Ortstermin
„Nächster Halt Nordstemmen, Umstieg in Richtung Hameln und Hildesheim.“
Der Bahnhof Nordstemmen, ein Inselbahnhof mit königlichem Wartesaal
→ Ein Ortstermin an der Leine.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Nordstemmen wurde 1853 an der Hannöverschen Südbahn eröffnet und ist ein Insel- und Keilbahnhof. Sein Empfangsgebäude entwarf Conrad Wilhelm Hase, der auch das nahe Schloss Marienburg baute, und es besaß sogar einen königlichen Wartesaal.
Nordstemmen ist eine Gemeinde im Westen des Landkreises Hildesheim.
Sie liegt an der Leine zwischen Hannover, Hildesheim und Göttingen.
Ihr Bahnhof gehört zu den ältesten und eigenwilligsten in ganz Niedersachsen.

Ein Bahnhof an der Südbahn
Seit dem 1. Mai 1853 war die Hannöversche Südbahn von Hannover bis Alfeld befahrbar.
Anfangs war Nordstemmen nur für wenige Monate ein einfacher Zwischenbahnhof.
Am 15. September 1853 wurde die Strecke von Nordstemmen nach Hildesheim eröffnet.
Damit wurde der Bahnhof zum von Anfang an geplanten Trennungsbahnhof.
Hier teilten sich die Strecken nach Süden und nach Hildesheim.
Der Bahnhof entstand nördlich des damaligen Bauerndorfes an der Straße nach Rössing.
Bis heute liegt er an den Strecken Hannover–Kassel und Lehrte–Nordstemmen.
Südlich des Bahnhofs gab es 1853 gleich vier schrankenlose Bahnübergänge.

Der Inselbahnhof
Nordstemmen wurde als sogenannter Inselbahnhof gebaut.
Das bedeutet, dass das Empfangsgebäude zwischen den Gleisen liegt.
Einen direkten Zugang von der Straße hatte das Gebäude nicht.
Es galt den hannoverschen Eisenbahnen als typisches Beispiel eines Inselbahnhofs.
Schon 1861 wurde es deshalb in einer Architektenzeitschrift veröffentlicht.
Das repräsentative Gebäude wurde erst 1854 fertiggestellt, also nach der Eröffnung der Strecken.
Zugleich ist der Bahnhof ein Keilbahnhof in der Gabelung zweier Strecken.
So entstand ein Bahnhof, den man zunächst nur über die Gleise erreichen konnte.
Diese Bauform war für die hannoverschen Bahnen jener Jahre durchaus typisch.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Nordstemmen wurde 1853 an der Hannöverschen Südbahn eröffnet und ist ein Insel- und Keilbahnhof. Sein Empfangsgebäude von 1854 entwarf Conrad Wilhelm Hase, der auch das Schloss Marienburg baute.
Von 1858 bis 1860 richtete Hase hier einen königlichen Wartesaal ein, weil der Hof von Nordstemmen aus zur Marienburg reiste. Heute halten stündlich Züge des metronom sowie die Regionalbahn nach Hameln.
Ein Wartesaal für den König
Den Entwurf des Bahnhofs lieferte der hannoversche Architekt Conrad Wilhelm Hase.
Derselbe Hase baute wenig später das nahe Schloss Marienburg.
Bahnhof und Schloss bilden bis heute ein gemeinsames Ensemble.
Von 1858 bis 1860 gestaltete Hase im Gebäude einen eigenen königlichen Wartesaal.
Im Bahnhofsrestaurant richtete er zudem ein Büfett für den Hofstaat ein.
Der König von Hannover verließ hier mit seinem Gefolge den Zug.
Von Nordstemmen aus fuhr er dann weiter hinauf zur Marienburg.
Bis heute erinnert das alte Gebäude an die Zeit der Königsreisen.

Strecken in viele Richtungen
Am 19. Mai 1875 wurde die Weserbahn von Elze bis Löhne für den Güterverkehr eröffnet.
So gab es bald durchgehende Züge von Hildesheim über Hameln bis Löhne.
1880 gingen die hannoverschen Bahnstrecken in den Besitz des preußischen Staates über.
Vom Bahnhof führte auch eine Strecke an Rössing vorbei bis zur Calenberger Mühle.
Schon 1865 war die Zuckerfabrik Nordstemmen gegründet worden.
Sie war mit eigenen Gleisen an den Bahnhof angeschlossen.
Vor allem Zuckerrüben aus der Umgebung wurden hier verladen.
Für die neuen Züge legte man zwischen Elze und Hildesheim ein zweites Gleis.

