Sollte die Bahn lieber leisere Güterwagen einsetzen als überall Lärmschutzwände bauen?

Standpunkt

„Der Güterzug rollt vorbei, doch leiser als früher, weil die Bremsen die Räder schonen.“

Sollte die Bahn lieber leisere Güterwagen einsetzen als überall Lärmschutzwände bauen?

→ Ein Standpunkt zum Lärmschutz an Güterstrecken.

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Worum es geht

Ja, aber beides. Leise Wagen bekämpfen den Lärm an der Quelle und wirken auf der ganzen Strecke, doch an den lautesten Brennpunkten bleiben auch Wände nötig.

Güterzüge fahren oft nachts, und ihr Lärm raubt Anwohnern an den Strecken den Schlaf.

Die klassische Antwort darauf sind hohe Lärmschutzwände neben den Gleisen.

Doch es gibt einen anderen Weg, der das Problem an der Wurzel packt, nämlich leisere Wagen.

Verbandswagen Gl mit Rollenlagern und Doppelschaken der DR
Foto: Ketamin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Woher der Lärm kommt

Der meiste Lärm eines Güterzuges ist das Rollgeräusch zwischen Rad und Schiene.

Alte Bremsen aus Grauguss rauen die Lauffläche der Räder mit der Zeit auf.

Solche aufgerauten Räder rollen deutlich lauter über die Schiene.

Der Lärm entsteht also direkt am Wagen, nicht erst neben dem Gleis.

Neue Tullnerfelder Bahn 2
Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die leise Bremssohle

Moderne Bremssohlen aus Verbundstoff halten die Radlauffläche glatt.

Ein Zug mit solchen Sohlen ist spürbar leiser als einer mit alten Graugussklötzen.

Auch Scheibenbremsen führen zu einem ruhigeren Lauf.

Der Umbau setzt genau an der Quelle des Lärms an.

Was das Gesetz schon regelt

Das deutsche Schienenlärmschutzgesetz begrenzt den Lärm von Güterwagen.

Seit Dezember 2020 dürfen besonders laute Wagen mit Graugussbremsen nicht mehr regulär auf dem öffentlichen Netz fahren.

Erlaubt sind nur noch Wagen auf dem Geräuschniveau von Verbundstoffsohlen oder Scheibenbremsen.

Für historische und touristische Wagen gibt es Ausnahmen.

Warum die Quelle die Wand schlägt

Eine Lärmschutzwand hilft nur genau dort, wo sie steht.

Ein leiser Wagen ist auf seiner ganzen Fahrt leise, über hunderte Kilometer.

Er hilft auch an Stellen, an denen keine Wand steht oder stehen kann.

Damit erreicht der leise Wagen viel mehr Menschen als jede einzelne Wand.

Was eine Wand kann und was nicht

Eine Wand schirmt nahe Häuser wirksam gegen den Schall ab.

Sie hilft aber wenig für die oberen Stockwerke hoher Gebäude.

Sie zerschneidet außerdem den Blick und trennt Orte von ihrer Bahn.

Und sie schützt nur die eine Seite, an der sie gebaut wurde.

Die Kostenrechnung

Kilometerlange Wände sind teuer in Bau und Pflege.

Der Umbau der Wagen auf leise Bremsen ist einmalig und wirkt dann überall.

Auf die gefahrene Strecke gerechnet ist der leise Wagen oft die günstigere Lösung.

Wände lohnen sich vor allem an dicht bebauten Brennpunkten.

Warum es die Wand trotzdem braucht

Auch leise Wagen sind nicht lautlos, besonders in engen Kurven.

An stark befahrenen Strecken mitten in Städten bleibt viel Schall übrig.

Dort schützt eine Wand die Anwohner spürbar zusätzlich.

Quelle und Wand ergänzen sich also, statt sich auszuschließen.

Der Blick über die Grenze

Güterwagen fahren quer durch Europa und gehören oft ausländischen Firmen.

Ein leiser deutscher Wagen hilft wenig, wenn laute Wagen aus dem Ausland einfahren.

Nur gemeinsame europäische Regeln machen die Schiene überall leiser.

Deutschland ist hier vorangegangen, andere Länder ziehen nach.

Weitere leise Technik

Neben der Bremse gibt es weitere Stellschrauben gegen den Lärm.

Besonders glatte Schienen und regelmäßiges Schleifen senken das Rollgeräusch.

Auch gut gewartete Wagen mit runden Rädern sind leiser.

Ein Bündel kleiner Maßnahmen bringt in Summe viel.

Erst die Quelle, dann die Wand

Die richtige Reihenfolge lautet, zuerst den Wagen leise machen, dann gezielt Wände bauen.

So sinkt der Lärm auf der ganzen Strecke und nicht nur an einzelnen Punkten.

Wände bleiben das Werkzeug für die lautesten Brennpunkte.

Gemeinsam schützen sie mehr Menschen für weniger Geld.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Pro und Contra

Dafür

+  Ein leiser Wagen ist auf seiner ganzen Fahrt leise, eine Wand nur an einem Ort.

+  Der Umbau setzt am Ursprung des Lärms an, nämlich am rauen Rad.

+  Auf die Strecke gerechnet sind leise Wagen oft günstiger als kilometerlange Wände.

+  Leise Wagen helfen auch dort, wo keine Wand stehen kann.

+  Das Gesetz zeigt, dass der Umbau der Flotte machbar ist.

+  Anwohner in oberen Stockwerken profitieren von leisen Wagen mehr als von Wänden.

Dagegen

−  Auch leise Wagen sind nicht lautlos, vor allem in engen Kurven.

−  An Brennpunkten mitten in Städten bleibt trotzdem viel Schall übrig.

−  Ausländische Wagen können den Effekt der deutschen Regeln schmälern.

−  Der Umbau ganzer Wagenflotten braucht Zeit und Geld.

−  Eine Wand wirkt sofort, während der Flottenumbau Jahre dauert.

−  An besonders lauten Stellen führt kein Weg an einer Wand vorbei.

Unterm Strich

Lärmschutz gelingt am besten dort, wo der Lärm entsteht, also am Wagen.

Leise Bremsen senken den Krach auf der ganzen Strecke, nicht nur an einem Punkt.

Lärmschutzwände bleiben wichtig für die lautesten Brennpunkte.

Die kluge Antwort heißt deshalb nicht entweder oder, sondern erst die Quelle, dann die Wand.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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