Stimmt es, dass …?
„Achtung an der steilen Rampe im Höllental: Hier griff früher ein Zahnrad in eine Stange zwischen den Schienen.“
Stimmt es, dass die Höllentalbahn früher eine Zahnstange hatte?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand – und die Antwort liegt in einer steilen Schlucht.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Ja, das stimmt: Die Höllentalbahn im Schwarzwald fuhr früher mit einer Zahnstange. Von 1887 bis 1933 half ein Zahnrad auf dem steilsten Abschnitt zwischen Hirschsprung und Hinterzarten, bevor bessere Technik den Zahn überflüssig machte.
Die Höllentalbahn kämpft sich durch eine der steilsten Schluchten des Schwarzwalds.
Für die großen Steigungen reichte die reine Reibung der Räder anfangs nicht aus.
Deshalb half dort jahrzehntelang ein Zahnrad nach.

Die Fakten in Zahlen
1887
Eröffnung
mit Zahnstange Hirschsprung–Hinterzarten
ca. 6.525 m
Zahnstange
Länge des steilen Abschnitts
1933
Ausbau
Ende des Zahnradbetriebs
1936 / 1960
Fahrstrom
Versuch mit 20 kV, später 15 kV
Quelle: Wikipedia („Höllentalbahn (Schwarzwald)“); das System hieß Bissinger-Klose.
Eine Bahn durch eine wilde Schlucht
Die Höllentalbahn verbindet Freiburg mit dem Hochschwarzwald bei Neustadt.
Ihr Weg führt durch das enge und felsige Höllental.
Zwischen Hirschsprung und Hinterzarten gewinnt sie auf kurzer Strecke viel Höhe.
Diese Rampe gehört zu den steilsten Abschnitten im deutschen Streckennetz.
Schon beim Bau war klar, dass hier eine besondere Technik nötig würde.

Warum es die Zahnstange brauchte
Normale Züge halten sich allein durch die Reibung zwischen Rad und Schiene am Berg.
Wird die Steigung zu groß, rutschen die Räder durch.
Auf der steilen Rampe im Höllental war diese Grenze erreicht.
Eine Zahnstange zwischen den Schienen gab dem Zug zusätzlichen Halt.
Ein Zahnrad an der Lokomotive griff in diese Stange und zog den Zug sicher bergauf.
Gut zu wissen
Die Zahnstange der Höllentalbahn gehörte zur Bauart Bissinger-Klose und nicht zum bekannteren System Riggenbach.
Der steile Abschnitt zwischen Hirschsprung und Hinterzarten zählt bis heute zu den anspruchsvollsten Rampen im Netz.
Das System Bissinger-Klose
Die Höllentalbahn nutzte ab der Eröffnung 1887 eine Zahnstange der Bauart Bissinger-Klose.
Der Zahnstangenabschnitt reichte über rund sechseinhalb Kilometer.
Er lag zwischen Hirschsprung und Hinterzarten im steilsten Teil der Strecke.
Damit war die Höllentalbahn eine echte Zahnradbahn im Schwarzwald.
Die Technik galt für ihre Zeit als zuverlässig und leistungsfähig.
Das Ende der Zahnstange 1933
Mit den Jahren wurden Bremsen und Lokomotiven immer stärker.
Besonders zehn kräftige Dampflokomotiven der Baureihe 85 machten den Zahn überflüssig.
Sie schafften die steile Rampe allein durch die Reibung der Räder.
Im Jahr 1933 wurde die Zahnstange deshalb ausgebaut.
Seitdem fährt die Höllentalbahn auf diesem Abschnitt als reine Adhäsionsbahn.
Vom Dampf zum Fahrdraht
Ab 1936 bekam die Strecke zwischen Freiburg und Neustadt eine Oberleitung.
Zunächst lief ein Versuchsbetrieb mit einer ungewöhnlichen Spannung von 20 Kilovolt und 50 Hertz.
Die Höllentalbahn war damit eine wichtige Teststrecke für den Bahnstrom.
Im Jahr 1960 stellte man auf das heute übliche System mit 15 Kilovolt um.
Aus der alten Zahnradstrecke war eine moderne elektrische Bahn geworden.
Die Höllentalbahn heute
Heute verkehren auf der Strecke moderne Nahverkehrszüge der Breisgau-S-Bahn.
Die steile Rampe bezwingen sie ganz ohne Zahnrad.
Im Jahr 2019 wurde die Lücke bis Donaueschingen durchgehend elektrisch geschlossen.
Von der alten Zahnstange ist im Gleis nichts mehr zu sehen.
Geblieben ist die eindrucksvolle Fahrt durch das enge Höllental.
Ein Blick auf die Technik
Zahnradbahnen gibt es bis heute vor allem in den Bergen.
Sie helfen überall dort, wo reine Reibung nicht mehr ausreicht.
Die Höllentalbahn zeigt, dass sich so eine Rampe mit besserer Technik auch ohne Zahn bezwingen lässt.
Entscheidend waren stärkere Bremsen und kräftigere Fahrzeuge.
Das macht die Strecke zu einem lehrreichen Stück Eisenbahngeschichte.
Das Fazit
Die Behauptung stimmt.
Die Höllentalbahn im Schwarzwald hatte von 1887 bis 1933 eine Zahnstange.
Sie lag auf dem steilen Abschnitt zwischen Hirschsprung und Hinterzarten.
Bessere Bremsen und stärkere Lokomotiven machten den Zahn im Jahr 1933 überflüssig.
Heute fährt die Bahn dort allein mit der Kraft der Reibung.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
