Stimmt es, dass in Mauretanien einer der längsten Züge der Welt fährt?

Stimmt es, dass …?

„Auf dem Weg zur Küste: der Erzzug aus Zouérat, zweieinhalb Kilometer lang, bitte etwas Geduld bei der Durchfahrt.“

Stimmt es, dass in Mauretanien einer der längsten Züge der Welt fährt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

Ja, das stimmt: Durch die Wüste Mauretaniens rollen bis zu 2,5 Kilometer lange Erzzüge, die als längste planmäßig verkehrende Züge der Welt gelten. Wer mitfahren möchte, darf sogar kostenlos oben auf den beladenen Wagen Platz nehmen.

Mauretanien ist ein Land aus Sand, Hitze und sehr wenig Eisenbahn.

Und doch fährt hier eine der eindrucksvollsten Bahnen der Welt, Tag für Tag quer durch die Wüste.

Ihre Erzzüge sind so lang, dass man ihr Ende am Horizont kaum noch erkennt.

Langer Erzzug in der Wüste
Foto: Cooperazione, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

bis 2,5 km

Zuglänge

längste planmäßige Züge der Welt

bis 17.000 t

Zuggewicht

voll mit Eisenerz

652 km

Streckenlänge

von den Minen zum Atlantik

Quelle: Wikipedia „Bahnstrecke Nouadhibou–M’Haoudat“; die Angaben sind Richtwerte aus dem Betrieb, kein fester Fahrplanwert. Stand 2025.

Die einzige Eisenbahn des Landes

Mauretanien hat genau eine nennenswerte Bahnstrecke, und die dient dem Erz.

Sie verbindet die Eisenerzbergwerke bei Zouérat mit der Hafenstadt Nouadhibou am Atlantik.

Rund 652 Kilometer misst die ursprüngliche Strecke, später kam eine Stichstrecke zum Bergwerk M’Haoudat hinzu.

Über weite Teile folgt sie der Grenze zur Westsahara, ein kurzes Stück verläuft sogar über deren Gebiet.

Außer dem Erz sieht diese Linie kaum Verkehr, dafür aber täglich einen Giganten auf Rädern.

Beladene Erzwagen einer Wüstenbahn
Foto: Cooperazione, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum die Züge so unglaublich lang werden

Eisenerz ist schwer, und je mehr ein Zug auf einmal zieht, desto günstiger wird jede Tonne.

Deshalb hängt die Betreiberin SNIM die Wagen zu Zügen von bis zu zweieinhalb Kilometern Länge zusammen.

Vollbeladen bringt ein solcher Zug bis zu 17.000 Tonnen auf die Schienen.

Gezogen wird er von mehreren schweren Diesellokomotiven, die über den Zug verteilt schieben und ziehen.

Ein einzelner Zug ersetzt damit eine ganze Lastwagenkolonne, die sonst durch die Wüste rollen müsste.

Gut zu wissen

Die Zuglänge von rund zweieinhalb Kilometern ist ein Betriebswert; je nach Nachfrage und Wartung fallen einzelne Züge kürzer aus.

Das Mitfahren auf den Erzwagen geschieht auf eigene Gefahr und ohne jeden Komfort, es ist kein touristisches Angebot im üblichen Sinn.

Der längste Fahrplanzug der Welt

Mit seinen bis zu 2,5 Kilometern gilt der mauretanische Erzzug als längster planmäßig verkehrender Zug der Welt.

Planmäßig heißt: Er fährt nicht als einmaliger Rekordversuch, sondern nach einem festen Betriebsablauf.

Einzelne Sonderfahrten anderswo waren zwar noch länger, blieben aber Ausnahmen für die Rekordbücher.

Im ganz normalen Alltag hat die Erzbahn durch die Sahara die Nase vorn.

Wer am Gleis steht, wartet gut und gerne mehrere Minuten, bis der ganze Zug vorübergezogen ist.

Kostenlos oben auf dem Erz

Das Erstaunlichste ist nicht die Länge, sondern wer da mitfährt.

Es ist möglich, kostenlos auf den offenen Erzwagen mitzureisen, ganz ohne Fahrkarte.

Reisende klettern auf die Ladung und sitzen oben auf dem schwarzen Erz, während die Wüste vorbeizieht.

