaltet sein, dass sie den Betrieb nicht ausbremsen.

Ein gestufter Weg ist möglich

Für den Verzehr im Bistro ist festes Mehrweggeschirr naheliegend.

Für die Mitnahme an den Platz eignen sich Pfandbecher mit Rückgabe.

So lässt sich Einweg Schritt für Schritt zurückdrängen, ohne den Betrieb zu überfordern.

Aus einem harten Entweder-oder wird ein machbarer Übergang.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Pro und Contra

Dafür

+  Mehrweg verringert den großen Müllberg aus Bechern, Deckeln und Tellern im Zug deutlich.

+  Weniger Abfall bedeutet weniger Sammeln, Transportieren und Entsorgen entlang der Strecke.

+  Das Verpackungsrecht und die Pfandpflicht weisen ohnehin klar in Richtung weniger Einweg.

+  Ein Pfandsystem gibt den Fahrgästen einen handfesten Anreiz zur Rückgabe.

+  Für den Verzehr im Bistro ist festes Geschirr angenehmer als dünnes Einweg.

+  Ein gestufter Umstieg lässt sich ohne Überforderung des Betriebs umsetzen.

Dagegen

−  An Bord fehlen Platz und Wasser, um Geschirr in großem Stil zu spülen.

−  Ohne zuverlässige Rückgabe und Reinigung bleibt Mehrweg ökologisch wirkungslos.

−  Mehrweg lohnt sich erst nach vielen Umläufen, sonst schlägt die Bilanz nicht aus.

−  Zurücklaufendes Geschirr kostet Platz und Gewicht im engen Bordbistro.

−  Bei Zweifeln an der Hygiene greifen Gäste doch wieder zum Einweg.

−  Verschwindet zu viel Mehrweg im Abfall, entsteht am Ende sogar mehr Aufwand.

Unterm Strich

Weniger Wegwerfgeschirr im Zug ist ein sinnvolles und zeitgemäßes Ziel.

Mehrweg bringt diesen Gewinn aber nur mit Pfand, Rückgabe und verlässlicher Reinigung.

Ein gestufter Weg, festes Geschirr im Bistro und Pfandbecher für unterwegs, ist am ehesten machbar.

Ob der Pappbecher wirklich verschwinden sollte, überlegen Sie beim nächsten Kaffee im Zug am besten selbst.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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