Sollte Alkohol im Bordbistro nur bis zu einer festen Uhrzeit verkauft werden?

Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, das Bordbistro schenkt ab sofort nur noch Kaffee aus, die Uhr hat entschieden.“

Sollte Alkohol im Bordbistro nur bis zu einer festen Uhrzeit verkauft werden?

→ Ein Standpunkt zu Feierabendbier, Sperrstunde und der Frage, ob eine Uhrzeit die Ruhe im Zug rettet.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Eher nein. Eine feste Sperrstunde im Bordbistro bestraft die vielen rücksichtsvollen Reisenden für das Verhalten weniger und löst das eigentliche Problem nicht. Wirksamer sind gezielte Maßnahmen gegen Betrunkene und zeitlich begrenzte Alkoholverbote bei bekannten Anlässen, bei denen Ärger vorprogrammiert ist.

Ein Glas Wein zum Abendessen im Zug gehört für viele zur entspannten Fahrt.

Zugleich kippt die Stimmung mancher Fahrt, wenn einzelne Fahrgäste zu viel trinken.

Eine feste Uhrzeit, ab der kein Alkohol mehr verkauft wird, soll hier Abhilfe schaffen.

Doch eine solche Sperrstunde trifft alle, nicht nur die Lauten.

Die Frage ist, ob die Uhr das richtige Werkzeug ist.

Lemon ice cream at restaurant Benjam's Bistro
Foto: JIP, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Worum es wirklich geht

Das Problem im Zug sind selten die Reisenden mit einem einzelnen Glas.

Es sind einzelne stark Betrunkene, die pöbeln, lärmen oder andere bedrängen.

Ihr Verhalten belastet Personal und Mitreisende gleichermaßen.

Eine Uhrzeit unterscheidet aber nicht zwischen dem einen Glas und dem Rausch.

Sie verbietet den Verkauf, nicht das Betrinken vor dem Einsteigen.

Damit zielt sie womöglich an der eigentlichen Ursache vorbei.

Pommery ice restaurant in Ice Hotel panoramio
Foto: Jiaqian AirplaneFan, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Was heute schon möglich ist

Die Bahn hat in ihren Zügen das Hausrecht und eigene Beförderungsbedingungen.

Das Personal kann stark betrunkene Fahrgäste von der Weiterfahrt ausschließen.

Bei bekannten Anlässen wie großen Fußballspielen gibt es immer wieder zeitlich begrenzte Alkoholverbote.

Auch mehrere Nahverkehrsunternehmen haben in ihren Fahrzeugen ein Alkoholverbot eingeführt.

Es gibt also schon Werkzeuge gegen Alkoholexzesse im Zug.

Die Frage ist, ob eine feste Uhrzeit sie sinnvoll ergänzt.

Wie eine Sperrstunde wirken soll

Eine feste Uhrzeit soll verhindern, dass sich der Konsum über den Abend immer weiter steigert.

Nach der Grenze gäbe es im Bordbistro nur noch alkoholfreie Getränke.

Das soll vor allem die späten, langen Fahrten ruhiger machen.

Für das Personal wäre die Regel einfach anzuwenden.

Sie gäbe eine klare Linie, auf die man sich berufen kann.

Der Reiz liegt in ihrer Einfachheit.

Warum die Uhrzeit zu grob ist

Eine Sperrstunde trifft alle Reisenden gleich, ob rücksichtsvoll oder nicht.

Das späte Feierabendbier auf dem Heimweg wäre genauso betroffen wie der Rausch.

Wer trinken will, deckt sich vorher am Bahnsteig oder im Supermarkt ein.

Mitgebrachter Alkohol fällt gar nicht unter das Verkaufsverbot.

Die Regel verlagert das Problem, statt es zu lösen.

Am Ende ärgert sie vor allem die Falschen.

Was dafür spricht

Eine klare Uhrzeit ist leicht verständlich und einfach umzusetzen.

Sie könnte die Eskalation auf langen Nachtfahrten dämpfen.

Das Personal bekäme eine eindeutige Grundlage für Diskussionen.

Auf besonders belasteten Strecken könnte sie spürbar Ruhe bringen.

Sie signalisiert, dass die Bahn Rücksicht ernst nimmt.

Für Familien und ruhesuchende Reisende wäre das ein Gewinn.

Was dagegen spricht

Die Regel bestraft die vielen maßvollen Reisenden für das Verhalten weniger.

Mitgebrachter Alkohol vom Bahnsteig bleibt davon völlig unberührt.

Ein pauschales Verbot kann Gäste und Umsatz aus dem Bordbistro vertreiben.

Die eigentlichen Störer lassen sich von einer Uhrzeit kaum beeindrucken.

Starre Zeiten passen nicht zu jeder Strecke und jedem Zug.

Gegen aggressives Verhalten hilft eingreifendes Personal, keine Verkaufsgrenze.

Der gezielte Weg

Wirksamer als die Uhr sind Maßnahmen, die bei den Störern ansetzen.

Dazu gehören konsequentes Eingreifen des Personals und notfalls der Ausschluss Betrunkener.

Bei bekannten Risikoanlässen lassen sich befristete Alkoholverbote verhängen.

Sichtbare Präsenz von Service- und Sicherheitskräften beruhigt ganze Züge.

Solche Mittel treffen die Verursacher, nicht die Allgemeinheit.

Sie sind aufwendiger, aber treffsicherer als eine Uhrzeit.

Eine ehrliche Abwägung

Ruhe im Zug ist ein hohes Gut und verdient Schutz.

Eine feste Sperrstunde ist dafür ein bequemes, aber grobes Werkzeug.

Sie verspricht Ordnung und liefert vor allem Symbolik.

Gezielte Maßnahmen gegen Betrunkene wirken dort, wo die Uhr versagt.

Deshalb spricht mehr gegen als für die pauschale Grenze.

Wo eine Strecke dauerhaft eskaliert, bleibt ein befristetes Verbot die bessere Antwort.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Pro und Contra

Dafür

+  Eine klare Uhrzeit ist leicht verständlich und einfach umzusetzen.

+  Sie könnte die Eskalation auf langen Nachtfahrten dämpfen.

+  Das Personal bekäme eine eindeutige Grundlage für Diskussionen.

+  Auf besonders belasteten Strecken könnte sie spürbar Ruhe bringen.

+  Sie signalisiert, dass die Bahn Rücksicht ernst nimmt.

+  Für Familien und ruhesuchende Reisende wäre das ein Gewinn.

Dagegen

−  Die Regel bestraft die vielen maßvollen Reisenden für das Verhalten weniger.

−  Mitgebrachter Alkohol vom Bahnsteig bleibt davon völlig unberührt.

−  Ein pauschales Verbot kann Gäste und Umsatz aus dem Bordbistro vertreiben.

−  Die eigentlichen Störer lassen sich von einer Uhrzeit kaum beeindrucken.

−  Starre Zeiten passen nicht zu jeder Strecke und jedem Zug.

−  Gegen aggressives Verhalten hilft eingreifendes Personal, keine Verkaufsgrenze.

Unterm Strich

Eine feste Sperrstunde im Bordbistro klingt nach Ordnung, bleibt aber ein grobes Mittel.

Sie trifft die Maßvollen und lässt den mitgebrachten Alkohol außen vor.

Gegen Betrunkene helfen eingreifendes Personal und gezielte Verbote bei Risikoanlässen mehr.

Deshalb ist die Uhr die bequeme, aber nicht die beste Antwort.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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