Stimmt es, dass …?
„Auf Gleis eins rollt die Geschichte einer Bahn, die zwei junge Staaten unabhängiger machen sollte.“
Stimmt es, dass China in Afrika eine Eisenbahn baute?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt: China errichtete zwischen 1970 und 1975 die rund 1.860 Kilometer lange TAZARA-Bahn von Tansania nach Sambia. Sie war aber kein Geschenk, sondern wurde über einen zinslosen chinesischen Kredit finanziert.
Dass eine ferne Großmacht mitten in Afrika eine komplette Eisenbahn aus dem Boden stampft, klingt zunächst nach einer Legende.
Tatsächlich geschah in den 1970er Jahren genau das, als die Volksrepublik China die Strecke zwischen Daressalam und dem sambischen Kapiri Mposhi baute.
Hinter dem Projekt stand dabei weniger die reine Technik als die Politik des Kalten Krieges.

Die Fakten in Zahlen
1.860 km
Länge der Strecke
Daressalam bis Kapiri Mposhi
1970–1975
Bauzeit
erster Zug im Oktober 1975
rund 406 Mio. USD
zinsloser Kredit aus China
rückzahlbar 1973 bis 2013
Ihren höchsten Punkt erreicht die Bahn bei Uyole nahe Mbeya mit etwa 1.789 Metern über dem Meer.
Was an der Geschichte stimmt
Die Grundaussage trifft zu, denn China baute die Bahn als schlüsselfertiges Projekt für Tansania und Sambia.
Der erste Personenzug erreichte Daressalam am 24. Oktober 1975.
Die Strecke verbindet den Hafen Daressalam am Indischen Ozean mit Kapiri Mposhi im sambischen Kupfergürtel.
Ihr Name TAZARA steht für Tanzania Zambia Railway Authority, die gemeinsame Betreibergesellschaft beider Länder.
Schon damit ist der Kern des Mythos bestätigt, auch wenn einige Begleiterzählungen ungenau sind.

Zwei Länder ohne Zugang zum Meer
Sambia ist ein Binnenland, dessen wichtigster Reichtum das Kupfer im Norden ist.
In den 1960er Jahren führten die kürzesten Wege zum Meer durch das damals weiß beherrschte Rhodesien und durch Südafrika.
Beide Staaten standen für ein System der Rassentrennung, das Sambia nicht länger stützen wollte.
Eine eigene Bahn nach Osten sollte das Kupfer unabhängig von diesen Nachbarn zum Hafen bringen.
Tansania bot mit Daressalam den passenden Ausgang zum Indischen Ozean.
Gut zu wissen
Der sambische Endbahnhof Kapiri Mposhi ist ein eigener Kopfbahnhof und nicht unmittelbar mit dem übrigen Netz von Zambia Railways verbunden.
Reisende müssen dort umsteigen, weshalb die TAZARA über weite Strecken wie ein eigenes, abgeschlossenes System funktioniert.
Warum China einsprang
Nach verbreiteter Darstellung hatten westliche Geldgeber die Strecke zuvor als unrentabel abgelehnt.
Die Volksrepublik China sah dagegen die Gelegenheit, sich als Partner der jungen afrikanischen Staaten zu zeigen.
Peking sagte die Finanzierung und den Bau zu und entsandte Tausende eigener Fachleute.
Das Vorhaben wurde so zu einem Aushängeschild chinesischer Solidaritätspolitik im Kalten Krieg.
Es galt als eines der größten Auslandsprojekte Chinas jener Jahre.
Der Bau in nur fünf Jahren
Die ersten chinesischen Arbeiter trafen 1969 ein, der eigentliche Bau begann im Juli 1970.
Bereits 1975 war die Strecke fertig, ein für die schwierige Landschaft bemerkenswert kurzes Tempo.
Die Trasse überquert Flüsse, Hochebenen und die Ausläufer des ostafrikanischen Grabenbruchs.
