Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 196
„Der neue ICE wird von einem europäischen Konsortium aus Fahrzeugherstellern gebaut.“
Fahrzeughersteller
→ Übersetzt: Hinter jedem Zugtyp steckt ein Industriekonzern, der selten im Rampenlicht steht.
Lesezeit: 7 Minuten · Das System Bahn
Die 30-Sekunden-Antwort
Fahrzeughersteller wie Siemens, Alstom oder Stadler bauen die Züge, die die Bahn betreibt. Die Bahn selbst konstruiert keine eigenen Fahrzeuge, sondern bestellt sie nach genauen Vorgaben bei der Industrie. Dieser Markt ist europaweit auf wenige große Anbieter konzentriert. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen bei diesen Herstellern wirken sich direkt auf neue Zugtypen aus.
Ein neuer ICE rollt feierlich aufs Gleis.
Präsentiert von der Bahn, gefeiert als eigenes Prestigeprojekt.
Gebaut hat ihn die Bahn trotzdem nicht selbst.
Dahinter steckt einer von wenigen großen Industriekonzernen.
Namen, die den meisten Fahrgästen kaum bekannt sind.
Dabei bestimmen genau sie, wie ein Zug am Ende aussieht und funktioniert.

Wer die großen Hersteller sind
Siemens Mobility zählt zu den größten Herstellern in Europa.
Der französische Konzern Alstom ist nach einer Übernahme ähnlich groß geworden.
Der Schweizer Hersteller Stadler hat sich auf Regional- und Nahverkehrszüge spezialisiert.
Weltweit mischt zunehmend auch der chinesische Konzern CRRC im Markt mit.
Dieser internationale Wettbewerb prägt die Preisgestaltung neuer Fahrzeuge deutlich.
Wie eine Zugbestellung abläuft
Die Bahn beschreibt zunächst genau, welche Anforderungen ein neuer Zug erfüllen muss.
Hersteller bewerben sich anschließend in einem Ausschreibungsverfahren um den Auftrag.
Entwicklung und Bau eines komplett neuen Zugtyps dauern oft mehrere Jahre.
Änderungen während der Entwicklung können den Zeitplan erheblich verzögern.
Ein neuer ICE-Typ ist deshalb selten ein kurzfristiges Projekt.
Warum dieser Markt so konzentriert ist
Der Bau moderner Züge erfordert enormes technisches Wissen und hohe Investitionen.
Nur wenige Unternehmen weltweit können diesen Anspruch wirtschaftlich erfüllen.
Fusionen und Übernahmen haben die Zahl der Anbieter zusätzlich verringert.
Kritiker warnen deshalb vor sinkendem Wettbewerb und steigenden Preisen.
Wettbewerbsbehörden prüfen größere Zusammenschlüsse in dieser Branche deshalb besonders genau.
Video: „Dürfen sich die Zugbauer Alstom und Siemens zusammenkoppeln?“ vom Kanal euronews (deutsch).
„Der neue ICE wird von einem europäischen Konsortium aus Fahrzeugherstellern gebaut.“
→ Übersetzt: Ein Satz, der zeigt: Die Bahn bestellt, die Industrie baut.
Wie Wartung und Ersatzteile organisiert werden
Hersteller liefern häufig nicht nur Fahrzeuge, sondern auch langfristige Wartungsverträge.
Das sichert Ersatzteile und Fachwissen über die gesamte Lebensdauer eines Zuges.
Für die Bahn bedeutet das eine enge, oft jahrzehntelange Bindung an den Hersteller.
Ein Herstellerwechsel mitten im Betrieb ist deshalb selten praktikabel.
Diese Abhängigkeit spielt bei jeder großen Bestellentscheidung eine wichtige Rolle.
Warum Innovationen oft schrittweise eingeführt werden
Komplett neue Technik birgt immer auch ein gewisses Risiko im Betrieb.
Hersteller und Bahn testen neue Systeme deshalb meist zunächst in kleinem Rahmen.
Erst nach erfolgreicher Erprobung folgt eine breitere Einführung.
Dieses vorsichtige Vorgehen erklärt, warum manche Neuerungen Jahre bis zur Serienreife brauchen.
Ein letztes Wort: Der nächste neue Zugtyp beginnt lange vor seiner ersten Fahrt in einer Fabrikhalle.
Ein Prozess, der Geduld von allen Beteiligten verlangt.
Was bei Lieferschwierigkeiten passiert
Verzögerungen bei Zulieferteilen können ganze Bauprojekte ins Stocken bringen.
Globale Lieferketten machen Hersteller anfällig für weltweite Störungen.
Die Bahn muss solche Verzögerungen dann in ihre eigene Planung einrechnen.
Neue Zugtypen erreichen den Betrieb dadurch manchmal später als ursprünglich angekündigt.
Für Fahrgäste bleibt davon meist nur die verspätete Einführung neuer Fahrzeuge sichtbar.
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Ein Zug ist immer Teamarbeit vieler Unternehmen.
Wie kleinere Hersteller im Markt bestehen
Neben den großen Konzernen behaupten sich einige spezialisierte kleinere Anbieter.
