Stimmt es, dass …?
„Achtung an Gleis eins, hier kommt eine Gelenklokomotive mit gleich zwei Triebwerken unter einem Kessel.“
Stimmt es, dass es Dampflokomotiven mit zwei Triebwerken gab?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt: Es gab Dampflokomotiven mit zwei getrennten Triebwerken, etwa die Bauarten Mallet und Garratt. Solche Gelenklokomotiven lieferten viel Kraft und kamen trotzdem durch enge Kurven.
Eine normale Dampflok hat einen Kessel und ein Triebwerk, das die Räder antreibt.
Für besonders schwere Aufgaben reichte das manchmal nicht aus.
Also bauten Ingenieure Lokomotiven mit gleich zwei Triebwerken.

Die Fakten in Zahlen
1884
Bauart Mallet
entwickelt von Anatole Mallet
1909
erste Garratt
ausgeliefert nach Tasmanien
1704
Garratts gebaut
davon 1124 für Afrika
Zwei Triebwerke lieferten viel Kraft und kamen dennoch durch enge Kurven.
Der Mythos auf dem Prüfstand
Die Behauptung ist richtig und führt in die Welt der Gelenklokomotiven.
Es gab tatsächlich Dampfloks mit zwei getrennten Triebwerken.
Bekannt wurden vor allem die Bauarten Mallet und Garratt.
Beide lösten dasselbe Problem auf unterschiedliche Weise.

Was zwei Triebwerke bedeuten
Ein Triebwerk umfasst die Zylinder und die von ihnen angetriebenen Räder.
Eine gewöhnliche Lok besitzt davon nur ein einziges.
Bei den Gelenkloks sind es zwei, die beweglich miteinander verbunden sind.
Dadurch kann sich die lange Maschine in Kurven abknicken.
Gut zu wissen
Die Bauart Mallet mit zweigeteiltem Triebwerk wurde 1884 von Anatole Mallet für kurvenreiche Bergstrecken entwickelt und besitzt ein bewegliches vorderes Drehgestell.
Die Bauart Garratt hat zwei getrennte Triebwerkseinheiten, die durch einen Kessel und Führerstand tragenden Brückenrahmen verbunden sind, von 1704 gebauten Garratts gingen 1124 nach Afrika.
Die Bauart Mallet
Die Bauart Mallet wurde 1884 von dem Schweizer Ingenieur Anatole Mallet entwickelt.
Ihr zweigeteiltes Triebwerk war vor allem für kurvenreiche Bergstrecken gedacht.
Das vordere Triebwerk sitzt dabei auf einem beweglichen Drehgestell.
So kam die kräftige Lok auch durch enge Bögen.
Die Bauart Garratt
Die Bauart Garratt besteht aus zwei vollständig getrennten Triebwerkseinheiten.
Zwischen ihnen hängt ein Brückenrahmen, der Kessel und Führerstand trägt.
Damit gehört die Garratt ebenfalls zu den Gelenklokomotiven.
Ihre ungewöhnliche Form machte sie unverwechselbar.
Herbert Garratt und Manchester
Der Name geht auf den Ingenieur Herbert William Garratt zurück.
Entwickelt wurde die Bauart mit der Firma Beyer, Peacock und Co. in Manchester.
Von dort aus trat die Garratt ihren Siegeszug an.
Noch heute ist der Begriff Beyer-Garratt ein fester Name.
Premiere in Tasmanien
Die erste Garratt wurde 1909 ausgeliefert.
Sie ging an die Regierungsbahn der Insel Tasmanien.
Dort bewährte sie sich auf einer schmalen Spur.
Damit begann die Geschichte einer ganzen Lokomotivfamilie.
Ein Erfolg vor allem in Afrika
Weltweit wurden rund 1704 Garratt-Lokomotiven gebaut.
Allein 1124 davon gingen nach Afrika.
Dort passten sie gut zu leichten Gleisen und engen Kurven.
Viele Bahnen schätzten ihre Kraft bei geringem Achsdruck.
Das Fazit
Die Antwort lautet eindeutig: Ja, es gab Dampfloks mit zwei Triebwerken.
Die Bauarten Mallet und Garratt sind die bekanntesten Beispiele.
Sie verbanden große Kraft mit der Beweglichkeit in engen Kurven.
Der Mythos stimmt und erinnert an eine faszinierende Blüte des Lokomotivbaus.
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