Die Kleinbahn, die nie kam
1896 entstand der Plan für eine schmale Kleinbahn von Nordstemmen nach Springe.
Sie sollte über gut 22 Kilometer und mehrere Dörfer führen.
Geplant waren jährlich 100.000 Reisende und viele Tonnen Güter.
Darunter waren wieder Zuckerrüben für die Fabrik in Nordstemmen.
Der Bau scheiterte jedoch am Einspruch der Stadt Eldagsen.
Ihre Landwirte wollten keine Eisenbahn in ihrem Gebiet haben.
So blieb diese Kleinbahn nur ein Plan auf dem Papier.
Auch andere Bahnprojekte rund um Nordstemmen blieben am Ende unvollendet.

Ein Bahnhof für den Durchgangsverkehr
Die Strecke Hannover–Göttingen gehört zu den am stärksten befahrenen in Niedersachsen.
Bis zu 240 Güterzüge durchfahren den Bahnhof Nordstemmen an einem Tag.
Nach der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg 1991 nahm der Fernverkehr hier ab.
Heute halten stündlich Züge des metronom sowie die Regionalbahn nach Hameln und Bünde.
Einige Intercity-Züge fahren ohne Halt durch den Bahnhof.
Rund 2500 Reisende nutzen die Station täglich.
Das alte Empfangsgebäude wird seit 1977 nicht mehr für den Bahnbetrieb genutzt.
Umsteigefrei erreicht man von hier Hannover, Göttingen, Hildesheim und Hameln.

Das Schloss Marienburg
Nur wenige Kilometer entfernt erhebt sich das Schloss Marienburg.
Es wurde von demselben Architekten wie der Bahnhof entworfen.
Conrad Wilhelm Hase schuf hier einen bedeutenden neugotischen Bau.
Das Schloss war ein Geschenk an die Königin Marie von Hannover.
Von Nordstemmen aus reiste der Hof mit der Bahn zur Marienburg.
Deshalb hatte der Bahnhof seinen eigenen königlichen Wartesaal.
Bahnhof und Schloss erzählen so bis heute dieselbe Geschichte.
So gehören Bahnhof und Schloss zu den bekanntesten Bauten des Architekten in der Region.

Zwischen Leine und Zuckerfabrik
Nordstemmen liegt am Fluss Leine am Südrand der Norddeutschen Tiefebene.
Das Dorf war lange vor allem von der Landwirtschaft geprägt.
Mit der Zuckerfabrik von 1865 kam die Industrie in den Ort.
Die Rüben der ganzen Umgebung wurden hier zu Zucker verarbeitet.
Die Bahn brachte die Ernte heran und den Zucker wieder fort.
So wuchs aus dem Bauerndorf ein wichtiger Umschlagplatz an der Leine.
Bis heute prägt die Bahn das Bild des Ortes.
Nordstemmen liegt heute in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen.

Ankommen in Nordstemmen
Wer in Nordstemmen aussteigt, steht an einem der ältesten Bahnhöfe Niedersachsens.
Das alte Inselgebäude zwischen den Gleisen ist noch immer zu sehen.
Ein Ausflug führt von hier hinüber zum Schloss Marienburg.
Auf dem Weg begleitet die Leine mit ihren Auen den Reisenden.
Mit dem metronom sind Hannover und Göttingen rasch erreichbar.
Auch Hameln an der Weser liegt nur eine Bahnfahrt entfernt.
So verbindet der kleine Bahnhof Königsgeschichte und dichten Zugverkehr.
Wer mag, verbindet die Zugfahrt mit einem Besuch des berühmten Schlosses.

Häufige Fragen
Seit wann hat Nordstemmen einen Bahnhof?
Was ist ein Inselbahnhof?
Warum gab es einen königlichen Wartesaal?
Wer hat den Bahnhof entworfen?
Welche Züge halten heute?
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