Der Bahnhof Lüttich-Guillemins, Calatravas Bau aus Stahl

Ortstermin

„Auf Gleis zwei fährt der ICE nach Köln, bitte Vorsicht bei der Abfahrt.“

Der Bahnhof Lüttich-Guillemins, Calatravas Bau aus Stahl

→ Ein Ortstermin in Lüttich, im Osten Belgiens.

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Kurz gesagt

Der Bahnhof Lüttich-Guillemins verbindet eine fast 200 Jahre alte Bahngeschichte mit einem der auffälligsten Bahnhofsbauten Europas. Sein rund 200 Meter langer Bogen erhebt sich bis zu 40 Meter über den Gleisen.

Wer in Lüttich aus dem Zug steigt, steht nicht in einer gewöhnlichen Halle, sondern unter einem geschwungenen Dach aus Stahl, Glas und weißem Beton.

Der Bahnhof Lüttich-Guillemins ist der wichtigste Bahnhof der wallonischen Stadt und zugleich ein Knotenpunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz.

Dieser Ortstermin führt vom ersten hölzernen Bahnhof von 1842 bis zu dem Bau, den der Architekt Santiago Calatrava 2009 eröffnete.

Liege Guillemins Railway Station 18 09 2009
Foto: Vberger, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein Dach wie ein Flügel

Der heutige Bahnhof Lüttich-Guillemins fällt schon von weitem auf, weil er keine geschlossene Außenfassade besitzt.

Ein monumentaler Baldachin von rund 200 Metern Länge und etwa 35 Metern Höhe spannt sich über die Bahnsteige.

An seiner höchsten Stelle erhebt sich das Dach bis zu 40 Meter über dem Gleisbett.

Durch den Verzicht auf eine klassische Wand gehen Innen- und Außenraum fast nahtlos ineinander über.

Dadurch wirkt der Bahnhof weniger wie ein geschlossenes Gebäude und mehr wie ein offenes Tor zur Stadt.

Liège Guillemins Thalys 2009
Foto: Smiley.toerist, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der erste Bahnhof von 1842

Der erste Bahnhof an dieser Stelle war aus Holz und wurde am 1. Mai 1842 eröffnet.

Er lag an der Strecke aus Brüssel, die bereits 1838 den nahen Ort Ans erreicht hatte.

Wegen der starken Steigung zwischen Ans und Lüttich wurden die Züge zwischen 1842 und den 1870er Jahren zeitweise mit Seilen gezogen.

1863 entstand ein neues Empfangsgebäude des Architekten A.P.J. Lambeau, der auch die Bahnhöfe in Mons und Namur gestaltete.

Für die Weltausstellung von 1905 wurde dieses Gebäude noch einmal erweitert.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 02
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Lüttich-Guillemins wurde 1842 eröffnet und 2009 nach Plänen von Santiago Calatrava neu gebaut.

Er hat neun Gleise und fünf acht Meter breite Mittelbahnsteige unter einem rund 200 Meter langen Dach.

Eurostar, ICE und die Nightjet-Züge zwischen Brüssel und Wien halten hier, und nach Köln dauert die Fahrt etwa eine Stunde.

Warum der alte Bau weichen musste

Anlässlich der Elektrifizierung und der Weltausstellung von 1958 erhielt der Bahnhof ein weiteres neues Gebäude.

Mit dem Beginn der Hochgeschwindigkeitszüge galt dieser Bau der 1950er Jahre jedoch bald als nicht mehr zeitgemäß.

Die Bahnsteige waren zu schmal, zu stark gekrümmt und für moderne Fernzüge zu kurz.

Viele niveaugleiche Kreuzungen schränkten außerdem den Zugverkehr ein.

Da sich eine Renovierung nicht mehr lohnte, entschied man sich für Abriss und Neubau.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 03
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Calatrava und der Bogen aus Stahl

Nach einem internationalen Wettbewerb ging das Projekt an den Architekten Santiago Calatrava.

Calatrava hatte zuvor unter anderem den Bahnhof Oriente in Lissabon und den Bahnhof Lyon-Saint-Exupéry entworfen.

Die Planungen in Lüttich begannen 1996, und rund 312 Millionen Euro wurden investiert.

Für den auf- und abschwingenden Bogen wurden etwa 10.000 Tonnen Stahl verbaut.