Allein auf dem Abschnitt zwischen Mlimba und Makambako liegen 18 Tunnel und 46 Brücken.
Dieser Bergabschnitt gilt bis heute als das technische Herzstück der Bahn.
Die Zahlen eines Großprojekts
Insgesamt misst die Strecke rund 1.860 Kilometer und ist durchgehend eingleisig.
Sie läuft auf der Kapspur mit 1.067 Millimetern, der in weiten Teilen des südlichen Afrikas üblichen Spurweite.
Entlang der Linie entstanden 93 Bahnhöfe, 320 Brücken, 22 Tunnel und mehr als 2.200 Durchlässe.
Ihren höchsten Punkt erreicht die Bahn bei Uyole nahe Mbeya mit etwa 1.789 Metern über dem Meer.
Damit zählt sie zu den anspruchsvollsten Eisenbahnbauten des Kontinents.
Zehntausende Hände
Auf dem Höhepunkt der Arbeiten im Jahr 1972 waren etwa 13.500 chinesische und 38.000 afrikanische Kräfte beteiligt.
Über die gesamte Bauzeit kamen so zehntausende Menschen aus beiden Erdteilen zusammen.
Die Bedingungen waren hart, und mehr als 160 Arbeiter verloren bei Unfällen ihr Leben.
Unter den Opfern waren 64 chinesische Staatsangehörige, an die bis heute Gedenkstätten erinnern.
Die Bahn ist deshalb auch ein Denkmal für die Menschen, die sie errichteten.
Kein Geschenk, sondern ein Kredit
Oft heißt es, China habe Afrika diese Bahn einfach geschenkt.
Das trifft so nicht zu, denn Grundlage war ein zinsloser Kredit von umgerechnet rund 406 Millionen US-Dollar.
Dieser Kredit war zwischen 1973 und 2013 zurückzuzahlen, wenn auch ohne Zinsen und zu milden Bedingungen.
Die Hilfe war also großzügig, aber eben ein Darlehen und keine reine Schenkung.
An dieser Stelle geht der populäre Mythos über die belegbaren Tatsachen hinaus.
Als die Fracht zurückging
In den 1980er Jahren beförderte die Bahn auf ihrem Höhepunkt etwa 1,2 Millionen Tonnen im Jahr.
Danach verfielen Gleise und Fahrzeuge, und die transportierten Mengen brachen ein.
Im Geschäftsjahr 2014/15 waren es nur noch rund 88.000 Tonnen, ein Bruchteil der geplanten Kapazität.
Viele Transporte wanderten auf Lastwagen oder auf andere Häfen ab.
Die einst stolze Verbindung drohte zur Nebenstrecke zu werden.
Neue Pläne, neues Geld
Im Jahr 2025 unterzeichneten China, Sambia und Tansania ein Abkommen zur Erneuerung der Strecke.
Vorgesehen ist ein Umbau im Wert von rund 1,4 Milliarden US-Dollar samt langfristiger Betriebskonzession.
Anfang 2026 nahm die Bahn den Personenverkehr wieder auf, zunächst mit einem Zug je Richtung und Woche.
Auch der Güterverkehr soll mit neuen Lokomotiven und Wagen wiederbelebt werden.
Damit knüpft die Gegenwart an die ursprüngliche Idee der 1970er Jahre an.
Das Fazit
Die Behauptung, China habe in Afrika eine komplette Eisenbahn gebaut, stimmt eindeutig.
Die TAZARA-Bahn entstand zwischen 1970 und 1975 und verbindet bis heute Tansania mit Sambia.
Nur das Wort Geschenk führt in die Irre, denn finanziert wurde sie über einen zinslosen Kredit.
Als politisches und technisches Großprojekt bleibt sie dennoch außergewöhnlich.
Wer von ihr hört, erfährt zugleich ein Stück Geschichte des Kalten Krieges in Afrika.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