Tagsüber brennt die Sonne, nachts wird es empfindlich kalt, und der feine Erzstaub legt sich über alles.

Bequem ist das nicht, aber für viele Menschen entlang der Strecke eine wichtige Verbindung.

Wie diese Strecke entstand

Gebaut wurde die Bahn ab 1957, noch bevor Mauretanien vollständig unabhängig war.

Eine Bergbaugesellschaft legte sie in Normalspur an, um das Erz überhaupt zur Küste zu bringen.

Seit den 1960er Jahren rollt der Verkehr, und das Erz wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle des Landes.

Später übernahm der staatliche Bergbaukonzern SNIM Strecke und Züge.

Ohne diese eine Linie gäbe es den Erzexport in dieser Form nicht.

Ein Betrieb am Rand des Möglichen

Die Strecke ist für eine Radsatzlast von 26 Tonnen ausgelegt, künftig sollen es 30 Tonnen werden.

So viel Gewicht pro Achse braucht kräftige Schienen und einen gut gepflegten Unterbau.

Pro Jahr schafft die Bahn eine Transportkapazität von rund 14 Millionen Tonnen Erz.

Sand, Hitze und weite Entfernungen machen die Instandhaltung zu einer ständigen Aufgabe.

Jede längere Störung trifft das Land unmittelbar, weil das Erz sonst liegen bleibt.

Hin mit Last, zurück mit Leere

In die eine Richtung rollt der Zug schwer beladen zum Hafen.

Zurück ins Landesinnere fährt er weitgehend leer, um neues Erz zu holen.

Am Hafen von Nouadhibou wird die Ladung auf Schiffe verladen und in alle Welt verschickt.

Dieser Kreislauf wiederholt sich, solange die Minen fördern.

Der leere Rückweg gilt bei Mitfahrern als die angenehmere Richtung, weil weniger Erzstaub aufwirbelt.

Warum Fotografen die Strecke lieben

Bilder vom endlosen Erzzug in der Wüste gehen immer wieder um die Welt.

Eine Lokomotive vorn, eine Kette aus Wagen bis zum Horizont, daneben nichts als Sand.

Für Eisenbahnfreunde ist die Fahrt ein kleines Abenteuer am Rand der Sahara.

Reiseberichte schildern die Nacht auf dem Erz als unbequem, aber unvergesslich.

Kaum eine andere Bahn verbindet Rekord und Rauheit so eigenwillig wie diese.

Das Fazit

Die Behauptung stimmt in jeder Hinsicht.

In Mauretanien fährt mit bis zu 2,5 Kilometern tatsächlich einer der längsten Züge der Welt, planmäßig sogar der längste.

Er wiegt beladen bis zu 17.000 Tonnen und bringt Erz über 652 Kilometer zum Atlantik.

Und ja, man darf kostenlos oben auf den Wagen mitfahren, wenn man Staub und Kälte nicht scheut.

Ein Zug wie ein Lineal durch die Wüste, länger als mancher Spaziergang.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Von der Dampflok bis heute

Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.

Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.

Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.

Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.

Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.

Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.

Häufige Fragen

Ist der mauretanische Erzzug wirklich der längste Zug der Welt?
Er gilt als längster planmäßig verkehrender Zug der Welt. Einzelne Rekordfahrten in anderen Ländern waren länger, fuhren aber nur ein einziges Mal.
Wie lang und wie schwer ist so ein Zug?
Bis zu rund 2,5 Kilometer lang und vollbeladen bis zu etwa 17.000 Tonnen schwer. Gezogen wird er von mehreren Diesellokomotiven.
Kann man dort wirklich kostenlos mitfahren?
Ja, es ist möglich, ohne Fahrkarte oben auf den offenen Erzwagen mitzureisen. Bequem oder sicher ist das allerdings nicht.
Wohin fährt die Strecke?
Von den Eisenerzbergwerken bei Zouérat im Landesinneren rund 652 Kilometer bis zur Hafenstadt Nouadhibou am Atlantik.
Warum hat Mauretanien sonst kaum Eisenbahn?
Die Linie wurde eigens für den Erztransport gebaut. Für den übrigen Verkehr spielt die Bahn im dünn besiedelten Wüstenland bisher kaum eine Rolle.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →