Kursbuch: Das dicke Buch, das die App ersetzt hat

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 099

„Bitte entnehmen Sie die Abfahrtszeiten dem Aushangfahrplan.“

Kursbuch

→ Übersetzt: Der gesamte Bahnverkehr eines Landes, gedruckt auf Dünnpapier. Es hat funktioniert.

Lesezeit: 6 Minuten · Das System Bahn

Die 30-Sekunden-Antwort

Das Kursbuch war das gedruckte Verzeichnis aller Zugverbindungen. Jede Strecke hatte eine Nummer und eine eigene Tabelle. Wer eine Verbindung suchte, blätterte sich durch mehrere Tabellen und rechnete die Umstiege selbst aus. Gedruckt gibt es das kaum noch. Die Kursbuchstrecken-Nummern sind aber bis heute in Gebrauch.

Stell dir vor, du willst von Erfurt nach Kiel.

Es gibt kein Internet und kein Handy.

Du hast ein Buch, so dick wie ein Telefonbuch.

Darin steht jede Verbindung des ganzen Landes.

Du musst sie nur finden.

Und dafür brauchst du eine Technik, die heute fast niemand mehr beherrscht.

Ein dickes altes Buch liegt aufgeschlagen auf einem Holzschreibtisch
Tausend Seiten Dünndruck. Und jede Zahl darin war ein Zug. Symbolbild, mit KI erstellt.

Wie das Buch aufgebaut war

Das Kursbuch war nicht nach Städten sortiert.

Es war nach Strecken sortiert.

Jede Strecke hatte eine eigene Nummer.

Und zu jeder Nummer gehörte eine Tabelle.

In den Spalten standen die Züge, in den Zeilen die Bahnhöfe.

Wer eine Verbindung suchte, brauchte oft drei Tabellen.

Eine für den Anfang, eine für die Mitte, eine für den Schluss.

Die Umsteigezeiten musste man selbst nachrechnen.

Und die Fußnoten musste man lesen.

Denn dort stand, dass ein Zug nur samstags fährt.

Die Kunst der Zeichen

Platz war teuer, also wurde alles abgekürzt.

Was in den Tabellen stand

Ziffern die Uhrzeiten

Ohne Doppelpunkt. 1423 hieß 14 Uhr 23.

Kleine Symbole Ausstattung

Ein Messersymbol für den Speisewagen, ein Bett für den Schlafwagen.

Fußnoten Verkehrstage

Nur werktags, nicht an Feiertagen, nur vom 1. Juni bis 30. September.

Fette Linien Trennungen

Sie zeigten an, wo eine Tabelle in eine andere übergeht.

Wer das lesen konnte, plante eine Reise schneller als mancher Automat.

Video: „Kursbuch Winterfahrplan 1990 – Blättern in alten Bahnbüchern“ vom Kanal FrauVomErdbeerkopf.

„Bitte entnehmen Sie die Abfahrtszeiten dem Aushangfahrplan.“

→ Übersetzt: Der Aushang am Bahnsteig ist der letzte Nachfahre des Kursbuchs.

Was von ihm geblieben ist

Das gedruckte Gesamtkursbuch wird nicht mehr aufgelegt.

Die Streckennummern gibt es aber weiterhin.

Sie heißen Kursbuchstrecke, kurz KBS.

Fahrplanmacher und Eisenbahnfreunde benutzen sie täglich.

Auch in Baustellenankündigungen tauchen sie auf.

Regionale Kursbuchhefte gibt es teilweise noch.

Manche Verkehrsverbünde drucken sie für ihr Gebiet.

Und der Aushangfahrplan am Bahnsteig folgt derselben Logik.

Warum das Buch besser war, als man denkt

Eine App zeigt dir eine Verbindung.

Das Kursbuch zeigte dir alle.

Du hast dabei gesehen, was sonst noch fährt.

Und du hast gelernt, wie das Netz zusammenhängt.

Diese Übersicht fehlt heute vielen.

Dafür rechnet die App Umstiege sekundengenau.

Und sie weiß, dass dein Zug gerade zwanzig Minuten hat.

Das konnte kein Buch der Welt.

Was du daraus machen kannst

Schau dir einmal einen Aushangfahrplan in Ruhe an.

Er zeigt dir alles, was von deinem Gleis abfährt.

Bei einer Störung ist das Gold wert.

Denn er funktioniert auch ohne Empfang und ohne Akku.

Und wenn du eine Strecke wirklich verstehen willst: Such ihre KBS-Nummer.

Dahinter liegt der komplette Fahrplan dieser Linie.

Wie lange es das Buch gab

Kursbücher gibt es fast so lange wie die Eisenbahn selbst.

Schon im 19. Jahrhundert erschienen erste Verzeichnisse.

Sie waren anfangs privat herausgegeben.

Später übernahmen die Staatsbahnen die Aufgabe.

Zweimal im Jahr kam eine neue Ausgabe.

Einmal zum Sommerfahrplan, einmal zum Winterfahrplan.

Wer beruflich mit der Bahn zu tun hatte, kaufte jede Ausgabe.

In Reisebüros lagen sie griffbereit neben dem Telefon.

Mit dem Internet verschwand der Bedarf schnell.

Die letzte gedruckte Gesamtausgabe erschien vor gut zehn Jahren.

Danach blieb nur noch die digitale Fassung.