Der neue Bahnhof besteht aus Stahl, Glas und weißem Beton und erinnert mit seiner Form an eine Sprungschanze.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 05
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Neun Gleise unter einem Dach

Der neue Bahnhof verfügt über neun Gleise und fünf Mittelbahnsteige.

Die Bahnsteige sind acht Meter breit und bieten damit viel Platz für die Reisenden.

Drei von ihnen sind mit einer nutzbaren Länge von 450 Metern auf lange Hochgeschwindigkeitszüge ausgelegt.

Die beiden übrigen Bahnsteige messen jeweils rund 350 Meter.

Im Zuge des Umbaus wurde die zulässige Einfahrgeschwindigkeit von 40 auf 100 Kilometer pro Stunde erhöht.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 07
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Schnell nach Köln und Brüssel

Guillemins ist ein Halt von Eurostar- und ICE-Zügen und damit Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes.

Auf den Gleisen eins und zwei verkehren Eurostar-Züge und die internationale ICE-Linie.

Seit 2009 beträgt die Fahrzeit zwischen Köln und Lüttich nur noch etwa eine Stunde.

Auch die Nightjet-Züge der ÖBB zwischen Brüssel und Wien halten hier.

Pro Tag wird der Bahnhof nach Angaben der Belgischen Eisenbahnen von rund 500 Zügen angefahren.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 08
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wo sich die Strecken kreuzen

Der Bahnhof liegt am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Bahnstrecken.

Hier treffen die Hochgeschwindigkeitsstrecken nach Brüssel und nach Aachen auf die klassischen Linien.

Dazu kommen Strecken in Richtung Hasselt, Maastricht, Namur und Luxemburg.

Internationale Nahverkehrszüge fahren unter anderem nach Maastricht in den Niederlanden und nach Aachen in Deutschland.

So ist Lüttich zugleich ein regionaler Knoten und ein Tor nach Deutschland und in die Niederlande.

Station Luik Guillemins (Gare Liège Guillemins) 09
Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Farbe auf dem Dach und Auftritte im Film

Im Oktober 2022 wurde unter dem Dach ein Kunstwerk des französischen Künstlers Daniel Buren eingeweiht.

Dafür wurden die Dachflächen mit farbiger Vinylfolie beklebt, die das Licht in der Halle veränderte.

Das zunächst auf ein Jahr angelegte Werk blieb schließlich bis Juni 2024 erhalten.

Die spektakuläre Architektur machte den Bahnhof auch für das Kino interessant.

Er diente unter anderem als Drehort für die Filme Guardians of the Galaxy und Gemini Man.

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Foto: M. Delnoij/ EOSfoto.nl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Lüttich

Wer in Guillemins ankommt, steht zunächst etwas außerhalb der eigentlichen Innenstadt.

Näher am Zentrum liegt der kleinere Bahnhof Liège-Saint-Lambert, der früher Liège-Palais hieß.

Auf dem Bahnhofsvorplatz halten die Straßenbahn sowie Stadt- und Regionalbusse der Gesellschaft TEC.

Von dort sind es nur wenige Minuten bis zur Maas, die mitten durch Lüttich fließt.

So beginnt der Besuch in Lüttich schon unter dem großen Bogen, bevor man überhaupt die Straße erreicht.

Liège Guillemins railway station (DSC 0357)
Foto: Trougnouf, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wann wurde der Bahnhof Lüttich-Guillemins eröffnet?
Der erste hölzerne Bahnhof wurde am 1. Mai 1842 eröffnet, der heutige Bau von Santiago Calatrava ging im September 2009 in Betrieb.
Wer hat den heutigen Bahnhof entworfen?
Der Neubau stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava, der auch den Bahnhof Oriente in Lissabon gestaltet hat.
Wie viele Gleise hat der Bahnhof?
Der Bahnhof besitzt neun Gleise und fünf Mittelbahnsteige, von denen drei rund 450 Meter lang sind.
Welche Fernzüge halten in Lüttich-Guillemins?
Hier halten unter anderem Eurostar, die internationale ICE-Linie sowie die Nightjet-Züge der ÖBB zwischen Brüssel und Wien.
Wie weit ist es von Köln nach Lüttich?
Seit 2009 dauert die Fahrt zwischen Köln und Lüttich mit dem Hochgeschwindigkeitszug nur noch etwa eine Stunde.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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