Sie konzentrieren sich oft auf Nischen wie Museumsbahnen oder Sonderfahrzeuge.
Im Massenmarkt für Standardzüge haben sie es dagegen deutlich schwerer.
Trotzdem bleibt ihre technische Expertise für bestimmte Anwendungen wertvoll.
Vielfalt im Markt bleibt so zumindest in Teilbereichen erhalten.
Diese Vielfalt sichert am Ende auch spezialisierte, seltene Bedürfnisse im Netz.
Der nächste Blick auf einen neuen Zug lohnt sich vielleicht auch mit diesem Wissen im Hinterkopf.
Hinter jedem Detail steckt eine große industrielle Kette.
Eine Kette aus Ingenieuren, Fabriken und Prüfstellen, die selten sichtbar wird.
Industrie und Bahn bleiben so eng verbunden wie selten öffentlich wahrgenommen.
Ein Blick, der jeden Bahnsteig ein Stück interessanter macht.
Wenige Namen, große Wirkung, das beschreibt diesen Markt ziemlich gut.
Ein letzter Gedanke: Der nächste Blick auf einen Zug zeigt vielleicht ein Stück mehr Industriegeschichte, als man vermutet hätte.
Warum die Lieferzeiten so lang sind
Ein Zug ist kein Serienprodukt vom Band.
Jede Ausschreibung verlangt eigene Ausstattung, eigene Bahnsteighöhen und eigene Zugsicherung.
Deshalb wird fast jede Baureihe neu konstruiert oder angepasst.
Danach folgt die Zulassung, die selbst Monate bis Jahre dauert.
Von der Bestellung bis zum ersten Fahrgast vergehen so drei bis fünf Jahre. Verzögerungen sind eher die Regel als die Ausnahme.
Warum es kaum noch Hersteller gibt
Der Markt hat sich stark konzentriert.
Große Übernahmen haben aus vielen nationalen Herstellern wenige Konzerne gemacht.
Übrig sind vor allem Siemens, Alstom und Stadler, dazu einige Spezialisten.
Weniger Anbieter bedeuten weniger Preisdruck und längere Wartezeiten.
Gleichzeitig sind die Stückzahlen zu klein, um echte Serienfertigung wirtschaftlich zu machen. Genau darin liegt das Grundproblem.
Alle Fragen zum Thema
Wer baut die Züge in Deutschland?
Vor allem Siemens Mobility, Alstom und Stadler. Dazu kommen Spezialisten für einzelne Fahrzeugarten. Der Markt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark konzentriert.
Wer baut den ICE?
Siemens Mobility, teilweise in Konsortien mit anderen Herstellern. Die aktuellen Baureihen entstehen unter anderem in Krefeld. Einzelne Komponenten kommen aus ganz Europa.
Wie lange dauert die Lieferung?
Drei bis fünf Jahre von der Bestellung bis zum Einsatz. Verzögerungen sind häufig. Ein großer Teil der Zeit entfällt auf die Zulassung.
Warum wird jeder Zug neu konstruiert?
Weil jede Ausschreibung eigene Vorgaben macht. Bahnsteighöhe, Ausstattung und Zugsicherung unterscheiden sich. Echte Serienfertigung gibt es deshalb kaum.
Was kostet ein Zug?
Ein Regionaltriebzug liegt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Ein ICE kostet ein Vielfaches davon. Deshalb laufen Verkehrsverträge über zehn bis fünfzehn Jahre.
Wem gehören die Fahrzeuge?
Mal dem Verkehrsunternehmen, mal dem Bundesland, mal einer Leasinggesellschaft. Landeseigene Fahrzeuge erleichtern den Betreiberwechsel. Dieses Modell setzt sich zunehmend durch.
Warum verzögern sich Lieferungen so oft?
Wegen Lieferketten, Softwareproblemen und der Zulassung. Auch Personalmangel bei den Herstellern spielt eine Rolle. Für die Besteller ist das ein erhebliches Risiko.
Was passiert bei Verzögerung?
Der Betreiber muss Ersatzfahrzeuge mieten, oft ältere. Verträge enthalten dafür Vertragsstrafen. Für Fahrgäste heißt es: alte Züge zum Start einer neuen Linie.
Werden Züge im Ausland gebaut?
Teilweise ja, die Konzerne produzieren europaweit. Endmontage und Zulassung erfolgen oft im Zielland. Bei Ausschreibungen spielt der Produktionsort meist keine Rolle.
Der Chefübersetzer sagt
„Hinter jedem neuen Zug steht eine ganze Industrie, die selten im Rampenlicht steht. Wer diese Hersteller kennt, versteht besser, warum neue Zugtypen manchmal Jahre auf sich warten lassen.“
Das heißt für dich am Gleis
1. Achte bei Berichten über neue Zugtypen ruhig einmal auf den tatsächlichen Hersteller dahinter.
2. Ordne Verzögerungen bei neuen Baureihen auch als Folge komplexer Industrieprojekte ein.
3. Verfolge größere Fusionen in der Branche, sie können langfristig Preise und Auswahl beeinflussen.
Weiterfahrt
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