Gebrauchte Ausgaben sind heute Sammlerstücke.

Was ein Kursbuch über ein Land verriet

Alte Kursbücher sind heute historische Quellen.

Man sieht in ihnen, welche Orte einen Bahnanschluss hatten.

Und wie oft dort ein Zug hielt.

Viele dieser Strecken gibt es nicht mehr.

In den Ausgaben der achtziger Jahre stehen tausende Kilometer, die heute fehlen.

Wer eine stillgelegte Strecke erforschen will, fängt dort an.

Auch die Zeitgeschichte steht darin.

Ostdeutsche Ausgaben führten Verbindungen, die es so nie wieder gab.

Wie man eine Verbindung fand

Der erste Schritt war ein Streckenatlas vorne im Buch.

Dort suchte man seinen Startbahnhof.

Daneben stand die Nummer der Tabelle.

Diese Tabelle schlug man auf.

Man suchte die Zeile mit dem Bahnhof.

Und ging die Spalten durch, bis eine Uhrzeit passte.

Dann folgte man der Spalte nach unten.

Am Umsteigebahnhof begann alles von vorn.

Geübte schafften das in einer Minute.

Anfänger brauchten eine Viertelstunde.

Was im Kursbuch alles stand

Es war weit mehr als eine Liste von Abfahrtszeiten.

Jede Strecke hatte eine eigene Tabelle mit einer Kursbuchstreckennummer.

Darunter standen Fußnoten. Sie erklärten, an welchen Tagen ein Zug fuhr und wo er nicht hielt.

Dazu kamen Symbole für Speisewagen, Fahrradmitnahme und Anschlüsse.

Wer sie lesen konnte, plante damit ganze Reisen quer durch Europa. Ganz ohne Internet.

Was heute an seine Stelle getreten ist

Gedruckt gibt es das große Kursbuch nicht mehr. Die Inhalte gibt es trotzdem.

Die Kursbuchstreckennummern leben weiter. Sie stehen bis heute in Fahrplänen und Baustelleninfos.

Die Tabellen selbst gibt es als PDF im Netz, für jede Strecke einzeln.

Viele Verkehrsverbünde drucken weiterhin regionale Fahrplanhefte.

Und am Bahnhof hängt der Aushangfahrplan. Er ist der letzte gedruckte Nachfahre des Kursbuchs.

Alle Fragen zum Thema

Was war das Kursbuch?

Das gedruckte Gesamtverzeichnis aller Zugverbindungen in Deutschland. Es erschien jährlich zum Fahrplanwechsel. In seiner größten Zeit umfasste es mehrere tausend Seiten.

Wann wurde es eingestellt?

Das gedruckte Gesamtkursbuch erschien zuletzt 2009. Danach gab es nur noch elektronische Ausgaben und Einzeltabellen. Regionale Fahrpläne werden weiterhin gedruckt.

Was ist eine Kursbuchstreckennummer?

Eine Nummer für jede Strecke im Netz. Sie stand über der Tabelle im Kursbuch. Bis heute wird sie in Fahrplanunterlagen und Baustelleninformationen verwendet.

Gibt es das Kursbuch noch irgendwo?

Die Tabellen stehen als PDF im Netz zur Verfügung. Außerdem gibt es private Nachdrucke und Sammlerausgaben. Für den Alltag hat es die Reiseauskunft ersetzt.

Warum war es so kompliziert?

Weil es jede Ausnahme abbilden musste. Fußnoten regelten Feiertage, Ferienzeiten und einzelne Halte. Wer das System kannte, fand darin mehr als in jeder heutigen App.

Was ist ein Aushangfahrplan?

Der gedruckte Fahrplan am Bahnsteig. Gelb steht für Abfahrten, weiß für Ankünfte. Er ist bis heute Pflicht an jedem Bahnhof.

Warum ist der Abfahrtsplan gelb?

Es ist eine alte Konvention, die weit zurückreicht. Gelb für Abfahrt, Weiß für Ankunft. Sie gilt in vielen europäischen Ländern gleichermaßen.

Kann ich mit dem Kursbuch heute noch reisen?

Mit einem alten nicht, die Zeiten stimmen nicht mehr. Die aktuellen Tabellen im Netz sind dagegen tagesgenau. Sie sind besonders nützlich, um eine ganze Strecke auf einen Blick zu sehen.

Was war das Ausland-Kursbuch?

Ein eigenes Werk für internationale Verbindungen. Es hieß im englischen Sprachraum Thomas Cook Timetable. Auch dieses wurde eingestellt und lebt nur noch als Sammlerstück.

Der Chefübersetzer sagt

„Der ganze Bahnverkehr eines Landes passte in ein Buch. Man musste es nur lesen können. Heute rechnet das Handy in einer Sekunde, aber die Übersicht von damals hat es nicht.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Der Aushangfahrplan am Gleis funktioniert ohne Akku und ohne Empfang. Bei Störungen ist er unbezahlbar.

2. Kursbuchstrecken-Nummern gibt es bis heute. In Baustellenmeldungen ist damit deine Strecke gemeint.

3. Wer alle Züge einer Strecke sehen will, sucht nach ihrer KBS-Nummer statt nach einer Verbindung.

Weiterfahrt

Fahrplanwechsel – Begriff 049 im Wörterbuch

Zugnummer – Begriff 098

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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